Eishockey: Aus den Dolomiten in den Schwarzwald – viele Deutsche bevorzugen eher die entgegengesetzte Richtung. Touristisch hat Südtirol viel zu bieten und ist daher ein beliebtes Urlaubsziel. Die umgekehrte Richtung ist eher mit der Heimfahrt verbunden. Mike Blunden, der neue Stürmer der Schwenninger Wild Wings, ging den Weg von den Dolomiten. Nach einem Jahr beim HC Bozen schlug er seine Zelte nun im Schwarzwald auf. „Natürlich war die Kulisse mit den Bergen Südtirols traumhaft. Meine neuen Mitspieler haben mir aber schon viel von den Reizen des Schwarzwaldes berichtet. Ich denke, dass ich auch hier eine tolle Region gefunden haben“, sagt der 32-Jährige.

Mike Blunden ist jedoch nicht als Tourist nach Schwenningen gekommen. Er ist Eishockey-Profi, und daher zählen allein Tore und Punkte für seinen neuen Verein. „Ich bin erst knapp zwei Wochen da und kenne die deutsche Liga kaum. Aber wie ich hier in Schwenningen aufgenommen wurde, hat mir sehr imponiert“, sagt der in Toronto geborene Rechtsschütze. Gleich beim Auftakttraining lieferte der Angreifer eine Kostprobe seiner Schussgewalt. Bei einem Schlagschuss des Kanadiers ging der Schläger von Torhüter Dustin Strahlmeier zu Bruch. „Ich glaube schon, dass ich sehr hart schießen kann. Viel wichtiger ist aber, dass die Pucks auch ins Netz gehen“, grinst der erfahrene Akteur, der 135 Partien in der nordamerikanischen Profi-Liga NHL und nochmals 600 Spiele in der AHL absolvierte. „Die NHL ist großartig. Dort einmal zu spielen, war immer mein Traum.“

Blunden hat eine Menge Erfahrung auf dem Buckel. Er kann Mannschaften führen und für geniale Ideen sorgen. Paul Thompson, Cheftrainer der Wild Wings, wusste um das Potenzial des 98 Kilogramm schweren Angreifers, als er ihn erstmals auf einen möglichen Wechsel nach Schwenningen ansprach. Bei Blunden stieß Thompson sofort auf offene Ohren.“Mit Bozen in der Erste Bank Liga in Österreich zu spielen, war sicherlich eine gute Erfahrung. Mir war aber auch schnell klar, dass sich für mich eine interessante Tür öffnet. Die DEL verfügt über noch mehr Qualität und deshalb nahm ich das Angebot an“, erzählt Blunden, der einen Ein-Jahresvertrag am Neckarursprung unterschrieb. Hier sicherte es sich die Rückennummer 9. „Meine Tochter hatte die Idee mit der 9. Also griff ich zu, als diese noch frei war.“

Neben der vierjährigen Tochter umfasst die Familie von Mike Blunden noch einen dreijährigen Sohn. Zusammen mit seiner Frau hat der Spieler in Tuningen eine neue Unterkunft gefunden. „Wir werden uns schnell einleben“, ist sich Blunden sicher, auch wenn die deutsche Sprache zum Handicap werden kann. In Italien schnappte der 1,93 Meter große Stürmer einige Worte in deutsch auf, doch viel ist nicht hängen geblieben. Vielleicht kann er seinen Sprachschatz erweitern, wenn die eigenen Kinder zum Lehrer werden. „Im Kindergarten lernen die Kids schnell. Sie werden meiner Frau und mir sicherlich bald die deutschen Wörter beibringen.“ Was Blunden sprachlich schon perfekt beherrscht, ist sein Lieblingsgericht: „Schnitzel mit Pommes.“

Der Mann mit der Nummer 9 hat in seiner langen Karriere schon viele Trikots getragen, das der Columbus Jackets, Montreal Canadiens, Tampa Bay Lightning oder der Ottawa Senators. Nun also das Leibchen der Schwenninger Wild Wings. Die Funktionäre und Trainer der Schwenninger hoffen, dass Blunden möglichst schnell seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellt und als Führungsspieler vorangeht. Dieser Aufgabe stellt sich der Kanadier. „Im Sommer wurden 15 neue Spieler verpflichtet. Wir werden schnell zusammenwachsen. Die ersten Eindrücke stimmen mich zuversichtlich.“ Viel hat Blunden auch schon von den Fans der Wild Wings gehört, die zu den besten der Liga gehören. Einen ersten Vorgeschmack erhielt er am vergangenen Freitagabend beim ersten Eistraining vor 2500 SERC-Fans.

In einer Beziehung unterscheidet sich Blunden von seinen vielen seiner Teamkollegen. Während die Mehrzahl in der Freizeit gerne Golf spielt, kann der groß gewachsene Kanadier damit wenig anfangen. „Nein, nein“, antwortet Blunden auf die Frage, ob er oft den Golfschläger schwinge und macht eine ablehnende Handbewegung. Als das Team vor einer Woche in Königsfeld mit den Sponsoren golfte, gehörte er eher zu der kleinen Gruppe, die in die Sportart reinschnupperte und staunte, welche Professionalität mancher Mitspieler mit dem Golfschläger bewies.

Mike Blunden betritt in Schwenningen absolutes Neuland. Noch nie trug er das Trikot eines deutschen Klubs. Jetzt ist die Möglichkeit da und Blunden möchte sie nutzen. Gelingt den Wild Wings ein guter Auftakt in die DEL-Saison, bleibt sicherlich auch etwas Zeit, die Schönheiten des Schwarzwaldes kennenzulernen.