Bad Dürrheim Podiumsdiskussion der Schweinezuchtgegner: Die Verbraucher sind gefordert

Die Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative gegen die Massentierhaltung auf der Baar am Sonntagnachmittag stieß auf breites Interesse und war ein voller Erfolg. Die Diskussionsrunde entstand auf der Grundlage des europaweit veranstalteten Sternenmarsches „Good-food-March“, dessen Mitglieder sich für bessere Agrarpolitik stark machen.

Die BI greift immer wieder und aktuell jede Möglichkeit auf, gegen die riesige geplante Schweinezucht auf der Ostbaar vorzugehen und freute sich über rund 150 Teilnehmer. Dies trotz aller Veranstaltungen, die im Umkreis herum angeboten waren. Das zeige die deutlich die Anteilnahme am Geschehen, waren sich alle einig.

Zuvor waren etwa 30 Mitglieder des Good-Food-Marches in Bad Dürrheim angekommen und mit Lebensmitteln örtlicher Erzeuger versorgt worden. „Das schwankt. Es sind mal mehr und mal weniger Teilnehmer bei der Fahrt“, sagte Iris Kiefer, die mitradelt und außerdem für die Öffentlichkeitsarbeit der Kampagne zuständig ist. „Ich bin überrascht, auf welche Resonanz diese Diskussion gestoßen ist“, sagt sie erfreut. Das habe sie schon anders erlebt.

Im Vordergrund stand zunächst am Sonntagmittag die Präsentation der einzelnen Diskussionsteilnehmer mit ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern. Anschließend stellten sich die Diskutanten den kritischen Fragen der Zuhörer. Diese erfuhren im Gegenzug unerwartet manch interessante Tatsache zu unter anderem „Tierschutz im Einkaufskorb“, gesetzliche Vorschriften, der Arbeit der rot-grünen Landesregierung oder zu der Frage: „Wie viel von einem Schwein landet denn im Müll?“ oder von Andrea Chandoni aus Öfingen: „Warum dürfen keine Essensreste aus Restaurants mehr an Schweine verfüttert werden?“ Wie gewünscht kamen nicht Verbraucher, Vermarkter und Erzeuger an einen Tisch. Es stellten die Podiumsteilnehmer sich und ihr Tätigkeitsfeld vor.

Dies waren wie angekündigt Patrik Neukomm, Schweizer Landwirt, der mit dem Lebensmittelhändler Coop im Projekt Naturafarm zusammenarbeitet, Martin Hahn (Grüne) steuerte als Landtagsabgeordneter, Mitglied des Agrarausschusses und Bio-Landwirt seinen Beitrag bei sowie Stefan Johnigk, Geschäftsführer des Vereins gegen tierquälerische Massentierhaltung und Geschäftsführer Mäder der Edeka Südwestfleisch, der die Situation aus Händlersicht darstellte. Moderiert wurde diese informative Runde von Stadtrat Wolfgang Kaiser (LBU). Was ist artgemäße tierschutzgerechte Haltung, welche Richtlinien legt der Tierschutz fest, was ist gefordert, was wird umgesetzt. „Gute Haltung ist Bauernsache“ wurde festgestellt. Der Landwirt sei Ansprechpartner. „Bio schlägt immer dann zu, wenn irgendetwas am Dampfen ist“, sagte Mäder und erklärte auf die entsprechende Nachfrage aus dem verblüfften Publikum später, dass von einem Schwein in der Fertigung nichts weggeworfen würde. 30 Prozent eines Tieres landen in der Verkaufstheke, 30 Prozent werden Wurstprodukt, Knorpelteile und Kniescheiben würden in der Medizin landen, Hinterfüße eingefroren nach Asien verschifft. „Nicht das Fleisch in der Schweiz sei zu teuer, sondern in Deutschland sei es krankhaft billig“, waren weitere Feststellungen. 300 000 „Bioschweinen“ stünden 59 Millionen kommerziell fabrizierte Schweine gegenüber. Nach BSE würden die Verbraucher trotz aller Nachteile nicht wollen, dass Essensreste an Tiere verfüttert werden. Etliche Faktoren spielten eine Rolle.

Es gab viele Fragen, aber auch ein Fazit: Die Verbraucher sind gefordert. „Marken“ zur Definition verschiedener Qualitätsstufen zwischen „Bio“ und „Discount“ müssten geschaffen werden. Die Diskussion endete mit Beifall und Nachdenklichkeit.

Die Veranstaltung moderiert Wolfgang Kaiser (stehend). Auf dem Podium diskutieren: Patrik Neukomm (Schweizer Landwirt), Jürgen Mäder (Edeka), Stefan Johnigk (Verein Pro-Vieh) und Martin Hahn (Landtagsabgeordneter und Bio-Landwirt, von links).
Die Veranstaltung moderiert Wolfgang Kaiser (stehend). Auf dem Podium diskutieren: Patrik Neukomm (Schweizer Landwirt), Jürgen Mäder (Edeka), Stefan Johnigk (Verein Pro-Vieh) und Martin Hahn (Landtagsabgeordneter und Bio-Landwirt, von links). | Bild: Naiemi
Birgit Strohmeier von der BI verteilt Infomaterial an die Besucher.
Birgit Strohmeier von der BI verteilt Infomaterial an die Besucher.

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