Vorher ist alles klar für die Villinger: Möglichst lange wollen sie ohne Gegentor bleiben, damit den Gegner nervös machen und sich selbst aufbauen. Aber die Spieler von Trainer Jago Maric wissen natürlich auch, dass ein Plan das eine und die mit dem Anpfiff einsetzende Realität das andere ist. Hätte der Düsseldorfer Neuzugang Bernard Tekpetey nach knapp zwei Minuten eine Unsicherheit in der Nullachter-Hintermannschaft zur Führung ausgenutzt, alle guten Vorsätze wären ratzfatz zerstört gewesen. Der vom Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn zur Fortuna gekommene Stürmer setzt den Ball aber knapp am Villinger Tor vorbei. Wieder Tekpetey hat in der 9. Minute eine weitere Chance, doch diesmal ist bei 08-Schlussmann Andrea Hoxha Endstation. Bis auf einen Weitschuss von des vom FC Chelsea ausgeliehenen Lewis Baker, der knapp übers Tor rauscht, bringt der Bundesligist aber kaum Nennenswertes zustande. Von Tempo keine Spur, mal abgesehen von einem Fortuna-Betreuer, der in ein Papier-Taschentuch schnäuzte...

Villingens Keeper Andrea Hoxha rappelt sich auf. | Bild: Roger Müller
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Starke Villinger Verteidigung

Und die Villinger? Sie halten sich an die Devise, wer viele Beine in der Defensive hat, kann möglicherweise immer eines davon entscheidend in den Weg des Gegners zu bekommen. Selbst Angreifer Volkan Bak verrichtet unglaublich viel Defensivarbeit. Aber nicht nur, denn in der 41. Minute taucht er da auf, wo man ihn eigentlich erwartet: im gegnerischen Strafraum. Da sieht sich Bak plötzlich seinem Düsseldorfer Lieblingsspieler Kaan Ayhan gegenüber, dessen Karriere der Villinger „schon lange verfolgt“, wie er im Vorfeld verraten hatte. Ayhan dürfte Bak bis zu diesem persönlichen Treffen eher nicht gekannt haben, doch das ändert sich im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig. Ayhans Fuß schlägt auf Baks Knöchel, der Villinger Stürmer fällt und Schiedsrichter Tobias Heft gibt Strafstoß. Der Sünder versucht zwar, dem Unparteiischen seine Unschuld zu vermitteln, doch der lässt sich nicht beeindrucken. Steven Ukoh auch nicht! Der 28-jährige offensive Mittelfeldspieler, der zu dieser Saison vom FC Biel zu den Schwarzwäldern gestoßen ist, setzt den Ball völlig unhaltbar für Düsseldorfs Torwart Zackary Steffen rechts in den Winkel. Jetzt haben die Nullachter also nicht nur hinten die Null gehalten, sondern auch gleich noch vorne die Eins geschafft. 1:0, ein toller Halbzeitstand!

Villingens Trainer Jago Maric gibt Anweisungen. | Bild: Roger Müller

Düsseldorf dreht auf

Für den zweiten Durchgang kann die Marschroute für die Elf von Jago Maric nur heißen: weiter so! Doch diesmal gestaltet sich das schwieriger. Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel bringt mit Aymane Barkok und Thomas Pledl für Oliver Fink und Tekpetey zwei frische Kräfte, die auch solche sind. In der 52. Minute ist es Pledl, der aus sieben Metern Entfernung draufhält, aber Hoxha pariert prächtig. Kurz zuvor, dass das nicht vergessen wird, hatte Kamran Yahyaijan bei einem schönen Konter Düsseldorfs Keeper Steffen zu einer Parade gezwungen. Jetzt aber werden die Bundesligakicker druckvoller. Und Nana Ampomah tritt auf. Erst setzt der vom belgischen Erstligisten Waasland-Beveren geholte Ghanaer den Ball knapp über den Querbalken, dann fällt ihm nach einem Querschläger im Villinger Strafraum die Kugel erneut vor die Beine und diesmal macht Ampomah das 1:1. So geschehen in der 56. Minute. Es findet nun endgültig Einbahnstraßenfußball statt, allerdings entwickeln Funkels Männer keine funkelnde Durchschlagskraft. Rouwen Hennings schießt in der 66. Minute aus der Drehung knapp am Tor vorbei, wenig später macht es ihm der für den Torschützen Ampomah eingewechselte, gerade erst 18 Jahre alt gewordene Ghanaer Kelvin Ofori nach.

Kamran Yahyaijan in Aktion | Bild: Roger Müller

Nach 80 Minuten hat auch der FC 08 Villingen wieder eine aussichtsreiche Angriffssituation. Der eine Viertelstunde zuvor für Yahyaijan eingewechselte Flamur Berisha läuft einen Konter, doch er verpasst den rechtzeitigen Pass in den Lauf des Kollegen Damian Kaminski. Dass Berisha selbst Schaden anrichten kann aus Gäste-Sicht verhindert dann Barkok mit einem taktischen Foul, das ihm zurecht die Gelbe Karte einbringt. Die letzte Chance der regulären Spielzeit eröffnet sich in der 89. Minute dem Nullachter Kaminski. Er geht auf links durch, seinen Schuss lenkt Steffen zur Ecke. Dann heißt es: Verlängerung!

Flamur Berisha wird gefoult. | Bild: Roger Müller

Fortuna kann die Führung ausbauen

Der Nachschlag beginnt mit einem Foul von Niko Gießelmann und der dritten Gelben Karte für einen Düsseldorfer – in dieser Wertung führt die Fortuna 3:1. Als Daniel Wehrle vier Minuten später mit unabsichtlichem Handspiel auf 3:2 verkürzt, ergibt sich daraus eine große Möglichkeit für die Fortuna, doch Ayhan zirkelt den Freistoß weit über den Kasten. Dann eilt Tobias Weißhaar alleine aufs Düsseldorfer Tor zu, versucht es mit einem Abspiel auf Kaminski anstatt einfach mal selbst zu schießen – der Ball geht an Freund und Feind vorbei. Und im Gegenzug passiert es: Jungspund Ofori bringt den Bundesligaklub mit 2:1 in Führung (102.). Das ist natürlich enttäuschend für die wacker kämpfenden Villinger und für Weißhaar offenbar zu viel des Schlechten. Er leistet sich einen Ellbogencheck gegen Gießelmann, den Schiedsrichterassistent Lukas Benen seinem Chef auf dem Platz sofort anzeigt. Die Konsequenz: Rot für Weißhaar in der 105. Minute!

Rote Karte für Weißhaar | Bild: Roger Müller

In der zweiten Hälfte der Verlängerung begnügen sich die Düsseldorfer mit Ballkontrolle. Einmal machen sie noch Ernst und erzielen durch Hennings in der 116. Minute noch das 3:1. Fazit: Die Fortuna ist mit Fortuna im Bunde und kommt eine Runde weiter.

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