Hat das magere 0:0 am Samstag gegen Backnang Ihre Laune arg getrübt oder können Sie schon einen objektiven Blick auf die gesamte bisherige Spielzeit werfen?

Das 0:0 war schon sehr enttäuschend. Wir haben zu wenig Lösungen kreiert und verdient zwei Punkte liegen gelassen. Insgesamt war es aber dennoch bislang eine gute Runde – vor allem, wenn man die fehlende Breite unseres Kaders berücksichtigt.

Die Winterpause kommt also nicht zum völlig falschen Zeitpunkt?

Das denke ich auch. Wir müssen uns jetzt sammeln und neue Kraft tanken. Man muss auch bedenken, dass die Sommerpause sehr kurz und die Belastung der einzelnen Spieler intensiv war. Zudem hatten wir mehrfach Verletzungspech. Man darf sich also nicht wundern, dass einige Spieler an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit sind. Jetzt setzen wir uns im Verein zusammen und entscheiden, wie wir uns personell verändern.

Zwei weitere potenzielle Neuzugänge sind anvisiert – ein Mittelfeldmann und ein klassischer Stürmer?

Das ist richtig. Wir stehen auch in guten Verhandlungen, aber es ist noch nichts sicher. Der Sturm und die Sechser-Position sind wohl die Bereiche, in denen wir am ehesten Verstärkungen brauchen. Wir werden aber nichts übers Knie brechen und wirklich nur Leute holen, die uns weiterhelfen. Mitläufer brauchen wir keine. Es wird sich in den nächsten beiden Wochen entscheiden, ob wir mit unseren beiden „Wunsch-Spielern“ einig werden.

Außer den beiden Kandidaten gibt es bereits einen fest stehenden Neuzugang: Saheed Mustapha, der zuletzt in Malchow spielte.

Von Saheed erhoffe ich mir einiges. Er ist ein athletischer und schneller Spieler, dazu beidfüßig und gut im Spielaufbau. Wir brauchen auch körperlich robuste Akteure, weil wir gerade gegen solche Mannschaften Probleme hatten, die vom Körperlichen her kamen. Auf der anderen Seite möchte ich unsere Fußball-Philosophie nicht verändern. Wir wollen nach Möglichkeit spielerisch glänzen. Wenn ein Spieler aber, wie Saheed Mustapha, noch zusätzlich körperlich dagegenhalten kann – umso besser.

Ein Abgang steht hingegen schon fest: Nicola Leberer zieht es zurück zum finanziell offenbar angeschlagenen Heimatverein SV Oberachern. Warum?

Er hat private Gründe geltend gemacht – und da wollten wir ihm nicht im Wege stehen. Es ist schade, aber durch den Zugang von Saheed können wir das kompensieren. Am Liebsten hätten wir auch Nicola zusätzlich behalten. Er hat einen guten Eindruck hinterlassen und verfügt über großes Potenzial.

Ein „Neuzugang“ aus dem eigenen Verein ist Tevfik Ceylan, der zwischendurch aufgehört hatte, nun aber nach der Winterpause wieder mit dem Oberliga-Kader trainieren wird. Was erwarten Sie sich von ihm?

Tevfik hat einen Fehler gemacht und sich dafür bei uns entschuldigt. Wir wollten ihm nach einigem Überlegen eine zweite Chance geben. Er fängt wieder bei Null an und hat keinerlei Bonus. Wir erwarten uns von ihm, dass er seine zweifelsohne vorhandenen Qualitäten zeigt und Vollgas gibt. Ich bin da recht zuversichtlich. Ein Tevfik in Bestform ist für uns eine Verstärkung. Außerdem gibt uns das mehr Optionen.

Was ist noch drin in dieser Spielzeit?

Wir haben jetzt fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Freiberg und versuchen, an den vorderen Mannschaften dranzubleiben, so lange es geht. Das Gute ist: Wir haben keinerlei Druck.

Im Gegensatz zum Pokal-Wettbewerb.

Zunächst konzentrieren wir uns auf die Liga. Was den Pokal betrifft, so würden wir den natürlich schon sehr gerne holen. Aber planen kann man im Fußball nichts. Unser Halbfinal-Gegner Linx ist stark, aber wir haben das Ziel DFB-Pokal fest vor Augen.

FC 08 Villingens Sportlicher Leiter Arash Yahyaijan und Sie sprachen davon, dass diese Spielzeit ein „Übergangsjahr“ sei. Was heißt das?

