Skispringen: Vier Jahre ist es her, da war Ramona Straub am Tiefpunkt ihrer jungen Karriere. Innerhalb weniger Tage kam es knüppeldick. Zunächst verpasste sie trotz erfüllter Norm die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi hauchdünn. Während ihre Kolleginnen in Russland um Olympia-Medaillen sprangen, folgte der nächste Rückschlag. Die damals 20-Jährige stürzte beim Continental-Cup in Finnland schwer. Die bittere Diagnose: Kreuzbandriss.

Knapp ein Jahr später dann der nächste Schock: Im Knie hatten sich Vernarbungen gebildet. Die nächste Operation folgte und die Skisprung-Saison war wiederum vorzeitig beendet. Doch die sympathische Schwarzwälderin gab nicht auf. „Unglaublich, wie Ramona das Ganze weggesteckt hat“, sagt ihr Heimtrainer Rolf Schilli.

Auch der aktuelle Winter begann für die Skispringerin aus Langenordnach nicht gerade verheißungsvoll. Bundestrainer Andreas Bauer nominierte sie nicht für die ersten Weltcup-Springen in Skandinavien. Die erste Möglichkeit, das Olympia-Ticket zu lösen, war dahin. Mitte Dezember bekam die gelernte Gärtnerin dann ihre Chance – und nutzte sie sofort. Mit Platz vier beim Heim-Weltcup in Hinterzarten erfüllte sie prompt die Olympia-Norm. „Ausgerechnet in Hinterzarten. Das ist eine Schanze, die mir eigentlich gar nicht liegt“, war die 24-Jährige genauso verblüfft wie ihre Trainer.

Es folgten weitere Top-Platzierungen im Weltcup und die Nominierung für ihre ersten Olympischen Spiele. Ein Traum wurde wahr. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf das Großereignis. Und das nicht nur bei der Sportlerin selbst. Sie ist der große Stolz des SC Langenordnach und der erste Olympia-Starter dieses kleinen Skiclubs. „Wir sind überwältigt, dass unsere Ramona bei den Olympischen Spielen dabei ist“, ist auf der Homepage des Vereins zu lesen.

Für Ramona Straub ist es auch der Lohn für ihren unermüdlichen Kampfgeist. „Ich freue mich riesig“, sagt die Sportsoldatin. An diesem Wochenende heißt es Koffer packen, denn bereits am Dienstag geht es in Richtung Asien. Mit an Bord ist auch neues Material: „Ramona springt mit einem neuen Ski“, verrät Rolf Schilli. Der Trainer traut seinem Schützling einiges zu: „Ramona hat großes Potenzial. Allerdings hat sie oft Schmerzen im Knie und an der Schulter. Umso bemerkenswerter sind ihre Leistungen.“

Der Olympia-Neuling blickt gespannt nach Südkorea („Es gibt vieles, worauf ich mich freue“) und ist auch zuversichtlich vor ihrer Premiere: „Die Schanze in Pyeongchang liegt mir. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung.“ Zunächst will die Schwarzwälderin die Eröffnungsfeier am 9. Februar und das Olympische Flair genießen. Am 12. Februar ist es dann soweit. An diesem Tag geht es für die Skispringerinnen um Olympische Medaillen. Vielleicht wird es ein besonderer Tag für Ramona Straub. Verdient hätte sie es auf jeden Fall.

Zur Person

Ramona Straub stammt aus Langenordnach, einem Stadtteil von Titisee-Neustadt. Die 24-Jährige ist bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Sonthofen, wohnt jedoch mittlerweile wieder im Schwarzwald. 2012 wurde Straub Vize-Weltmeisterin mit dem Team bei der Junioren-WM.