Herr Löchelt, der Bogenclub VS hat zum zweiten Mal binnen drei Jahren das deutsche Mannschaftsfinale erreicht. Wie bewerten Sie das?

Wir sind nicht zufällig unter den besten acht Mannschaften in Deutschland. Wir haben uns sicher dafür qualifiziert. Als wir vor drei Jahren absoluter Neuling in der Bundesliga waren, zeichnete sich dieser Erfolg noch nicht ab. Umso mehr freuen wir uns, es zum zweiten Mal in ein Finale geschafft zu haben.

Wie stehen am heutigen Samstag in Wiesbaden die Chancen?

Die acht Mannschaften begegnen sich auf Augenhöhe. Jeder kann jeden schlagen. Alle acht Teams haben ihre Klasse und einige Mannschaften sind sogar mit Teilnehmern an Olympischen Spielen besetzt. Wir wollen so weit kommen wie nur möglich. Schon das Halbfinale wäre ein großer Erfolg. Eine Prognose, was wirklich möglich ist, kann ich nicht abgeben. Wir haben da nichts zu verlieren.

Wie schwer oder einfach ist es, Nachwuchs für das Bogenschießen zu gewinnen?

Wir sind eine Randsportart. Das ist uns Schützen klar. Aber: Wir sind eine olympische Sportart und das haben wir vielen anderen Sportarten voraus. Nun zur Frage. Wir beim Bogenclub VS müssen uns keine Sorgen um den Nachwuchs machen. Bogenschießen ist populär. Zuletzt war es sogar so, dass unsere Kapazitäten etwas erschöpft waren und wir mehr Anfragen als Aufnahmemöglichkeiten hatten.

Sie sagten, der Sport ist populär bei den Athleten. Lässt er sich auch öffentlich populärer machen?

Wir sind nicht an jedem Wochenende am Start. Fans wollen Sportarten mit Heim- und Auswärtswettkämpfen an jedem Wochenende. Das haben wir nicht. Wir haben viel Wettkampfpausen und müssen daher immer wieder viel Werbung in eigener Sache machen, damit die Zuschauer uns entdecken und sehen: Das ist wirklich eine reizvolle Sportart.

Mit Sarah Reincke hat ein Teammitglied sogar den Sprung in die deutsche Nationalmannschaft geschafft. Was sagen Sie zu ihr?

Ich weiß noch, als Sarah aus Pfaffenweiler bei uns mit sechs Jahren begonnen hat. Sie brachte viel Talent mit und heute ist die 16-Jährige in der Jugendnationalmannschaft. Das macht uns alle sehr stolz. Sarah fliegt dann unmittelbar nach dem Bundesliga-Finale nach Südkorea in ein Trainingslager. Sie ist ein Eigengewächs und schon jetzt ein Aushängeschild für unseren Verein.

Können die Erfolge einer Sarah Reincke auch die weitere Nachwuchsarbeit befruchten?

Auf jeden Fall. Unsere ganz jungen Schützen verfolgen ihren Werdegang. Sarah ist ein Vorbild und das meine ich nicht nur aus sportlicher Sicht. Sie ist als Mensch immer auf dem Boden geblieben und nicht einen Millimeter abgehoben. Diese Eigenschaften hat nicht jeder.

Was ist eigentlich das beste Alter für einen Einstieg ins Bogenschießen?

Mit acht oder neun Jahren zu beginnen ist aus meiner Sicht ideal. Wir haben die Trainer, die dann auch die richtigen Taktiken vermitteln.

Wie teuer ist die Ausrüstung?

Für den Einstieg bekommt jeder Interessent etwas passendes unter 100 Euro. Nach oben sind dann keine Grenzen gesetzt. Aber das ist nicht entscheidend. Der Schwachpunkt am Bogenschießen ist immer der Schütze. Er entscheidet über das Ergebnis.

Zurück zum heutigen Bundesligafinale. Ist eine Medaille möglich?

Ich werde unsere Sportler nicht unter Druck setzen Wir sind gut vorbereitet und werden alle versuchen. Das kann ich auf jeden Fall versprechen.

Fragen: Dietmar Zschäbitz