Fußball-Landesliga: Die erste Saisonhälfte ist gespielt. Nach 18 Spieltagen führen mit den Teams aus Donaueschingen und Bad Dürrheim zwei Schwarzwälder Vereine die Liga an. Außergewöhnlich ist in dieser Saison, dass die Landesliga sehr ausgeglichen ist.

DJK Donaueschingen

Tops: Donaueschingen hat das beste Halbjahr in der Vereinsgeschichte gespielt. Platz eins in der Liga, bei einem weniger ausgetragenen Spiel, und der Einzug in das Halbfinale im Verbandspokal sorgen für Freude auf der Baar. Mit Stephan Ohnmacht (17 Tore) hat die DJK den besten Torjäger der Liga. Die Zugänge Mike Tritschler oder auch Heiko Reich haben eingeschlagen. Raphael Schorpp ist der Denker und Lenker. „Wir haben ein großartiges Kollektiv. Ich wusste um das Potenzial dieser Jungs, bin aber überrascht, das wir es so schnell abgerufen haben“, sagt Trainer Tim Heine, der im Sommer bei der DJK eingestiegen war. Die Mannschaft habe einen großen Schritt nach vorne gemacht, wirkt abgeklärter und cleverer.

Flops: Drei Niederlagen setzte es bisher für die DJK. Diese fielen alle recht deutlich aus. In Villingen 0:4, in Furtwangen 1:4 und auf eigenem Platz gegen Schonach 3:5. „Wenn wir einmal im Rückstand liegen, ist die Gefahr da, einen zweiten oder dritten Gegentreffer zu bekommen. Da müssen wir noch konzentrierter und abgeklärter auftreten“, wünscht sich Heine.

Fazit: Die Aussichten der Donaueschinger sind glänzend. Die Elf hat schon mehrfach bewiesen, dass sie mit der Rolle des Gejagten gut umgehen kann. Wenn die aktuell verletzten oder im Ausland weilenden Spieler zurückkehren, ist die DJK ein ganz heißer Titelkandidat. Auch die stets große Erwartungshaltung im Umfeld sollte keinen psychologischen Rucksack darstellen. „Wir haben ehrgeizige Spieler und ehrgeizige Ziele“, ergänzt Heine, der das Wort Meisterschaft aber noch nicht in den Mund nimmt.

Tim Heine
Tim Heine | Bild: Roger Müller

FC Bad Dürrheim

Tops: Von allen Verbandsliga-Absteigern der vergangenen Saison hat Bad Dürrheim bisher die beste Zwischenbilanz vorzuweisen. Mit dem neuen Trainer Enrique Blanco und zwölf Zugängen wurde eine Mannschaft geformt, die nicht zufällig auf Platz zwei steht. Bad Dürrheim optimierte die Laufwege, verbesserte das Spiel gegen den Ball und es bieten sich gleich mehrere eigene A-Jugendspieler an. „Es ist unsere Philosophie, diesen Jungs die Chance zu geben. Deshalb haben wir ein Trainer-Team, das immer die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft sowie der A-Jugend verfolgt“, betont Blanco. Bad Dürrheim hat den besten Angriff der Liga und erst drei Partien verloren.

Flops: Blanco macht im bisherigen Saisonverlauf ein ganz großes Manko aus: „Wir verwerten viel zu wenige der erspielten Chancen.“ Die Cleverness im letzten Drittel müsse deutlich gesteigert werden. Auch im spielerischen Bereich sowie im Pressen gegen den Ball könne sich die Elf weiterhin steigern.

Fazit: Blanco und die Vereinsführung hatten einen Zwei-Jahresplan erstellt, an dessen Ende im besten Fall die Verbandsliga-Rückkehr gelingen soll. Die bisherigen Leistungen lassen dieses Ziel sogar schon im ersten Jahr in den Blickpunkt rücken. Im Winter könnte es im Kader kleinere Veränderungen geben. Junge Spieler aus der Region, die in unteren Ligen spielen, sollen angesprochen werden. Andere Akteure, die eher nicht zum Zug kommen, wollen die Kurstädter abgeben, um ihnen Spielpraxis zu ermöglichen. „Wir wollen dranbleiben und versuchen, Platz zwei zu festigen. Die mannschaftliche Entwicklung ist zunächst jedoch wichtiger als die Platzierung“, betont Blanco.

