Eishockey: Rockmusik dröhnt durch den Raum, aber nicht so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Während Benedikt Brückner einen schweren Medizinball auf den Boden prellt und wieder auffängt, kräftigt einen Meter nebenan Mirko Sacher mit Gewichten seine Beinmuskulatur. Marcel Kurth hat sich das Gummiband um die Hüfte gelegt und überwindet mit einem kurzen, kernigen Sprint den Widerstand des elastischen Sportgerätes. Hendrik Kolbert überwacht die Übungen, gibt Tipps und passt auf, dass die Jungs kräftig schwitzen. Der Schweiß fließt in Strömen beim Sommertraining der Wild Wings. Bei 25 Grad Außentemeratur bereiten sie sich auf die nächste Eiszeit vor.

Gleich geht die Post ab: Benedikt Brückner (links) und Marcel Kurth trainieren am Gummiband den schnellen Antritt.
Gleich geht die Post ab: Benedikt Brückner (links) und Marcel Kurth trainieren am Gummiband den schnellen Antritt. | Bild: Feißt, Werner

Seit April schuften die Schwenninger Profis für die neue Spielzeit in der Deutschen Eishockey-Liga. Zehn bis zwölf Spieler umfasst die Trainingsgruppe, die am Neckarursprung an der Fitness feilt. Die „Auswärtigen“ haben einen von Kolbert erarbeiteten Trainingsplan bekommen, anhand dessen sie individuell arbeiten können. „Die Kanadier in Übersee machen im Prinzip das Gleiche wie wir hier vor Ort“, sagt Kolbert. Sechsmal pro Woche müssen die Spieler zwei bis zweieinhalb Stunden von ihrer Freizeit abzwacken, um sich beim ersten Eistraining Anfang August Chefcoach Paul Thompson in guter Verfassung zu präsentieren. „Beim Sommertraining legen wir 50 Prozent der körperlichen Grundlagen“, sagt Kolbert. Je näher das erste Punktspiel rückt, je Eishockey-spezifischer werden die Übungen. Aktuell wird mit Hilfe von Gummibändern der schnelle Antritt auf Schlittschuhen simuliert. Mit voller Wucht lässt Benedikt Brückner den zehn Kilogramm schweren Hammer auf einen kolossalen Traktorreifen heruntersausen. „Das kräftigt den ganzen Körper, um harten Checks standzuhalten“, sagt der Verteidiger.

Auch bei diesem Oberkörpertraining gilt es für Marcel Kurth, einen Widerstand zu überwinden.
Auch bei diesem Oberkörpertraining gilt es für Marcel Kurth, einen Widerstand zu überwinden. | Bild: Feißt, Werner

Das Sommertraining ist nicht nur bestens geeignet, um Gewicht abzuspecken, wie dies Kai Herpich im vergangenen Jahr vorbildlich gelang. Die Schinderei kann auch dazu dienen, um Körpermasse aufzubauen. Dieses Ziel verfolgt Mirko Sacher, der in den vergangenen Monaten vier, fünf Kilogramm zugelegt hat. Neuzugang Cedric Schiemenz, der ebenfalls zur Schwenninger Trainingsgruppe gehört, schaffte sogar an die zehn Kilo. Eishockey-Spieler müssen körperlich robust sein, um sich im Zweikampf nicht beiseite schieben zu lassen wie ein Blatt Papier. Allerdings: „Mit Krafttraining allein ist es nicht getan. Auch ein vernünftiger Ernährungsplan ist für die Spieler enorm wichtig“, erläutert Kolbert.

In dieser Woche ist der Kraftraum nur spärlich besetzt. „Sechs Spieler unserer Gruppe sind derzeit im Urlaub“, erklärt Kolbert. Auch das muss wohl sein, um frisch und motiviert in eine Saison zu starten. In eine Runde, in der sich die Schwenninger Wild Wings sehr viel vorgenommen haben.