Skispringen: Das war knapp. Quasi in letzter Minute sprang Ramona Straub noch auf den WM-Zug nach Lahti auf. Bei den letzten Weltcup-Springen vor der Weltmeisterschaft nutzte die 23-jährige ihre Chance. Zunächst erfüllte sie mit Platz 12 und 15 in Ljubno (Slowenien) die Nominierungskriterien. Wenige Tage später zeigte die Schwarzwälderin bei den Weltcup-Springen im koreanischen Pyeongchang mit Rang fünf und sechs, welches Potenzial in ihr steckt.

In den ersten Wochen der Saison war Ramona Straub noch unzufrieden. „Ich hatte lange Zeit mit meiner Anfahrtsposition zu kämpfen, deshalb bin ich umso glücklicher, dass ich die WM-Qualifikation noch auf den letzten Drücker geschafft habe“, freut sich die junge Schwarzwälderin.

Dass die Sportsoldatin alles geben wird, um das begehrte WM-Ticket noch zu bekommen, kam für ihre Trainer nicht überraschend. Sie wissen, dass Ramona Straub eine außergewöhnliche Kämpferin ist, denn die junge Sportlerin vom SC Langenordnach hat in ihrer jungen Karriere bereits einen Leidensweg hinter sich. Im Februar 2014, kurz nach dem sie knapp die Olympia-Qualifikation verpasste, musste sie den ersten schweren Schock verkraften. Ein Kreuzbandriss beendete die Saison vorzeitig. Es folgten Operation und monatelange Reha-Maßnahmen.

Kaum hatte sie sich wieder zurückgekämpft, folgte im Januar 2015 der nächste Rückschlag. In ihrem Knie bildeten sich Vernarbungen. Die nächste Operation folgte und somit war auch dieser Skisprung-Winter vorzeitig beendet. Doch damit nicht genug. Im Sommer stürzte die gelernte Gärtnerin auf der Schanze in Oberstdorf. Die bittere Diagnose: Meniskusriss im linken Knie. Wer sich nach solchen Rückschlägen in so kurzer Zeit wieder aufrappelt und erfolgreich zurückmeldet, der lässt sich nur schwer unterkriegen.

Für Ramona Straub ist die bevorstehende WM in Skandinavien die erste Teilnahme bei einer „großen“ Weltmeisterschaft. Eine WM-Medaille hat sie allerdings bereits im Schrank. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2012 gewann sie mit dem deutschen Team Silber.

Straub der vierte Sportler aus dem Skiverband Schwarzwald, der in Lathi zum deutschen Aufgebot gehört. Die Langläuferinnen Steffi Böhler (SC Ibach) und Sandra Ringwald (ST Schonach-Rohrhardsberg) sowie Kombinierer Fabian Rießle (SZ Breitnau) hatten das WM-Ticket frühzeitig in der Tasche.

Am gestrigen Montag machten sich die deutschen Skispringerinnen auf den Weg in den hohen Norden. Straub kehrt dabei auch an einen Ort zurück, an den sie keine guten Erinnerungen hat. „Den Kreuzbandriss vor drei Jahren habe ich mir auf der Schanze in Lahti zugezogen. Mittlerweile ist die dortige Sprunganlage erneuert. Seitdem bin ich in Lathi nicht mehr gesprungen. Ich lasse mich überraschen“, sagt Straub mit Blick auf das bevorstehende Großereignis. Nun hofft die 23-jährige, dass sie am Freitag dabei ist, wenn die besten Skispringerinnen der Welt um WM-Gold springen. Es wäre zugleich auch eine Belohnung für eine bemerkenswerte Kämpferin.