Will seine Mannschaft möglichst schnell in Form bringen: Trainer Enrique Blanco.
Will seine Mannschaft möglichst schnell in Form bringen: Trainer Enrique Blanco. | Bild: Morat

FC 08 Villingen II

Tops: Mit 30 Punkten und Platz vier haben sich die Villinger eine gute Ausgangsposition geschaffen. Herausragend sind die erst zehn Gegentreffer, wovon zwei am grünen Tisch entstanden und nur vier aus dem Spiel heraus. Mit Furkan Sari und Niklas Heini haben sich zwei eigene Talente in den Vordergrund gespielt. Trainer Marcel Yahyaijan ist dennoch nicht rundum zufrieden. „Es hätten auch zehn Punkte mehr sein können. Wir haben in 15 der 18 Partien ausgezeichnete Leistungen gebracht.“ Als Kollektiv agierte die Elf oftmals überragend. Fußballerisch ist das Potenzial sehr groß, auch dank der guten Ausbildung.

Flops: Villingen musste aufgrund des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Spielers drei Punkte am grünen Tisch abgeben. Zudem gibt es einen Aspekt, der dem Trainer nicht gefällt. „Der Torabschluss ist dringend zu verbessern.“ In der vergangenen Saison schlug Villingen 81 Mal zu, aktuell sind es 29 Treffer. Oft werden vor dem Tor falsche Entscheidungen getroffen, was auch an der fehlenden Erfahrung liegt. Sechs Punkteteilungen kosteten wichtige Punkte.

Fazit: Yahyaijan ist sich sicher, „dass wir ab März eine richtig gute Rückrunde spielen werden“. Mit Maurice Dresel kehrt ein Spieler aus dem Ausland zurück. Möglicherweise werden im Gegenzug zwei, drei Spieler in der Winterpause abgegeben, die wieder bei ihren Heimatvereinen spielen sollen. Die jüngsten Spiele in Donaueschingen und vor allem gegen Singen machen Hoffnung, dass der Reifeprozess vorangekommen ist. Neben einer guten Platzierung gilt es, Spieler für die Oberliga-Elf zu entwickeln.

Marcel Yahyaijan
Marcel Yahyaijan | Bild: Markus Peiker

FC Schonach

Tops: Die Schonacher wurden vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt, nachdem es einen großen personellen Umbruch gab. Auf einem Abstiegsplatz stand die Elf aber nur am ersten Spieltag. Ansonsten war Schonach eine der ganz großen und positiven Überraschungen. Mit Alex Fischinger gelang es, einen absoluten Fachmann als Trainer zu verpflichten. Die drei Zugänge Gildas Asongwe, Vladimir Klasic und Elvin Kljajic erwiesen sich als Volltreffer. Schonach spielte bisher eine ausgezeichnete Saison und blieb ohne Platzverweis. Die Auswärtsbilanz ist die zweitbeste der Liga. Fischingers Forderung, Mentalität schlägt Qualität, wurde umgesetzt. Zudem wurden neue Sponsoren gewonnen und der Zuschauerschnitt erhöht.

Flops: Schonach hat das Ziel, mit 30 Punkten zu überwintern, knapp verfehlt. „Meine Gefühlswelt beinhaltet eine Fifty-Fifty-Stimmung. Ich bin nicht ganz zufrieden, weil ein noch besseres Zwischenergebnis möglich war. Die Mannschaft hat viel Qualität“, betont Fischinger. Der Trainer möchte zudem die Trainingsintensität weiter steigern. Da könne die Elf zulegen.

