Fußball: (daz) Vier Jahre nach dem Abstieg aus der Kreisliga A kehrt der SV Nußbach auf diese Ebene zurück. In der vergangenen Saison noch Schlusslicht der Liga, stand die Elf in der aktuellen Saison an 17 von 18 Spieltagen auf Platz eins. „Alle Konkurrenten haben uns einen Einbruch prognostiziert. Wir aber haben uns immer wieder gesteigert und mit einer sehr offenen Spielweise die Meisterschaft errungen“, freut sich Trainer Richard Dittrich.

Während Dittrich in der Vergangenheit schon einige Meisterschaften als Trainer feierte, ist es für den Großteil der Spieler eine Premiere, die von Sonntagnachmittag wohl diese Woche durchgehend gefeiert wird. „Ich habe am Montag nahezu stündlich Bilder erhalten, wie die Jungs auf dem Traktor durch den Ort fahren und Fahnen schwenken. So wird das wohl die nächsten Tage weitergehen, zumal die Jungs, die arbeiten müssen, sich eben am Nachmittag einklinken werden“, schmunzelt Dittrich.

Vom Ligaschlusslicht zum Ligameister: Nußbach hat in dieser Saison Geschichte geschrieben. Möglich war das nur, weil es in der Mannschaft Spieler gab, die bereit waren, auch ungewohnte Positionen einzunehmen. So wie Salvatore Gaglianone, der als Angreifer mehr defensive Aufgaben übernahm, vorne aber von Steffen Schneider und Marius Faller exzellent vertreten wurde. Dieses Duo erzielte zusammen zwei Drittel aller Tore und schob sich in der Torjägerliste auf die Plätze eins und drei. Ebenfalls spitze ist Nußbach in der Fairplaywertung, was Dittrich besonders herausstellt. „Die Schiedsrichter haben keinen einfachen Job. Daher appelliere ich immer an die Jungs, möglichst fair zu spielen.“ Es gab keine einzige rote und nur zwei gelbrote Karten. Dittrich: „Selbst die waren unnötig.“ Zudem ist die Elf auswärtsstark. Den 21 Heimpunkten stehen 22 Auswärtspunkte gegenüber.

Nußbach realisierte den Aufstieg in einer Phase, in der ab der kommenden Saison die Kreisliga A von 16 auf 15 Mannschaften reduziert wird. Bei aller Freude für Dittrich „leider der etwas falsche Zeitpunkt“. Dennoch stellen sich die Nußbacher der Aufgabe, wobei der Übungsleiter schon jetzt vor den anspruchsvolleren Aufgaben warnt. „Wir werden statt 18 dann 30 Punktspiele haben, bei unserem kleinen Kader ein nicht zu unterschätzender Aspekt.“ Für Dittrich ist der SV Nußbach „weiterhin ein Dorfverein“, der in erster Linie mit eigenen Spielern auftritt und auch perspektivisch mit Akteuren aus dem eigenen Nachwuchs aufgefüllt werden soll.

Für Dittrich ist schon jetzt klar, dass es ab August nur um den Klassenerhalt gehen wird. „Durch den vermehrten Abstieg werden sich viele Mannschaften dieses Ziel setzen. Wir machen als Aufsteiger keine Ausnahme.“ Schon Anfang Juli will der Übungsleiter wieder zum Training bitten. Die Schwerpunkte der Vorbereitung kennt Dittrich schon jetzt. „Wir müssen mehr Ruhe am Ball zeigen und unser Aufbauspiel verbessern. Wir sollten mit mehr Mut aus der eigenen Defensive heraus das Spiel eröffnen.“

Das aber ist Zukunftsmusik. Zunächst wird gefeiert. Gewürdigt wird der Nußbacher Erfolg auch außerhalb. Dittrich: „Ich hatte allein am Sonntag 63 Nachrichten per WhatsApp. Es ist schon erstaunlich, wer da alles gratuliert hat.“ Auch dies zeigt, wie sehnsüchtig im Nußbacher Umfeld die Rückkehr in die Kreisliga A erwartet wurde, auch wenn dieser Erfolg nach der Bilanz von vor zwölf Monaten einem kleinen Fußballwunder gleicht.