Ihre Vertragsverlängerung bei den Wild Wings kam für etliche Fans und Experten überraschend. Einige hatten Sie bereits bei einem Topclub der Deutschen Eishockey Liga gesehen. Was hat Sie dazu bewogen, hierzubleiben?

Die Gespräche liefen über einen langen Zeitraum. Wir haben uns seit November immer wieder unterhalten. Ich habe immer gesagt, dass ich mich noch nicht entschieden habe und mir generell einen Verbleib in Schwenningen vorstellen kann. Ab Mitte Dezember wurden die Gespräche richtig ernsthaft. Über Weihnachten und zwischen den Jahren wollte ich aber ein bisschen Ruhe haben, auch aufgrund der vielen Spiele. Seitens des Clubs gab es dafür viel Verständnis. Man ließ mir Zeit. Ich selbst hatte keinen Druck verspürt, mich schnell zu entscheiden. Klar war aber auch, dass ich in diesem Zeitraum nirgendwo anders unterschreiben würde. In den ersten Januarwochen wurde es richtig konkret und wir haben uns geeinigt.

Was waren die entscheidenden Verhandlungspunkte?

Es waren einige, aber viele waren eher Kleinigkeiten. Es gab einige Dinge, bei denen ich dachte, dass man es besser machen kann. Ich nenne als Beispiel meine Ausrüstung. Mir ist Anfang der Saison eine Schiene gebrochen und es war kein großes Problem, damit weiterzuspielen. Im neuen Vertrag wollte ich aber drin haben, dass ich von Anfang an pro Saison zwei Paar Schienen zur Verfügung habe. Es ist einfach bequemer so. Es ging um solche Kleinigkeiten, denn der große Rest hat für mich vorher schon gepasst. Ich komme mit Trainer Paul Thompson super klar, mit Ilpo Kauhanen, unserem Torwarttrainer, mit Manager Jürgen Rumrich und mit vielen Sponsoren, die ich kennengelernt habe. Ich konnte mich von Anfang an mit Schwenningen identifizieren. Es macht nach wie vor Spaß, hier zu spielen. Dazu kommt, dass Jürgen Rumrich und Paul Thompson richtig um mich gekämpft haben.

Wie sah dieser „Kampf“ aus?

Sie haben mir immer das Gefühl gegeben, dass sie mich hier unbedingt halten wollen, ohne mich unter Druck zu setzen. Sie sind zum richtigen Zeitpunkt etwas energischer geworden, haben mir aber eben auch Zeit gegeben. Als Paul Thompson kam, waren ja schon Gespräche gelaufen. Ich habe relativ schnell mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass ich über seine Zukunftsplanungen gerne Bescheid wissen möchte. ob er zum Beispiel mit einem Ausländer als Torwart plant oder mit einem Torhüter 1a und 1b. Beides hätte für mich nicht gepasst. Ich möchte schon die klare Nummer eins sein, das ist für meine sportliche Entwicklung im Augenblick entscheidend. Der Trainer hat mir das sofort zugesagt.

Mister Thompson sagte auch, dass er eine Mannschaft um Sie herum aufbauen wolle. Wie klingt das?

Sehr gut natürlich. Es zeigt seine Wertschätzung und auch den gegenseitigen Respekt. Wir vertrauen uns, sind auf einer Wellenlänge und das ist mir sehr wichtig. Ich möchte noch dazu sagen, dass ich das mit Pat Cortina auch so hatte. Eine gemeinsame Basis ist extrem wichtig.

Es ist davon auszugehen, dass es andere Angebote gab. Wurde auch verhandelt und warum haben Sie sich dagegen entschieden?

Ja, es gab einige andere Angebote und ja, es gab auch Verhandlungen. Aber es sprachen einfach mehr Punkte für Schwenningen.

Nur innerhalb der DEL oder auch aus dem Ausland?

Verhandelt wurde nur innerhalb der DEL. Bei einem Angebot aus dem Ausland wäre für mich nur Nordamerika eine Überlegung wert. Diese Angebote kommen aber in der Regel erst im Sommer. Da wissen die Wild Wings aber auch Bescheid, dass dies eine Chance wäre, die ich eventuell auch nutzen würde. Das gilt aber nur für eine Chance in der NHL, beispielsweise für einen Zwei-Wege-Vertrag oder eine Einladung zu einem Trainingscamp.

Sie sind nun bereits drei Spielzeiten bei den Wild Wings. Wie haben Sie sich in dieser Zeit entwickelt und was haben Sie gelernt?