Fazit: Schonach geht mit einer glänzenden Ausgangsposition in die zweite Saisonhälfte. Und doch bleiben Fragen offen. Gelingt es, die Torhüter-Problematik zu lösen? Kann der Verein längerfristig auf den Trainer bauen? Noch hat sich Fischinger nicht entschieden, zumal es offenbar auch höherklassige Angebote gibt. Die Prämisse des Trainers ist klar: „Ich möchte Schonach auf ein Level bringen, dass die Jungs eventuell auch ohne mich die guten Leistungen zum Standard machen.“ Im Winter soll es zwei, drei Verstärkungen geben, darunter auch einen Torhüter.

Peilt mit dem FC Schonach höhere Ziele an: Trainer Alex Fischinger
Peilt mit dem FC Schonach höhere Ziele an: Trainer Alex Fischinger | Bild: Kaltenbach, Christof

FC Löffingen

Tops: Mit Platz sieben haben sich die Löffinger eine gute Ausgangsbasis geschaffen, zumal die Elf noch eine Partie weniger ausgetragen hat. Trainer Uli Bärmann hat in seinem ersten halben Jahr der Mannschaft seine Philosophie vermittelt. Einige Akteure aus der zweiten Mannschaft wurden an die Landesliga herangeführt. Mit Ilias Sidi-Yacoub wurde ein Spieler aus der eigenen Jugend zu einem festen Bestandteil. Bärmann durfte sich immer über eine gute Trainingsbeteiligung freuen.

Flops: Löffingen hätte durchaus mehr als die bisherigen 26 Punkte haben können. Bärmann schmerzt vor allem die Niederlage in Geisingen (1:4). Zudem ist die Elf Vorletzter in der Fairnesstabelle, wobei zwei der insgesamt vier Platzverweise im Spiel gegen Bad Dürrheim kassiert wurden. „Wir haben nicht in allen Spielen unser Leistungsvermögen ausgeschöpft“, sagt Bärmann. Nur vier Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz sind kein Ruhekissen.

Fazit: Löffingen wird, Stand jetzt, ohne personelle Veränderungen in die zweite Saisonhälfte gehen. Die Elf bewegte sich bisher hauptsächlich zwischen den Plätzen sieben und zwölf. Die Mischung der Mannschaft scheint zu stimmen und auch die Kadergröße bezeichnet Bärmann als „in Ordnung“. Sie ermöglicht dem Trainer, auch ohne Qualitätsverlust zu wechseln. Löffingen hat das Potenzial, um auf jeden Fall im einstelligen Tabellenbereich die Saison abzuschließen.

Fährt mit der Löffinger Mannschaft an den Gardasee: Trainer Uli Bärmann
Fährt mit der Löffinger Mannschaft an den Gardasee: Trainer Uli Bärmann | Bild: Zschäbitz, Dietmar

FC Furtwangen

Tops: Fast schon traditionell fand Furtwangen schwer in eine Saison. Mit dem Trainer-Duo Jörg Ringwald/Patrick Staudt holte die Elf zuletzt zehn von zwölf möglichen Punkten. Rang zwölf, über den Furtwangen nie hinauskam, ist kein Abstiegsplatz, doch der sollte bei der vorhandenen Qualität in der Mannschaft auch kein Thema sein. Die Mannschaft zeigte auf der Ziellinie vor der Winterpause, dass durchaus mehr machbar ist. „Die Jungs haben sich alle ein dickes Kompliment verdient“, sagt Ringwald.

Flops: Als Anfang November der Spielertrainer Markus Knackmuß seinen sofortigen Abschied ankündigte und vollzog, stand Furtwangen am Scheideweg. Knackmuß vermisste oftmals die richtige Einstellung. Zu selten habe die Elf ihr Potenzial ausgeschöpft. Zuvor hatte es heftige Pleiten in Denkingen und gegen Villingen gesetzt.

