Gratulation, der Deutsche Skiverband hat Sie mit dem Goldenen Ski ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet. Aber es macht mich schon ein bisschen stolz. Der goldene Ski bekommt auch einen Ehrenplatz. Zudem ist er eine große Motivation für die neue Saison.

Den Goldenen Ski erhält normalerweise der oder die Beste in den verschiedenen Ski-Disziplinen. Sind Sie denn die beste Langläuferin in Deutschland?

So sehe ich das auf keinen Fall. Ich hatte letzte Saison vielleicht die besten Ergebnisse. Aber ich gehe nicht hin und sage, ich bin die beste deutsche Langläuferin. Wichtig ist, dass es in unserer Mannschaft stimmt.

Sind Langläufer nicht vor allem Einzelsportler?

Natürlich. Aber wenn das Team zusammenarbeitet, ist mehr möglich. Das habe ich aus Mannschaftssportarten gelernt.

Hat Ihr erfolgreicher Winter 2015/16 weitere Sponsoren angelockt?

Das ist sehr schwierig, denn Langlauf hat in Deutschland immer noch ein Stiefmütterchen-Dasein. Aber das liegt auch ein stückweit an uns. Wir können durch Erfolge auch dafür sorgen, dass unsere Sportart wieder mehr Übertragungszeit in den Medien bekommt.

Sie waren vergangenen Winter im Sprint die beste Mitteleuropäerin. Die absolute Spitze wird von den skandinavischen Läuferinnen dominiert. Wie kann man diese Lücke schließen?

Wir haben im Sommer versucht, die Grundlage zu schaffen, um näher an die Weltspitze heranzukommen. Mit mehr Wettkampfhärte, neuen Reizen und viel Technik-Training. Zudem habe ich auch die Umfänge erhöht.

Wie sieht eine Vorbereitungswoche einer Spitzenlangläuferin aus?

Wir trainieren pro Tag fünf bis sechs Stunden. Insgesamt sind es pro Woche 12 bis 13 Einheiten. Dabei gibt es Blöcke mit unterschiedlichen Schwerpunkten, wie Trainingsumfang und Intensität.

Wie sieht es dabei mit Ruhetagen aus?

Die gibt es natürlich auch.

Wie nutzen Sie dann die Freizeit?

Mit Ballsportarten, Lesen und ich koche sehr gerne, am liebsten gemeinsam mit meinem Freund Fabian Rießle.

Die Weltcup-Saison steht vor der Tür. Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die nächsten Monate vorgenommen?

Ganz oben steht die Weltmeisterschaft Ende Februar in Lahti. Im Weltcup will ich versuchen, an den Podestplätzen zu schnuppern.

Auf welchen Rennen liegt Ihr Schwerpunkt in den nächsten Monaten – Sprint oder Langstrecke?

Auf den Sprints. Allerdings will ich auch bei den Distanzrennen einen weiteren Schritt nach vorne machen.

In Sprintrennen sind Ellenbogen gefragt. Sie bezeichneten sich selbst hin und wieder als zu brav. Sind Sie mittlerweile etwas frecher?

Ja. Ich bin nun zielstrebiger. Wenn man in der Gruppe läuft, darf man nicht zimperlich sein. Allerdings sind meine Trainer immer noch nicht zufrieden.

Mit dem Saisonstart beginnt für die Wintersportler zugleich auch eine drei bis viermonatige Zeit, in der sie größtenteils aus dem Koffer leben. Gewöhnt man sich daran?

Es ist schön, wenn man in vielen Ländern herumreist und dabei auch noch ein gutes Team hat. Aber ich bin auch froh über die Zeiten, in denen ich nicht aus dem Koffer leben muss.

Am 26. November wird es im finnischen Kuopio zum ersten Mal ernst. Wie groß ist Ihre Vorfreude auf die Weltcup-Saison?

Sehr groß. Meine Vorbereitung verlief alles in allem sehr gut. Ich will in diesem Winter den nächsten Schritt machen und bin froh, wenn es losgeht.

Fragen: Christof Kaltenbach

Zur Person

Sandra Ringwald startet für das Skiteam Schonach-Rohrhardsberg. Seit einigen Jahren wohnt die gebürtige Schönwälderin in Sonthofen im Allgäu. Die 26-jährige Bundeswehr-Soldatin (Feldwebel) war im Vorjahr mit Platz 17 in der Weltcup-Gesamtwertung die beste deutsche Langläuferin. Im Teamsprint gelang ihr die erste Podestplatzierung in einem Weltcup-Rennen. Zudem wurde Ringwald 2016 dreifache deutsche Meisterin. 2013 gewann sie bei der U 23-Weltmeisterschaft Silber im Sprint-Rennen. (kat)