Fußball: „Ich will nicht im Mittelpunkt spielen“ – so lautet die Einstellung von Jürgen Schätzle, wenn er auf das Fußballfeld läuft. Nicht nur durch diesen Vorsatz sondern vor allem durch seine konstanten Leistungen machte der Schönwälder einen weiteren Schritt in seiner Schiedsrichter-Laufbahn. Der 25-Jährige war in der Saison 2018/19 nach den Bewertungen in einer Liste von 24 Schiedsrichtern die Nummer eins in der Verbandsliga Südbaden. Der Lohn: Er steigt in die Oberliga auf. „Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Ich stand siebenmal unter Beobachtung. Um die Nummer eins zu werden, darf man sich so gut wie keine Fehler erlauben“, sagt Schätzle. Nicht nur die Herausforderung in Baden-Württembergs höchster Spielklasse ist neu für ihn. In der kommenden Saison ist er zudem als Beobachter der Landesliga-Schiedsrichter im Einsatz.

Trotz seines jungen Alters ist Jürgen Schätzle mittlerweile elf Jahre als Unparteiischer im Einsatz. Dass ein Schiedsrichter meist nur in den Schlagzeilen steht, wenn es negative Nachrichten gibt, störte ihn in dieser Zeit nie: „Natürlich liest man gerne, dass die Leistung gut war. Aber für mich ist es schon ein Lob, wenn man gar nichts hört.“ Von verbalen oder gar körperlichen Attacken blieb er bislang weitestgehend verschont. „Ich hatte einen Spielabbruch. Beleidigungen kommen zwar hin und wieder vor. Aber man entwickelt eine Art Hülle als Selbstschutz. Das darf einem nicht nachgehen“.

Jürgen Schätze ist gemeinsam mit Tobias Doering der klassenhöchste Schiedsrichter aus dem Bezirk Schwarzwald. Obwohl Doering aus der Regionalliga absteigen musste, bleibt der Brigachtaler für ihn ein Vorbild: „Von Tobias habe ich in den vergangenen Jahren viel gelernt und dafür bin ich auch dankbar. Mit ihm habe ich auch besondere Spiele erlebt, wie etwa vergangenen Herbst, als ich im Derby Homburg gegen Saarbrücken vor fast 10.000 Zuschauern sein Linienrichter war.“

Die gemeinsamen Reisen der beiden Schwarzwälder werden in der kommenden Saison sicherlich weniger, die Freundschaft bleibt. „Die Kameradschaft unter den Schiedsrichtern ist klasse. Da beneidet keiner d en anderen. Die Schiedsrichterei bedeutet mir sehr viel“, beschreibt Schätzle einen der Gründe, warum ihm der Job mit der Pfeife soviel Spaß macht.

Ohne diesen Spaß könnte der Schönwälder die Tätigkeit in der jetzigen Art und Weise wohl gar nicht ausführen. Neben seinem Beruf bei der Firma Wiha in Schonach und seinem ausgefüllten Wochenende als Schiedsrichter macht er noch die Ausbildung zum Industrie-Meister mit dreimal wöchentlich Abendschule. „Ich werde oft gefragt, wie ich das alles unter einen Hut bringe. Ohne die Unterstützung der Familie, der Freunde und des Arbeitgebers könnte ich das gar nicht machen.“

Ab August wird Jürgen Schätzle an Samstagen und/oder Sonntagen quer durch Baden-Württemberg reisen. „Die Oberliga ist ein komplett neues Umfeld. Es sind fast durchweg neue Mannschaften und das Spiel ist schneller“, sagt der Schönwälder. Für den 25-Jährigen wird sich einiges ändern. Aber auf keinen Fall seine Einstellung. Jürgen Schätzle will auch weiterhin auf dem Spielfeld nicht im Mittelpunkt stehen.