Herr Velcic, in den vergangen Tagen war oft vom Schwenninger Basketball-Märchen die Rede. Würden Sie das, was gerade rund um die Wiha Panthers geschieht, auch als Märchen bezeichnen?

Ich würde nicht von einem Märchen, sondern von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Märchen können schließlich auch eine negative Handlung haben. Wir haben jahrelang für unseren Erfolg hart gearbeitet und viel investiert.

War diese Erfolgsgeschichte nach vier Niederlagen am Stück zum Ende der Hauptrunde und dem Abrutschen auf Rang sechs absehbar?

Ich hielt es schon zu Beginn der Saison für möglich, dass wir das Halbfinale errreichen können, wenn alles perfekt läuft. Es ist nicht alles perfekt gelaufen und wir hatten viele Verletzte, aber wir haben es dennoch geschafft. Andere Spitzenteams wie Münster oder Gießen hatten ihre Schwächephase am Anfang der Saison, wir eben am Ende. Das lag daran, dass wir eine Phase mit vielen Kranken und Verletzten hatten und viel Substanz gelassen haben.

So mancher Kritiker hatte es zu Beginn der Saison für unwahrscheinlich gehalten, dass sich die Panthers für die Playoffs qualifizieren und den Kader infrage gestellt. Nun stehen Sie im Halbfinale. Was entgegnen Sie nun diesen Kritikern?

Ich nehme das mit einem Lächeln zur Kenntnis. Ich weiß, was wir können und wo wir noch Potenzial haben. Allen Unkenrufen zum Trotz sind wir nun unter den besten Vier der ProB.

Was macht Ihre Mannschaft so stark?

Unsere größte Stärke ist, dass wir nie aufgeben. Zudem haben wir einen engen Zusammenhalt in der Mannschaft und einen großen Erfahrungsschatz im Team.

Was sagt es über ihre Truppe aus, wenn in jeder Partie ein anderer Spieler die Verantwortung übernimmt und sein volles Potenzial abruft?

Hätten wir uns immer nur auf Bill Borekambi und Rasheed Moore als Topscorer verlassen, wären wir nicht weit gekommen. Es ist schließlich einfacher, zwei Spieler einer Mannschaft auszuschalten, als fünf. Wir brauchen alle. Jeder hat bewiesen, dass er es kann. Nur muss man ihnen auch das Vertrauen schenken. Ich beobachte die Jungs im Training genau und weiß, was sie machen und was sie können.

Stehen Ihrer Meinung nach mit Leverkusen, Münster, Bernau und den Wiha Panthers die vier besten Mannschaften der ProB im Halbfinale?

Auf jeden Fall sind die zwei besten Mannschaften aus dem Süden dabei. Und wenn man die Hauptrundentabelle der Norstaffel betrachtet, sind mit Münster und Bernau auch von dort die beiden besten Teams dabei.

Wie groß ist der Anteil, den Sie sich selbst an diesem Erfolg zuschreiben?

Das spielt für mich keine Rolle. Als Trainer muss man seine Spieler fachlich überzeugen und sie dazu bringen, das zu spielen, was man sich vorstellt. Wenn sie damit erfolgreich sind, vertrauen sie dem Coach. Zudem muss man auch Mensch sein und sie durch die Saison führen. Mal muss man lustig sein, mal hart durchgreifen. Ein Trainer hat viele Rollen innerhalb einer Mannschaft. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Autorität anerkannt wird. Wenn das alles gelingt, kommt man am weitesten. Ich würde mich selbst als sanften Diktator bezeichnen.

In den Playoffs hat jedes Spiel finalen Charakter. Wie gelingt es Ihnen, Ihre Spieler jedes Mal aufs Neue zu motivieren und neue Reize zu setzen?

Es geht viel über Ansprachen in der Kabine. Sie müssen eine Mischung aus Motivation, Emotion und fachlicher Nüchternheit sein. Welche sportlichen Dinge ich ansprechen möchte, weiß ich schon vor einer Ansprache. Alles andere passiert spontan. Manchmal erzähle ich Dinge aus der Politik, aus der Geschichte, aus meinem eigenen großen Erfahrungsschatz oder zitiere Nelson Mandela. Es ist also immer etwas Neues.

Playoffs sind, was Intensität und Konzentration anbelangt, nochmals viel fordernder als die Hauptrunde. Wie kräftezehrend ist die aktuelle Phase für ihr Team und Sie persönlich?

Körperlich sind alle topfit und die Akkus zu jedem Spiel wieder aufgeladen. Allerdings sind es die Batterien in den Köpfen, die sich schnell leeren. Wir spielen in jedem Spiel am Limit und betreiben einen enormen Aufwand. Die beiden Serien gegen Wedel und Gießen waren mental nicht einfach, weil wir in Spiel drei immer auswärts spielten.

Wie kann man die Batterien in den Köpfen wieder aufladen?

Indem man sich mit anderen Dingen abseits des Basketball-Feldes beschäftigt. Ich für meinen Teil gehe zur Arbeit und verbringe Zeit mit meiner Frau und Freunden.

Durch die jüngsten Erfolge der Wiha Panthers haben Sie nicht nur eine Basketball-Euphorie in der Region ausgelöst, sondern legen damit automatisch auch die Messlatte für die kommenden Jahre hoch. Geht Ihnen das nicht ein wenig zu schnell?

