Herr Thompson, Sie sind nicht nur Eishockey-Trainer sondern auch Fußball-Fan. Was sagen Sie zum Championsleague-Finale am vergangenen Samstag?

Ich habe es Liverpool gegönnt und freue mich auch für die Stadt und den Verein. Der deutsche Trainer Jürgen Klopp macht dort einen fantastischen Job. Man könnte sagen, er ist derzeit der König von England.

Was machen Ihre Deutsch-Kenntnisse?

Ich mache Fortschritte. Ich habe einen Deutschlehrer, bei dem ich bislang drei von zwölf Lernstunden hatte. Ich hoffe, mein Deutsch ist besser, wenn ich wieder nach Schwenningen komme.

Wie sieht derzeit Ihr Alltag in Birmingham aus?

Ich helfe meiner Frau und meinem Vater in unserem Haus. Meine Mutter ist die Treppe heruntergefallen und hat sich dabei die Hüfte gebrochen. Deshalb versuche ich, meinen Vater so gut es geht zu unterstützen.

Wie sehr stecken Sie bereits in den Vorbereitungen für die kommende Saison?

Sehr tief. Die Planungen sind enorm wichtig. Vor allem, wenn man 15 neue Spieler in der Mannschaft hat. Wenn 75 Prozent des Teams neu sind, muss die Integration sehr schnell gehen.

Die Wild Wings haben – zumindest auf dem Papier – die stärkste Mannschaft seit der Rückkehr in die Deutsche Eishockey-Liga 2013. Ist es auch das beste Team, das Sie bisher in Ihrer Karriere trainiert haben?

Ich habe schon einige gute Mannschaften trainiert. Auf dem Papier ist die jetzige wahrscheinlich die beste. Auf dem Papier gewinnt man aber keine Spiele. Auf jeden Fall bin ich überzeugt, dass wir ein starkes Team haben und freue mich auch darauf.

Vergangene Saison hatten die Wild Wings zwei gebürtige Kanadier im Kader. Jetzt sind es sechs. Sagt das auch etwas über ihre Spielphilosophie aus?

Bei der Kader-Zusammenstellung spielte für uns die Nationalität keine Rolle. Naturgemäß bringen Spieler aus Nordamerika eher die Voraussetzungen mit, nach denen wir unsere Neuzugänge ausgewählt haben.

Wo lag Ihr Schwerpunkt bei den Voraussetzungen?

Dass wir mehr Tore schießen und zu Hause dominanter auftreten. Den Gegnern muss bewusst werden, dass sie in Schwenningen ein extrem harter Kampf erwartet. Wir haben fantastische Anhänger und wollen ihnen auch einen Grund liefern, laut zu sein. Meine Spieler müssen Leidenschaft und Herz zeigen.

Bekamen Sie viele Absagen von erhofften Neuzugängen?

Wenige. Es waren meist finanzielle Gründe. Wenn man in der Vorsaison Letzter war, muss man immer gute Gründe haben, die Spieler vom Wechsel zu uns zu überzeugen. Und wir konnten viele mit unserem Konzept überzeugen. Manager Jürgen Rumrich hat dabei einen super Job gemacht.

15 Neuzugänge zu integrieren, ist eine riesen Aufgabe. Erfordert es besondere Team-Building-Maßnahmen?

Sicherlich. Vielleicht gehen wir zusammen Zelten oder Canyoning. Es gibt viele Möglichkeiten. Am wichtigsten ist jedoch immer noch das Team-Building in der Kabine und auf dem Eis.

Im Schwenninger Umfeld ist immer wieder zu hören, dass die meisten anderen Teams mehr Geld zur Verfügung haben und man deshalb von den Wild Wings Platz zehn nicht erwarten kann.

Was die anderen Mannschaften machen, kann ich nicht beeinflussen. Ich kann nur sagen, dass wir ein klares Ziel haben, und das heißt Top Ten. Wir haben vergangene Saison einen Schritt zurück gemacht, nun wollen wir zwei Schritte nach vorne machen.

Der wesentlich verstärkte Kader war nur möglich, weil einige Sponsoren zusätzliches Geld für Spieler zur Verfügung gestellt haben. Seit wann wussten Sie davon?

Seit März. Das sind Menschen, die den Verein in ihrem Herzen tragen. Sie verstehen das Geschäft und sorgen auch für mehr Optimismus in Schwenningen.

Die Augsburger Panther verpassten vergangene Saison nur knapp das Playoff-Finale. Der Etat der Augsburger lag nicht viel höher als der der Wild Wings. Was kann man von solch einer Mannschaft lernen?

Was Augsburg erreicht hat, war fantastisch und es macht kleineren Vereinen auch Mut. Aber wir versuchen von allen DEL-Teams zu lernen. Nicht nur von einer Mannschaft.

Welche Rolle spielte bei der Planung und der Zusammenstellung des Teams die Saison 2020/21, bei der es wieder um Auf- und Abstieg gehen wird?

Mit diesem Thema werde ich mich erst am Ende der kommenden Saison beschäftigen. Jetzt zählt nur die bevorstehende Runde.

Sie sprachen von großartigen Fans in Schwenningen. Was können Sie diesen Wild Wings-Anhängern für die neue Saison versprechen?

Ich werde jeden Tag alles für die Wild Wings tun. Das fordere ich auch von meinen Spielern. Ich erwarte viel von ihnen, aber auch von mir selbst.

Wie muss die Spielzeit 2019/20 verlaufen, dass Sie am Saisonende sagen können: Ich bin zufrieden?

Wir müssen in den Top-Ten sein, die Spieler sollen sich weiterentwickeln und die Zuschauer unterhalten werden.

Was wäre, wenn die Zuschauer zufrieden sind und die Spieler sich weiterentwickeln, Schwenningen jedoch auf Platz elf steht?

Dann wäre ich definitiv enttäuscht. Ich will nicht arrogant sein, denn jede Mannschaft in der DEL ist gut. Aber für mich ist das oberste Ziel das Erreichen der Playoffs.