Blumberg "Am Achdorfer Wehr haben wir gezeltet"

Das Wehr im Achdorfer Tal erlebt wohl seinen letzten Sommer. Es soll mit einer Rampe aufgeüllt werden. Zeitzeugin Gisela Scherzinger erinnert sich. Sie ist nach Nikolaus Kaiser und Viktor Wiggert die Dritte Talbewohnerin in der SÜDKURIER-Serie zum letzten Sommer des Wahrzeichens.

Gisela Scherzinger, geborene Greitmann, kam zwar in Blumberg zur Welt, fühlt sich aber als echtes Achdorfer Kind. "Jede freie Minute habe ich bei den Großeltern im Elternhaus meiner Mutter in Achdorf in der Lindenstraße verbracht, und da wurde natürlich gespielt." Bevorzugt hat Gisela Scherzinger mit Freundinnen und den Cousinen herumgetobt. "An der Flachstelle unter dem Wehr, da, wo die Sportangler immer wieder einmal im Ferienangebot mit Kindern nach Larven und Groppen gefischt haben, da haben wir uns abgekühlt und sogar ein Zelt aufgebaut." Das Wehr soll mit einer Rampe aufgefüllt werden, es ist wohl sein letzter Sommer. Gisela Scherzinger erinnert sich gut. Manchmal gab es absolutes Verbot, an die Wutach zu gehen. "Da hat es im Schwarzwald viel Regen gegeben. Das Wehr war übervoll, hat getobt und man bekam Angst".

Und doch bleiben Kindheitserinnerungen und das Wehr mit dem kleinen Wasserfall für Gisela Scherzinger ein Wahrzeichen von Achdorf. Aber nicht nur für sie war dieses vertraute Relikt einfach da. 1968 eröffnete sie ihre kleine "Pension Gisela", und ihre vielen Gäste über Jahrzehnte hin haben dieses zwar von Menschen gemachte, aber mittlerweile wunderschöne kleine Stück Natur schätzen gelernt. So wurden Ammonitensammler in den Böschungen und dem angrenzenden Gestein um das alte Wehr fündig, und die Gästebücher erinnern an schönste Funde. Aber es wurde nicht nur gesammelt. Ganz viele Gäste liebten den gut gangbaren Weg vom Ortseingang über die Brücke bis zum Wehr. Hier wurde oben oder unterhalb auf dem Bänkle gerastet und manch einer lief die Strecke schon vorm Frühstück.

Viel hat sich seitdem geändert. Ganz eng mit dem Wehr ist für Gisela Scherzinger und ihre Gäste das regelmäßige jährliche "Entenschwimmen" auf der Wutach verbunden. "Für ganz viele der Gäste ist der große "Platsch" an der Aselfinger Brücke gar nicht so wichtig. Die stehen am Wehr und schauen den purzelnden und tanzenden quitschegelben Rennenten zu , denn da entscheidet sich, wer zuerst wieder in die Strömung kommt und dem Ziel zu getrieben wird." Gisela Scherzinger weiß um das Vergnügen am kleinen Spektakel, das so ein richtiges Mini-Volksfest ist. Wenn es das Wehr demnächst in dieser alten Form nicht mehr gibt, werde auch das Entenschwimmen eine andere Qualität bekommen. "Ich bin traurig, dass keine andere Lösung gefunden werden konnte. Das alte Wehr in seiner jetzigen Form mit dem lauten Wasserfall ist eines der Wahrzeichen von Achdorf und ein großer Anziehungspunkt für Wanderer und Gäste. Jetzt geht ein Stück Heimat und zugleich ein uraltes Industrierelikt unwiederbringlich verloren."

Zur Person

Gisela Scherzinger, geborene Greitmann kam zwar in Blumberg zur Welt, ist aber zeitlebens über ihre Großeltern aufs engste mit Achdorf verbunden. 1964 baute sie sich mit Ehemann Edmund Scherzinger das eigene Haus im Tal und seit 1968 betreibt sie die "Pension Gisela" und viele treue Gäste wissen die Schönheiten des Achdorfer Tals zu schätzen.

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