Eishockey: Es tut sich was bei den Wild Wings. Nach der miserablen Saison 2018/19 startet der Deutsche Eishockey-Ligist aus Schwenningen neu durch. Dank einer Initiative von Sponsoren haben die Wild Wings die Möglichkeit, mehr Geld in den Spielerkader zu investieren. Deshalb wollen die Neckarstädter mit einer deutlich verstärkten Mannschaft wieder um die Playoffs mitspielen. Mit der Verpflichtung von Mittelstürmer Patrick Cannone wurde das letzte Mosaiksteinchen im sportlichen Bereich gesetzt.

So manch ein Fan rieb sich verwundert die Augen, als die Wild Wings nach und nach ihre Neuzugänge präsentierten. Namen wie Mike Blunden, Jamie MacQueen, Troy Bourke oder Mark Fraser hätten viele noch vor einigen Wochen nicht für möglich gehalten. Und doch streifen sich diese Profis nun das Schwenninger Trikot über, zum Teil sogar für die nächsten zwei Jahre.

Da stellte sich die Frage: Wie war das möglich, nachdem die Wild Wings die vergangene Saison mit einem satten Minus abgeschlossen hatten und finanziell seit Jahren nicht auf Rosen gebettet waren? Die Antwort folgte am Montag bei einer Pressekonferenz. Da stellten sich einige Unternehmer vor, die eine Initiative ins Leben gerufen und ihr Sponsoring erheblich ausgeweitet haben. „Wir waren nicht glücklich über den sportlichen Verlauf der vergangenen Saison und machten uns Sorgen. Das Thema Eishockey ist schwierig geworden. Deshalb haben wir uns entschlossen, Geld zur Verfügung zu stellen, das zweckgebunden für Spieler verwendet werden soll. Wir brauchen bessere Spieler“, sagte Gunther Müller von der Firma Helios stellvertretend für die Gruppe, die aus fünf Unternehmen besteht und noch erweitert werden soll.

Michael Werner, geschäftsführender Gesellschafter der Wild Wings GmbH, freut sich riesig über die Unterstützung. „Ich finde es sensationell, dass diese Initiative von den Sponsoren kommt. Es wurde viel getan, um sportlich weiterzukommen.“ Um welchen Betrag der bisherige Etat von rund 5,7 Millionen Euro erhöht wurde, wollte der Immobilien-Unternehmer nicht verraten, nur so viel: „Es handelt sich um einen sechsstelligen Betrag.“ Ein Richtwert, der viel Spielraum lässt.

Die Initiatoren des Sponsorenprojekts, zu denen neben Gunther Müller von der Firma Helios auch Dino Steiner (Wehingen), Christian Kauth (Denkingen) sowie die Firmen Waldmann (Schwenningen) und Karl Storz (Tuttlingen) gehören, erheben nach eigenen Angaben keinen Anspruch, als Gegenleistung für ihr Engagement künftig bei den Wild Wings mitzureden oder gar als Gesellschafter einzusteigen. „Das ist nicht geplant. Wir sind lediglich Eishockey-Fans sowie Gönner und Freunde des Vereins. Wenn der Verein für positive Schlagzeilen sorgt, ist das auch für das Sponsoring positiv“, versicherte Müller. Eines aber wünschen sich die Geldgeber schon: „Wir wollen wieder eine Mannschaft sehen, die Leidenschaft aufs Eis bringt und sich den Arsch aufreißt“. Das Projekt sei auf mindestens zwei Jahre ausgelegt. In der Saison 20/21 wird in der Deutschen Eishockey Liga der Auf- und Abstieg wieder eingeführt.

Geschäftsführer gesucht

Nicht nur auf sportlicher Ebene tut sich bei den Wild Wings einiges, auch strukturell stehen weitere Veränderungen bevor. Einen neuen Mann für die Öffentlichkeitsarbeit (Kai Blandin) gibt es bereits. Nun wollen die Verantwortlichen noch einen hauptamtlichen Geschäftsführer installieren. „Wir wollen auch in diesem Bereich den nächsten Schritt vollziehen“, sagte Werner. In den vergangenen 15 Jahren hatten er und Thomas Burger die Geschäfte der Wild Wings GmbH geführt, ein Job, der neben den eigentlichen Aufgaben der beiden Unternehmer nicht mehr zu bewerkstelligen sei. Unter Zeitdruck setzen sich die Wild Wings bei der Suche nicht, nur so viel: „Es wäre gut, wenn der- oder diejenige einen sportlichen und kaufmännischen Hintergrund hätte“, sagte Werner.

Pat Cannone letzter Mosaikstein

Die Schwenninger Wild Wings haben ihren Kader für die kommende Saison komplett. Patrick Cannone ist das letzte Mosaiksteinchen der neuen Mannschaft. Cannone unterschrieb einen Vertrag über eine Spielzeit.

Auf dem 32-jährigen Mittelstürmer ruhen große Erwartungen. „Genau einen solchen spielstarken Akteur haben wir noch gesucht. Als Center ist er Denker und Lenker seiner Mannschaft, selbst aber auch torgefährlich. Cannone gilt als erfahrener Spieler, der seine Führungsqualitäten bereits bei mehreren Vereinen unter Beweis gestellt hat“, beschreibt Schwenningens Sportmanager Jürgen Rumrich die Qualitäten des US-Amerikaners.

Bevor der Angreifer vergangenes Jahr in Ingolstadt seine erste Saison in Europa absolvierte, lief er in über 500 Spielen für die Binghamton Senators, Chicago Wolves und Iowa Wild hauptsächlich in der AHL auf. Er stellte dort mit über 100 Toren und mehr als 180 Vorlagen seine Gefährlichkeit unter Beweis. Außerdem verbuchte Cannone drei Einsätze in der nordamerikanischen Profi-Liga NHL.