Bad Dürrheim Irma-Pläne entwickeln sich weiter

Architekt Michael Rebholz und Investor Casim Ucucu äußern sich zu Kritik an ihrem Projekt zum Irma-Nachfolgebau in Bad Dürrheim. Warum diese "unter der Gürtellinie" lag...

Es sei an der Zeit, ein paar Dinge klarzustellen, die Diskussion um den Nachfolgebau für die alte Rehaklinik Irma in die richtige Richtung zu lenken. Daher haben Architekt Michael Rebholz und Investor Casim Ucucu zum Pressegespräch in die neuen Geschäftsräume von Ucucus Firma TFD Golden Village geladen. Seit anderthalb Monaten befinden sich diese nun im Gewerbegebiet in Bad Dürrheim. "Weil meine Arbeit nun einmal in Bad Dürrheim ist", begründet der Investor den Umzug von Schwenningen in die Kurstadt mit einem leichten Lächeln.

Es sei Kritik geäußert worden, die "unter der Gürtellinie" lag, sagt Architekt Rebholz und atmet tief ein. "Hier wird nicht fahrlässig mit alten Immobilien umgegangen, die den Bad Dürrheimern ans Herz gewachsen sind." Ziel sei es, ein Produkt zu schaffen, dass in der Stadt gebraucht werde. Von Anfang an habe die Interessengemeinschaft Pro Bad Dürrheim persönliche Kommunikation abgelehnt, stattdessen ein Gespräch unter Einbezug der Bürger gefordert. "Das ist aber kein Thema, das in ein großes Forum passt", sagt Rebholz. Die Gemeinschaft habe sich nie persönlich bei Rebholz oder Ucucu mit ihren Einwänden gemeldet. "Wie die Kommunikation abläuft, ist nicht sachlich", sagt auch Taifun Yengec, Ucucus Firmen-Partner. Das Unternehmen habe stets auf die Bedürfnisse reagiert, die an es herangetragen worden sind. "Wir sind ein Teil von Bad Dürrheim", betont Yengec. "Wir interessieren uns für die Region."

Darüber hinaus habe es in den Augen von Rebholz und Ucucu keine ausreichende Distanzierung der Interessengemeinschaft zur AfD gegeben. Die rechtsradikale Partei hat einen Tag vor der Bundestagswahl mit der Irma-Diskussion für sich geworben.

