Bad Dürrheim Luise bekommt Feinschliff

Isabel Ritter hat noch vier Tage Arbeit vor sich. Der Holzkern erschwert das Schnitzen und Raspeln.

Schon von Weitem sind die Arbeiten von Isabel Ritter an der Großherzogin Luise von Baden im Kurpark zu hören und zu sehen. Die akkubetriebene Kettensäge röhrt und die Holzspäne legen sich auf den schwarzen Turnschuhen der Holzbildhauerin ab. Wie eine Försterin – mit Arbeitsoverall, Gehörschutz und Helm ausgestattet – geht Isabel Ritter ans Werk. Die Rasenfläche um sie herum ist mit Absperrband versehen und zeigt den Spaziergängern unmissverständlich, dass sie es mit einer Baustelle zu tun haben.

Es ist der neunte Arbeitstag unter freiem Himmel für die Künstlerin. Unter ständiger Beobachtung einer kleiner Kamera, die die Kur- und Bäder GmbH an einem nahegelegenen Baum befestigt hat, schneidet sie präzise Stück für Stück aus dem Eschenstamm. Jeder Arbeitsschritt braucht Gefühl. Denn beim Feinschliff fällt jeder noch so kleine Fehler auf.

Fotografie zeigt Faltenwurf

Einzelne Spaziergänger schauen aus der Ferne, was passiert. Am Himmel braut sich ein Gewitter zusammen. Doch das ist kein Grund für Ritter ihre Arbeit niederzulegen. So arbeitet sie ohne Unterbrechung weiter. Zeitweise treten die Laubbläser und Rasenmäher der Stadtgärtner, die ganz in der Nähe ihre Arbeit verrichten, in akustische Konkurrenz mit Ritters Werkzeug. Es ist ein Kräftemessen der Maschinen, das die kleine und kompakte Kettensäge von Ritter an diesem Mittag verliert. Der Akku gibt den Geist auf und kommt nicht mehr gegen den harten Holzkern an. "Von vorne ließ sie sich gut bearbeiten, hinten ist es jetzt deutlich schwieriger", sagt Ritter.

Wie viel die Künstlerin in den vergangenen Wochen schon geleistet hat, zeigt der Berg an Holzresten vor ihrer Arbeitshütte, die sie schon vor so einigen Sommergewittern geschützt hat. Sie werden den Kindern des Sommerferienprogramms zugute kommen. "Einige Passanten haben sich außerdem schon daran bedient", sagt Ritter, während einer Trinkpause.

Lange gönnt sie sich keine Ruhe, sie ist getrieben vom Abgabetermin, am Sonntag wird die Skulptur übergeben. Langsam streift sie sich ihre Schutzhandschuhe über und nimmt ihr neues Schneidegerät zur Hand. Eine Fotografie, für die sie selbst Modell stand, hat sie sich zur Hilfe angepinnt. Darauf sieht sie genau, wie die Falten des Kleides fallen müssen. Immer wieder stoppt sie die Maschine und prüft mit kritischem Blick jeden einzelnen Arbeitsschritt. Sie geht um die Skulptur herum und umfasst sie mit ihren Armen, um zu prüfen, ob der Körperschwerpunkt der hölzernen Luise stimmt.

Die Skulptur, die nach der Fertigstellung bei den Themengärten aufgestellt bleiben wird, ist umringt von Eschen. Wenn der Wind sanft durch die Bäume weht, verteilt sich der Geruch des Eschenholzes rund um die Statue. Es riecht wie ein frischgeöffnetes Glas grüner Oliven, hat keinen klassischen hölzernen Duft.

Tätigkeit ist körperlich anstrengend

Mit Klüpfel und Schnitzeisen bewaffnet, bearbeitet Ritter den Schnitt, den sie mit der Kettensäge gerade gemacht hat. Schlag für Schlag entsteht eine neue Falte im hölzernen Kleid der Großherzogin. Am Rock kann sie grober vorgehen als beim Gesicht oder den Händen. Die Arbeit erfordert nicht nur einen fitten Geist, sondern ist auch körperlich anstrengend. Noch vier Tage arbeitet Ritter an der Skulptur. Für einen Laien mag die Skulptur schon fertig aussehen, doch die Künstlerin selbst will mit ihrem Werkzeug bis zuletzt das Beste rausholen.

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