Wir müssen die Erwartungshaltung der Menschen in Villingen-Schwenningen und der Sponsoren genau beobachten. Jahrelang waren wir, was die sportliche Bedeutung in der Doppelstadt angeht, nur an dritter, vierter oder fünfter Stelle. Die Wild Wings sind uns, was die Popularität angeht, gefühlt hundert Jahre voraus. Aber wir vergleichen uns gerne mit den Besten und holen langsam auf. Wir müssen aufpassen, dass wir die Erwartungen der Menschen und Sponsoren nicht zu schnell nach oben treiben und ihnen nicht mehr gerecht werden können. Zum sportlichen Erfolg gehört nicht nur viel Glück und Wissen, sondern auch Geld. Wir arbeiten hart daran, Gelder zu generieren.

Die Erwartungen bremsen, aber gleichzeitig nach dem sportlichen Maximum streben – ist das nicht ein Widerspruch?

Ja, das ist es. Aber wir können und wollen den sportlichen Erfolg nicht künstlich stoppen. Ich kann den Jungs ja nicht sagen, dass sie verlieren sollen. Wir haben auch nicht mit Geld um uns geworfen und ständig Spieler verpflichtet, sondern stets die Ruhe bewahrt und nur dann jemanden geholt, wenn sich jemand verletzt hat.

Die sportliche Entwicklung der Panthers ist nicht zu übersehen. Entwickelt sich das Umfeld infrastrukturell im gleichen Maße?

In vielen Punkten schon. Wenn man sich die Organisation des vergangenen Heimspiels gegen Gießen anschaut, war das auf ProA-Niveau. In Sachen helfendes Personal haben wir uns gut entwickelt. Im Falle eines Aufstiegs bräuchten wir aber noch weitere Personen, die zum Beispiel LED-Banden auf- und abbauen oder das Parkett verlegen.

Damit sind wir beim Thema ProA. Bis kommenden Montag müssen die Lizenzanträge für die kommende Saison bei der 2. Basketball-Bundesliga gestellt werden. Wie ist der Stand der Dinge?

Volker Kübler ist in dieser Materie federführend. Die Formulare für die ProB sind bereits fertig. Wir haben uns in dieser Woche auch darauf geeinigt, dass wir zudem den Antrag für die ProA stellen werden. Bis zum 7. Mai können wir den Antag aber wieder zurückziehen, ohne eine Strafe zu erhalten. Sollten wir die sportliche Qualifikation schaffen, werden wir uns mit Sponsoren zusammensetzen und mit ihnen entscheiden, ob wir aufsteigen werden.

Also spielen die Sponsoren das Zünglein an der Waage?

Definitiv. Die Stadt hat uns für mögliche Investitionen in die Deutenberghalle bereits positive Signale gegeben. Nun sind die Sponsoren entscheidend. Wenn wir in die ProA aufsteigen, wollen wir kein Himmelfahrtskommando lostreten und gegen den Abstieg kämpfen, sondern um die Playoffs spielen.

Sind Sie zuversichtlich, dass die Sponsoren mitspielen werden?

Ja, wir sind sehr zuversichtlich, dass es klappt. Nun müssen wir aber zunächst die sportliche Qualifikation schaffen. Ich weiß nicht, wie die Planspiele in Münster aussehen und ob sie das Aufstiegsrecht im Falle eines Final-Einzugs wirklich abtreten werden.

Blicken wir auf die Halbfinal-Serie voraus. Die WWU Baskets Münster schlossen die Hauptrunde als Nord-Meister ab und marschierten bisher ungeschlagen durch die Playoffs. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Favoriten?

Generell ist die Mannschaft mit Heimvorteil der Favorit. Zudem hatte Münster zwei Wochen Erholungspause. Auf der anderen Seite sind wir im Rhythmus, was für uns sprechen könnte. Wie schon in den Serien gegen Wedel und Gießen sehe ich die Chancen bei 51:49 für die Heimmannschaft.

Dem Heimvorteil für den Gegner hat Ihre Mannschaft aber bereits zweimal erfolgreich getrotzt.

Genau. Wir haben bereits bewiesen, dass wir große Spiele in einer fremden Halle gewinnen können. Beide Teams stehen nicht aus purem Zufall im Halbfinale. Es wird wieder ein großer Kampf und eine enge Geschichte. Die Mannschaft, die es mehr will, wird ins Finale einziehen. Die mental stärkere Mannschaft wird einen kleinen Vorsprung haben.

Wie werden die nächsten Tage aussehen?

Nun werden wir uns akribisch auf die WWU Baskets vorbereiten. Wir wissen, was sie können und was nicht. Am Freitag werden wir mit dem Bus nach Münster fahren und versuchen, am Samstag dort erfolgreich zu sein.

Wenn Sie ein weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte der Wiha Panthers Schwenningen hinzufügen könnten, wie wäre die Handlung?

Ich blicke ungern in die Zukunft. Für mich ist es wichtig, dass bei allem, was wir tun, alle Leute hinter uns stehen. Zudem wollen wir uns immer den Spaß an der Sache bewahren. An Zahlen oder an einer Ligazugehörigkeit möchte ich das nicht bemessen.

Fragen: Maurice Sauter