Fazit: Interessant bleibt abzuwarten, ob Furtwangen weiterhin auf das Spielertrainer-Duo Ringwald/Staudt oder eine andere Lösung setzt. Einiges spricht für das Duo, das offenbar den nötigen Rückhalt in der Mannschaft hat. Personelle Veränderungen zeichnen sich nicht ab. Nach ganz oben wird es für die Furtwanger wohl nicht mehr reichen, ein Abstiegskandidat sind die Bregtäler ebenso nicht. Zielsetzung von Ringwald: „Wir wollen nicht bis zum letzten Spieltag zittern, sondern uns schnell ins gesicherte Mittelfeld absetzen.“ Eine realistische Einschätzung.

Jörg Ringwald
Jörg Ringwald | Bild: Kaltenbach, Christof

FC Neustadt

Tops: Neustadt hat mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen gezeigt, dass die Elf das Potenzial für die Liga hat. Mit Sam Samma (15 Treffer) hat die Elf weiterhin einen zuverlässigen Torjäger. Neuzugang Thomas Fischer (kam aus Gündelwangen) erwies sich als Volltreffer. An guten Tagen haben die Neustädter gezeigt, dass sie mit den Besten mithalten können. „Bei all unseren Sorgen sind 22 Punkte noch eine gute Bilanz. Es sah zwischenzeitlich nicht danach aus“, sagt Trainer Benjamin Gallmann.

Flops: Neustadt hat ein Horror-Jahr 2018 hinter sich. In der ersten Jahreshälfte der zeitig feststehende Abstieg aus der Verbandsliga und in der zweiten Hälfte ein ähnlicher Verlauf, in dem die Hochschwarzwälder fast nie aus den zweistelligen Tabellenrängen der Landesliga kamen. Oftmals war der Trainingsbesuch schlecht. Mehrfach reisten die Neustädter auswärts nur mit einem oder zwei Wechselspielern an.

Fazit: Gut möglich, dass Neustadt bis zum letzten Spieltag um den Ligaerhalt bangen muss, zumal mit Sascha Waldvogel (Operation) ein wichtiger Akteur fehlen wird. Neuzugänge sind nicht in Sicht. Gallmann wird weiterhin improvisieren müssen und erwartet eine noch schwierigere Rückrunde.

Benjamin Gallmann
Benjamin Gallmann | Bild: Kaltenbach, Christof

SV Geisingen

Tops: Aufsteiger Geisingen startete furios in die Saison. Nach dem achten Spieltag stand die Elf auf Rang sieben. Auch wenn Geisingen nun Vorletzter ist, sind Stimmung und Atmosphäre in der Mannschaft weiterhin in Ordnung. Die Landesliga-Spiele sorgten für einen kleinen Aufschwung bei den Zuschauerzahlen. Auch bei vielen Niederlagen war die Geisinger Elf oft auf Augenhöhe mit den Konkurrenten.

Flops: Geisingen läuft Gefahr, wie in den vergangenen zwei Jahren Gutmadingen und Obereschach, nach nur einer Saison wieder abzusteigen. Der frühe Ausfall des damaligen Spielertrainers Marijan Tucakovic (Handbruch) war nicht zu kompensieren. Hinzu kam, dass die Geisinger oft mit Schiedsrichter-Entscheidungen haderten. „Da fehlt uns manchmal als Aufsteiger etwas die Lobby“, sagt Vorsitzender Ralf Jauch. Geisingen ist Letzter in der Fairnesstabelle. Einige Führungsspieler wurden ihrer Rolle viel zu selten gerecht.

Fazit: Neun Punkte Rückstand auf den ersten sicheren Nichtabstiegsplatz sind eine große Hypothek, auch wenn es nach dem aktuellen Stand wohl keine fünf Absteiger geben wird. Nach dem Rücktritt von Tucakovic wurde mit Andreas Probst am Wochenende ein neuer Trainer für die zweite Halbserie präsentiert. Ein, zwei Neuzugänge sind geplant. Ciril Bondarev kehrt nach seinem Bundeswehr-Auslandseinsatz zurück. Torhüter Patrik Rominger kommt vom FC Königsfeld. „Mit einer guten Vorbereitung ist noch einiges machbar“, ergänzt Jauch. Fakt ist: Geisingen wird einen Top-Start benötigen, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Ralf Jauch
Ralf Jauch | Bild: Verein