Das heißt, dass wir nicht den Anspruch haben können, um den Aufstieg mitzuspielen. Sollte es dennoch klappen und wir mit einer Serie aus der Winterpause kommen – umso besser. Es geht uns aber vor allem darum, die Mannschaft sukzessive so zu verstärken, dass wir in ein, zwei Jahren das Ziel formulieren können, ganz oben mitzuspielen.

Will der FC 08 mittelfristig in die Regionalliga?

Ja, obwohl man auch das nicht fest planen kann. Ich selbst will aber auch nicht mit meinem Team fünf oder sechs Jahre um die „goldene Ananas“ spielen. Für ein solches Ziel gibt es außer im Sportlichen aber auch beim Drumherum noch einiges zu tun, wobei ich sagen muss: Wir sind auf einem guten Weg und stellen uns derzeit gut auf.

Auch im Stadion tut sich einiges. Läuft alles im Zeitplan?

Das ist nicht mein primäres Betätigungsfeld. Aber das, was ich mitbekomme, stimmt mich optimistisch – vom VIP-Bereich bis zum Flutlicht oder der Anzeigetafel. Die Zusammenarbeit mit dem restlichen Trainerstab läuft ebenso gut wie mit dem Vereinsvorstand. Derzeit wird ein solides Fundament gelegt, wie es der FC 08 schon lange nicht mehr hatte.

Letztlich ist der sportliche Erfolg der Mannschaft natürlich das Entscheidende: Wie sieht es mit Vertragsverlängerungen der Leistungsträger aus?

Einige haben bereits verlängert, bei anderen werden wir es in den nächsten Tagen bekanntgeben. Einen kann ich schon verraten – Christian Mendes wird ein weiteres Jahr bei uns bleiben. Wie wichtig er für uns ist, hat er erst am Samstag wieder gezeigt.

Wie sehr frustriert es einen talentierten Nachwuchsmann wie Jonas Huchler, wenn er nicht an Mendes vorbeikommt?

Natürlich will Jonas spielen. Wir sind in Gesprächen mit ihm und er muss sich entscheiden, ob er noch eine Weile abwarten und weiter von Christian lernen will. Falls er sich anderweitig orientieren möchte, muss man eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden.

Gibt es einen Spieler in dieser Vorrunde, den Sie besonders hervorheben würden?

Zum größten Teil lief unser Spiel über das Kollektiv – gerade in der Phase, in der wir große personelle Probleme hatten. Überraschend fand ich, wie gut sich Niko Tadic von Anfang an in der Oberliga zurecht gefunden hat. Er hat zehn, zwölf wirklich sehr gute Spiele gemacht. Dann hat er etwas nachgelassen. Aber das ist durchaus verständlich, dass ein Spieler im ersten Jahr Oberliga gewisse Leistungsschwankungen hat.

Zwei Langzeitverletzte hat der FC 08 derzeit noch zu beklagen: Stjepan Geng und Frederick Bruno. Haben Sie Hoffnung, dass die beiden in dieser Saison noch einmal spielen werden?

Beide fehlen uns sehr. Vor allem Stjepan war in einer fantastischen Form und unser bester Mann, bis er sich verletzt hat. Sagen wir es so: Ich würde mir sehr wünschen, dass uns beide in der finalen Phase der Saison wieder zur Verfügung stehen. Wir planen jetzt aber erst einmal ohne sie.

Wie wichtig war es, dass der gefürchtete Schwarzwälder Winter den FC 08 bislang verschont hat?

Sehr wichtig. Wir konnten ohne Probleme trainieren, kein einziges Spiel ist ausgefallen. Ich hoffe auf einen milden Restwinter, damit auch unsere Vorbereitung auf das Frühjahr nicht beeinträchtigt wird.

Geht es für Ihr Team am 10. Januar weiter?

Am 10. oder am 11. Januar, das ist noch nicht ganz sicher. Ich selbst werde nämlich auch zweieinhalb Wochen in Kroatien beziehungsweise Bosnien sein – und es ist noch nicht ganz klar, wann ich zurückkomme.

Geht es da nur um Erholung oder auch um etwaige neue Spieler?

Primär möchte ich mich voll und ganz meiner Familie widmen. Sie musste im abgelaufenen Jahr zurückstecken, weil ich auch keinen Sommerurlaub gemacht habe. Wenn mir ein geeigneter Neuzugang vor die Linse läuft, werde ich aber nicht zögern und kurzerhand vom Privatmann in den Trainer-Modus umschalten.

Fragen: Stefan Ummenhofer