Ich habe unheimlich viel gelernt und eine Menge Erfahrungen sammelt. Ich hatte sehr viel Eiszeit und viele, viele Schüsse auf mein Tor. Schon allein dadurch lernt man viel und entwickelt sich auch weiter, gerade auch, was die mentale Stärke angeht. Trotzdem bin ich noch längst nicht fertig und arbeite jeden Tag mit Ilpo an Verbesserungen. Ich nehme mal als Beispiel das letzte Spiel gegen Wolfsburg. Da habe ich mir ein Gegentor am kurzen Eck selbst mit der Kelle reingelegt. Im nächsten Training bekam ich 50 oder 60 Schüsse auf das kurze Eck und keiner ging rein. Man muss Fehler direkt beseitigen, bevor sie sich verfestigen. Ilpo hilft mir da immer noch sehr viel, vor allem mit Gesprächen. Ich habe auch ein Mitspracherecht bei Trainingsinhalten. Ilpo fragt einfach mal, was ich brauche, um mich wohlzufühlen.

Was hat sich abseits des Eises verändert?

Nicht so viel (lacht). Ich lebe immer noch in der gleichen Wohnung, und der Weg zum Stadion ist immer noch der gleiche. Natürlich ist inzwischen alles vertrauter. Ich kenne alles, weiß, wo was ist, und schon deshalb fühlt man sich mehr zu Hause. Dazu kommt meine Freundin, die in Villingen wohnt. Zudem habe ich mittlerweile einen guten Freundeskreis, mit dem ich meine Freizeit verbringen kann. Man hat nicht immer Lust, mit den Eishockey-Jungs unterwegs zu sein. Die sehe ich ja sieben Tage die Woche. Die vielen guten Kontakte sprechen eben auch für Schwenningen.

Die Mannschaft wird in Zukunft ihr Gesicht verändern. Sie selbst haben sich gewünscht, nicht immer gegen den letzten Platz spielen zu müssen. Was stellen Sie sich konkret vor?

Zunächst mal möchte ich das nicht als Kritik an irgendjemandem verstanden wissen. Ich habe auch keine Ahnung, weshalb es diese Saison nicht so gut läuft wie in der letzten. Was ich gesagt habe und mir wünschen würde, sind weniger Spiele, in denen wir abgeschossen werden. Es ist die Aufgabe des Trainers und des Managers, dahingehend etwas zu verändern. Das sind meine Wünsche und meine Erwartungen. Das sehen aber die Verantwortlichen genauso. Nochmal, das ist keine Kritik an der Mannschaft. Ich möchte hier einfach etwas erreichen.

Gab es angesichts der nicht wirklich guten Saison schon mal den Gedanken, nächstes Jahr auf jeden Fall woanders spielen zu wollen?

Ja, klar. Wenn es mal wieder richtig schief ging oder wir keinerlei Chancen hatten, habe ich schon gegrübelt. Ich habe nachts wach gelegen und mir gesagt: Das kann ich nicht mehr, daran gehe ich kaputt. Ich bin zu ehrgeizig, um so etwas einfach hinzunehmen. Aber das sind normale Emotionen, und die muss man bei der Zukunftsplanung und speziell bei Vertragsverhandlungen außen vor lassen.

Was motiviert Sie an solchen Tagen, am nächsten Morgen trotzdem wieder zum Training zu gehen und zu arbeiten?

Es hilft ja nichts. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt mich nicht weiter. Du musst einfach zur Eishalle gehen und deine Arbeit machen, auch wenn du mal nicht so viel Lust darauf hast. Das ist auch sicher nicht nur an einem Tag im Jahr so.

Die aktuelle Mannschaft, in der Sie mit einigen Spielern schon drei Jahre zusammenspielen, wird wohl auseinander gehen. Ist man da trotz allem ein bisschen traurig?

Es gehört halt dazu und ist in gewisser Weise ein Berufsrisiko. Das erlebe ich auch nicht zum ersten Mal. Aber klar, man hat sich auch mit vielen Kollegen angefreundet und es ist sicher manchmal schwer, den Kontakt zu halten. Man telefoniert vielleicht ab und zu, aber die meisten Spieler sieht man eben nur noch, wenn man gegen sie spielt.

Sie selbst bleiben das erste Mal in Ihrer Karriere ein viertes Jahr beim gleichen Club, mit Ausnahme des Jugendvereins Moskitos Essen. Das ist ziemlich erstaunlich.

Na ja, ich habe eben auch keine Lust, jedes Jahr umzuziehen. Auch das hat bei meiner Entscheidung eine Rolle gespielt. Es gab auch keinen Club, bei dem ich mich die nächsten vier oder fünf Jahre gesehen habe. Deshalb habe ich auch in Schwenningen nur für ein Jahr unterschrieben, da bin ich ganz ehrlich. Aber wer weiß, wie es in Zukunft aussieht.

Am vergangenen Freitag nach der Bekanntgabe der Verlängerung sangen die Fans in der Helios-Arena: „Dustin, Du bist ein Schwenninger“. Ist das so?

Ich kann mich extrem gut mit diesem Verein identifizieren und das sehen die Fans offenbar. Genauso soll es auch ankommen. Es war meine freie Wahl hierzubleiben und für mich auch die absolut richtige Entscheidung.