Eishockey: Harte, kompromisslose Spielweise vor dem eigenen Tor – das vermissten die zahlreichen Fans der Wild Wings in den vergangenen Jahren. Genau für diesen Job verpflichteten die Schwenninger Mark Fraser. Auf dem Eis gilt der 1,93 Meter große Verteidiger als robust, abseits der Spielfläche mag er es aber harmonischer und hört er vor allem gerne Musik – egal was und egal wo. Hauptsache Musik. „Ich gehe auf kleine Konzerte vor 400 Zuschauern, aber auch zu den größten Festivals. Die Musikrichtung ist mir egal, es begeistert mich alles“, lacht der 32-jährige. Doch am liebsten höre er Rap. Seine neuen Teamkollegen im Schwarzwald haben dem Kanadier schon deutschen Rap vorgespielt. „Auch wenn ich die Worte nicht verstehe, die Beats finde ich gut“, schmunzelt .

Doch im Leben des Mark Fraser gibt es neben der Musik vor allem Sport. Egal, ob Sportarten selbst ausprobieren oder im Stadion mitfiebern. Der in Ottawa geborene 100 Kilo-Mann ist gerne mittendrin.

In seiner Karriere als Eishockey-Profi hat Fraser schon einiges erlebt. 219 NHL-Spiele, 451 AHL-Spiele, eine Saison in Finnland und eine Spielzeit in der Slowakei hat er bereits hinter sich. „Meine Erfahrung möchte ich an die jungen Spieler, insbesondere Boaz Bassen in der Verteidigung, weitergeben“, sieht er sich als Führungsspieler in der neuformierten Mannschaft.

Seine ersten Eindrücke bei den Wild Wings sind sehr positiv: „Dafür, dass wir erst so kurz zusammen sind, verstehen wir uns schon sehr gut. Wir haben eine sehr gute Mischung aus jungen, hungrigen Spielern sowie erfahrenen Haudegen“, ist sich der Neuzugang sicher, dass die Wild Wings die Playoffs erreichen werden.

Ein wichtiger Faktor könnten für ihn auch die Anhänger der Wild Wings sein: „Ich habe in 14 Jahren Profierfahrung noch nie solch begeisterungsfähige Fans erlebt. So viele Fans bei einem Vorbereitungsspiel, das war der Wahnsinn“. Die 2500 Zuschauer beim öffentlichen Eistraining waren für ihn jedoch nichts Neues: „In New Jersey hatten wir noch ein paar Zuschauer mehr“ vergleicht er die Schwenninger mit einem Klub aus der besten Liga der Welt. Deshalb fügt Fraser auch an: „In Finnland oder der Slowakei habe ich so etwas nie erlebt, auch nicht in der AHL“.

Der Defensivspezialist mit der Rückennummer 2 ist froh, dass die Zeit der Vorbereitung langsam zu ende geht und die Testspiele losgehen: „Der erste Test in Bietigheim war sehr anstrengend. Ich war danach total kaputt. Aber es hat sich toll angefühlt, wieder spielen zu können“. Mit seiner Leistung war der Sunnyboy zufrieden, auch wenn ihm anzumerken war, dass er sich nach seinem Gastspiel in der Slowakei bei HKm Zvolen noch an die Geschwindigkeit in der DEL gewöhnen muss: „Ich war noch nie einer der Schnellsten. Doch die Scouts und Trainer lobten immer mein Positionsspiel. Dadurch mache ich die fehlende Geschwindigkeit wieder wett“, ist der als Raubein bekannte Verteidiger optimistisch, dass er auch in Schwenningen starke Leistungen zeigen wird.

Auf seine vielen Strafzeiten angesprochen, lacht Fraser kurz und erzählt, dass er mit einem vier Jahre älteren Bruder aufgewachsen sei und früh habe lernen müssen, sich durchzusetzen. „Da sind auch öfters mal die Fäuste geflogen“, erzählt der Kanadier und fügt an: „Der physische Teil ist auch ein wichtiger Teil des Sports. Hier habe ich durch meine Größe und Masse einen Vorteil, den will ich nutzen, um meiner Mannschaft zu helfen“. Genau diese Physis war in den vergangenen Jahren ein Schwachpunkt bei den Wild Wings. Nicht nur deshalb hat Mark Fraser das Zeug, in den kommenden Monaten ein neuer Publikumsliebling in Schwenningen zu werden.