Eishockey: Der deutschen Sprache wird allgemein nachgesagt, dass sie für Ausländer schwierig zu lernen ist. Auch Jamie MacQueen, der neue Angreifer der Schwenninger Wild Wings, kann ein Lied davon singen. „Oh ja, deutsch zu lernen, ist eine echte Herausforderung.“ Auf seinen bisherigen deutschen Stationen in Crimmitschau, Kassel und Berlin hat er immer ein paar Brocken aufgeschnappt. Doch im persönlichen Gespräch bevorzugt der Kanadier doch lieber die Unterhaltung in englischer Sprache.

Drei Jahre spielte MacQueen zuletzt für den Hauptstadtclub Eisbären Berlin. Nun folgte der Umzug in die kleinste deutsche DEL-Stadt. Ein Kulturschock? „Keinesfalls“, sagt der Linksschütze. Einerseits habe er sich hier schnell eingelebt, andererseits kennt er die Helios Arena von seinen zahlreichen Auftritten im Trikot der Eisbären. „In Schwenningen herrschte immer eine tolle Atmosphäre. Die Halle ist stets gut besucht und die Fans kennen sich in unserem Sport gut aus. Sie haben ein Gefühl, wenn die Mannschaft alles gibt, auch wenn manchmal die Ergebnisse nicht stimmen. Das sind Insider“, ergänzt der 74 Kilogramm schwere Stürmer.

Dass es bei den Wild Wings gleich mit einem Zwei-Jahresvertrag klappte, macht den Kanadier glücklich und stolz. „Ich hatte schon frühzeitig erste Gespräche mit Trainer Paul Thompson und Manager Jürgen Rumrich. Mir hat imponiert, dass beide mich unbedingt wollten. Sie haben mir erklärt, dass das Team im Umbruch sei und ich mit meiner Erfahrung eine wertvolle Stütze werden könne. Dieses Vertrauen möchte ich in den kommenden zwei Spielzeiten zurückzahlen.“ In Berlin bestritt MacQueen in der vergangenen DEL-Saison 54 Partien, durfte sich dabei 24 Mal als Torschütze feiern lassen und glänzte mit 20 Assists. Das sagt einiges aus über seine Erfahrung.

Natürlich kennt auch der Neuzugang das Abschlussresultat der Wild Wings aus der vergangenen Saison. Der letzte Platz in der DEL war für ihn jedoch kein Grund, mit der Unterschrift länger zu zögern. „Als ich 2015 nach Kassel in die DEL2 gewechselt bin, hat im Vorfeld auch keiner einen Pfifferling auf dieses Team gesetzt. Am Ende wurden wir Meister. Im Eishockey ist vieles möglich und ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Geschichte wiederholt und wir in Schwenningen ebenfalls eine erfolgreiche Saison spielen. Was der einsfünfundachtzig große Spieler mit erfolgreich meint, schiebt er gleich nach. „Ich denke da in erster Linie nicht unbedingt an die Pre-Playoffs. Mit der Mannschaft, die ich hier in den vergangenen Tagen kennengelernt habe, sollte in der Liga auch Platz sechs möglich sein. Auch wenn die Playoffs dann eine Art Lotterie sind – ab da ist alles möglich.“

Jamie MacQueen hat in Villingen ein neues Zuhause gefunden. Ein etwas größeres, denn als im vergangenen Oktober die Zwillinge geboren wurden, vergrößerte sich die Familie MacQueen schlagartig auf fünf Personen. Zum Sohn kamen zwei Mädchen hinzu. Mit ihnen versucht der Spieler so viel Zeit wie nur möglich zu verbringen. In Villingen selbst reichte es schon zu ein, zwei Spaziergängen. „Die historische Innenstadt gefällt mir gut. Da kann ich in den kommenden Wochen sicherlich noch einiges entdecken.“

Zunächst aber zählt die Trainingsarbeit mit der von Trainer Thompson angekündigten, harten Vorbereitung. Jamie MacQueen kann die Tortur kaum schocken. Er ist es seit über einem Jahrzehnt gewohnt, dass die Vorbereitungsphase kein Zuckerschlecken ist. „Paul und Jürgen haben der Mannschaft klar gemacht, was sie in der neuen Saison von uns erwarten. Also werden wir hart dafür arbeiten. Dafür sind wir Profis“, unterstreicht der Mann mit der Rückennummer 95. Diese Zahl war übrigens ein Wunsch seines Sohnes, den er sofort erfüllte.

Vier Tage ist es erst her, als MacQueen im Schwarzwald seinen ersten Geburtstag feierte. Die 31 ersetzte die 30 an Lebensjahren. „Außer der Zahl hat sich nicht viel verändert. Ich fühle mich fit, habe eine liebe Familie und fühle mich bereit für die kommenden Aufgaben.“ Die meiste Zeit seines Geburtstages am vergangenen Freitag musste die Familie auf den Vater verzichten, denn mit den Wild Wings stand am Freitag das Golfturnier in Königsfeld an. Für MacQueen kein Problem. „Ich angle in meiner Freizeit gern, aber noch lieber spiele ich Golf. Am Abend haben wir dann mit der Familie gefeiert.“

Jamie MacQueen sieht sich selbst als Leader, als Führungsspieler, der vorangehen möchte, die anderen inspiriert und mitzieht – notfalls auch ohne Kenntnis der deutschen Sprache. „Ich kann im Restaurant die Speisekarte auf deutsch lesen, aber die Wörter aussprechen ist wieder eine andere Geschichte.“ Immerhin kommen ihm die Begriffe Weißwurst und Schnitzel fehlerfrei über die Lippen, sind es doch zwei Speisen, die der Kanadier ganz besonders mag.

Ganz so schwierig kann die deutsche Sprache demnach auch nicht sein.