Bad Dürrheim Stille Musel offenlegen oder nicht?: So geht es weiter mit dem Irma-Areal

Im Bauamt wird am Mittwoch die Machbarkeitsstudie zur Offenlegung der Stillen Musel vorgestellt.

Noch immer wird kräftig gewerkelt auf der Baustelle an der Ecke Luisen- und Hofstraße. Auf dem Gelände der ehemaligen Reha-Klinik Irma ist der Abriss in vollem Gange. Wie es künftig genutzt wird, ist derweil noch völlig offen. Die beauftragte Machbarkeitsstudie des Amtes für Wasser- und Bodenschutz, einer Fachbehörde des Landratsamtes Schwarzwald-Baar, zur Offenlegung der Stillen Musel lässt noch auf sich warten. Bei einem Treffen mit den Planern am Mittwoch sollen die lang erwarteten Ergebnisse der Studie im Bauamt vorgestellt werden, wie Architekt Michael Rebholz erklärt.

Dann können auch Bebauungsvarianten diskutiert werden. In Abstimmung mit dem Landratsamt, das die Studie angefordert hatte, können dann weitere Schritte besprochen werden. Rebholz hofft derweil, dass das Bebauungsplanverfahren noch im Mai wieder aufgenommen werden kann.

Das Projekt ist seit vier Jahren im Gespräch. Für Rebholz und seinen Auftraggeber, den Investor Casim Ucucu, mache es keinen Unterschied ob die Stille Musel nun offengelegt werden soll oder nicht. „Baulich ist das kein Problem“, sagt der Architekt. Er erinnert daran, dass die Offenlegung über Steuergelder finanziert wird. 85 Prozent der etwa eine Million hohen Summe könnten über eine Förderung bezahlt werden. 15 Prozent müsste die Stadt tragen. Letztendlich geht es für Rebholz darum die Wirtschaftlichkeit des Projektes gegen den ökologischen Wert einer Renaturierungsmaßnahme aufzuwiegen und danach zu entscheiden.

Rebholz ist sich allerdings sicher, dass der Investor sich zurückziehen wird, wenn im Mai nichts mehr passiert und das Verfahren weiter ruht. „Wenn er es verkaufen kann, dann ist er raus“, sagt Rebholz. Auch an ihm zehrt das Projekt. „So langsam habe ich auch keinen Bock mehr, mich mit anonymen Briefen und Sonstigem auseinanderzusetzen.“

Bei der Frage, ob Wohnungen oder Gewerbefläche schon verkauft seien, verneint Rebholz. „Wenn es keine Baugenehmigung gibt, gibt es auch keinen Verkauf“, sagt der Architekt. Interessenten gäbe es allerdings jede Menge. Auf dem etwa 4300 Quadratmeter großen Areal sollen nach derzeitigem Stand 60 Wohnungen, davon 20 Ferienwohnungen entstehen. Im Erdgeschoss soll der Einzelhandel und Gastronomie einziehen. 40 Prozent gewerbliche Fläche sieht die Vorgabe der Stadt vor.

Sollte die Stille Musel offengelegt werden sollen, würde im hinteren Haus, dem Gebäude in der Hofstraße, kein Einzelhandel einziehen können, sondern es müssten Ferienwohnungen untergebracht werden. Die Offenlegung würde etwa 70 Meter einnehmen.

Dass die Stille Musel kaum Wasser führt, sieht Rebholz als Problem. Denn durch Entenkot und sonstige Verunreinigungen käme es so schnell zu Geruchsbelästigungen, wie es sie auch anderswo in der Stadt schon gäbe.

Auch, wenn noch keine Wohnungen oder Gewerbefläche verkauft sind, Rebholz kalkuliert mit 3500 bis 5000 Euro Kosten pro Quadratmeter, die mögliche Käufer bezahlen müssten. Bei circa 20 Millionen Euro Projektsumme, die der Investor Ucucu mit seiner Firma TFD Golden Village GmbH investieren muss, müssten auch wieder ausreichend Einnahmen gutgemacht werden.

Die etwa 20 geplanten 2-Zimmer-Ferienwohnungen mit einer jeweiligen Fläche von circa 50 Quadratmeter werden alle möbliert angeboten. Alleine die Ausstattung koste 200 bis 250 Euro pro Quadratmeter rechnet Rebholz vor. „Das alles muss auch wieder reinkommen.“

Im Erdgeschoss wären 700 bis 800 Quadratmeter Fläche für Gewerbe im vorderen Bereich und etwa eine gleich große Fläche im hinteren Bereich, eventuell für Gastronomie, denkbar. Das wäre natürlich für schon ansässige Gastronomen ein relevanter Punkt, betont Rebholz. Gerade für die Planungen im Hinterhaus müssen allerdings die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie abgewartet werden.

 

Rückblick

Das Gelände der ehemaligen Reha-Klinik wurde 2014 aus der Insolvenzmasse von Investor Carim Ucucu erworben. Die Interessengemeinschaft (IG) Pro Bad Dürrheim wünscht sich drei statt der vier geplanten Geschoss plus Penthouse. Statt dem geplanten Flachdach, soll ein Satteldach entstehen. Außerdem wollen deren Mitglieder keine „puristisch-moderne Fassade“. Ende März hat die IG für einen neuen Verlauf der Stillen Musel durch den Hindenburgpark plädiert. Im Januar 2018 mussten die Abrissarbeiten auf dem Gelände für mehrere Wochen unterbrochen werden, weil die Offenlegung der Stillen Musel im Raum stand.

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