  • Vorgeschichte: Seit der Schließung der Rehaklinik vor vier Jahren bemüht sich die Rebholz Immobiliengruppe um die Umnutzung des Gebäudes. Angedacht war vieles: Ein Hotel etwa, doch das scheiterte damals an der Bank. Diese war als Gläubiger unter anderem nicht bereit, sich mit 300 000 Euro zur Hälfte an der Umnutzung zu beteiligen. Geprüft wurden auch ein Ärztehaus, Einzelhandel und ein Pflegestützpunkt der Arbeiterwohlfahrt. Ersteres scheiterte etwa, weil es damals nicht möglich war, an dem Standort genügend Ärzte zusammen zu bringen, so Rebholz.
  • Golden Village: Mit dem Plan, eine private Klinik im Wellness- und Beauty-Bereich auf die Beine zu stellen, erwarb Casim Ucucu mit seiner Firma TFD Golden Village GmbH 2014 das Irma-Areal. Die Kur- und Bäder GmbH arbeitete mit dem Investor zusammen. Das Projekt scheiterte, weil kein Betreiber, später keine Ärzte gefunden wurden.
  • Zusammenarbeit: Seit 2015 arbeiten Ucucu und die Firma Rebholz nun zusammen. Sie ließen etwa prüfen, ob ein Gesundheitszentrum integriert werden könne. Aus dem Gebäude ein Boardinghouse zu machen, lehnte die Stadt ab. Auch eine Umnutzung als Kindertagesstätte oder Seniorenhotel wurde angedacht. Letztlich hätten Untersuchungen aber ergeben, dass etwa die Zimmer zu klein für eine moderne Nutzung seien. Der Umbau sei zudem mit sehr hohen Kosten verbunden. Daraufhin wurde der Abriss mit Neubau im Juli 2015 vom Gemeinderat befürwortet. Dabei wurde laut Rebholz der Wunsch nach einem architektonisch modernen Gebäude geäußert.
  • Grundüberlegungen: Im Herbst 2015 forderte der Gemeinderat Gastronomie- und Einzelhandelsflächen im Gebäude an der Ecke Luisenstraße/Hofstraße. Mindestens 40 Prozent der Fläche sollte gewerblich genutzt werden, etwa für Ferienwohnungen. Rebholz legte Entwürfe vor: Das städtebauliche Konzept, die Höhenentwicklung und die Maße der Baukörper wurden vom Gemeinderat positiv bewertet. Auf Initiative eines Hotelbetreibers haben Stadtverwaltung und Gemeinderat ein Gutachten durchführen zu lassen, inwieweit sich der Standort doch für ein Hotel eignen würde. TFD Golden Village trug dafür die Hälfte der Kosten. Im Frühjahr 2016 kam schließlich die Absage: Ein günstiges Hotel würde sich an der Stelle nicht rechnen, ein hochwertigeres bräuchte mehr Fläche.
  • Städtebauliches Konzept: Im Herbst 2016 entwickelt Stadtbaumeister Holger Kurz ein städtebauliches Konzept, in dem auch Irma eingebunden ist. Vorgesehen ist eine stärkere Einbindung des Hindenburgparks, Wegbeziehungen zur evangelischen Kirche und der Stillen Musel.
  • Bebauungsplanverfahren: Rebholz und Kurz stellen im Sommer dieses Jahres im Gemeinderat ein überarbeitetes Entwurfskonzept für den Irma-Nachfolgebau vor. Daraufhin sollte das Projekt im vereinfachten Bebauungsplanverfahren umgesetzt werden. "Das sollte einfach nur ein geringerer Bürokratieaufwand sein", sagt Michael Rebholz und reagiert damit auf den Vorwurf, mit dem beschleunigten Verfahren haben die Verantwortlichen etwa unterbinden wollen, dass sich Bürger einbringen können. Da derzeit ohnehin der Flächennutzungsplan überarbeitet werde, hätte dieser im beschleunigten Verfahren lediglich auf dem Irma-Areal berichtigt werden müssen.
    Ein Erdgeschoss für Einzelhandel und Gastronomie, drei Wohnetagen und eine Penthaus-Ebene sollen in dem Gebäudekomplex untergebracht werden.
    Ein Erdgeschoss für Einzelhandel und Gastronomie, drei Wohnetagen und eine Penthaus-Ebene sollen in dem Gebäudekomplex untergebracht werden. | Bild: Rebholz Architekten
  • Zeitplan: Der Aufstellungsbeschluss wird bei der Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag, 19. Oktober, zurückgenommen, das reguläre Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Damit soll signalisiert werden, dass der Investor konsensbereit ist, so Rebholz. Die Offenlegung der Pläne für die Träger der öffentlichen Belange und die Bürger könnte spätestens Anfang kommenden Jahres erfolgen. Im Winter soll auch mit den Abbrucharbeiten begonnen werden. "Dass es dazu noch nicht gekommen ist, liegt nicht am Investor", betont Rebholz. Zunächst habe das Sanierungsgebiet um das Irma-Areal integriert werden müssen. Der Entwurf für den Nachfolgebau ist mittlerweile weiterentwickelt worden. Nach der Gemeinderatssitzung plant der Architekt ein Schaugerüst vor der alten Irma aufzustellen, um die Dimensionen des neuen Gebäudes zu verdeutlichen.
  • Aktueller Entwurf: "Wir reagieren auf die Einwände der Bevölkerung", sagt Rebholz. So ist das Penthaus zurückgesetzt worden, der vordere Teil des Gebäudes zur Luisenstraße hin geschmälert. Dessen Kante werde etwa zwei Meter vor der heutigen Irma-Kante liegen. Die sichtbare Fläche des Nachfolgebaus sei bis auf acht Quadratmeter identisch mit Irma. Der neue Gebäudekomplex und auch das Plateau selbst ragten nicht auf das Gelände des Hindenburgparks. Die sichtbare Wiesenfläche werde keine öffentliche Fläche berühren. Möglicherweise werde ein Teil der Tiefgarage unterirdisch in den Park ragen. "Das hängt aber von der Aufweitung der Hofstraße ab", sagt der Architekt. Der heutige Spazierweg werde entfernt, führe dann über das Plateau. Für den Neubau werden bis zu sieben Bäume im Park weichen. "Man sollte an dieser Stelle aber auch wirklich zwischen Park und Wald unterscheiden. Und dort befinden wir uns in einem Park", betont Rebholz. Die Lockerung des Baumbestandes werde keine Auswirkungen auf die Funktion und Ausstrahlung des Parks haben. Die Ferienwohnungen sollen sich im hinteren Teil des ersten Gebäudes befinden. Die Wohnungen auf der Norseite werden ruhig zur Hofstraße gelegen sein, die Südseite-Wohnungen zum Plateau und damit auch zu Gastronomie und Einzelhandel gewandt. Derzeit laufen laut Rebholz ernste Gespräche mit der Brauerei Fürstenberger. Im Hinblick auf durch die Gastronomie entstehenden Lärm habe dann auch die Lamellenstruktur der Fassade einen Vorteil: Diese würde einen Teil des Schalls aufnehmen.

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