Platz acht in der Oberliga entspricht nicht unbedingt den Erwartungen. Hat der Pokalsieg dem FC 08 die Saison gerettet?

Natürlich sind wir alle sehr erleichtert, dass es mit dem Pokalsieg geklappt hat. Ansonsten hätte es die eine oder andere Diskussion im Verein gegeben, wenn wir zwei Jahre gut spielen, uns aber letztlich nicht belohnen. Auch ich hätte mir Gedanken gemacht. Wir haben aber unabhängig davon auch diese Saison mit unseren Mitteln sehr gut gespielt. Wenn wir in der Oberliga in den Top 5 gelandet wären, hätte ich von einer ausgezeichneten Runde gesprochen. So war es immerhin noch eine sehr gute Runde.

Was hat dem Team gefehlt, um in der Oberliga bis zum Schluss oben mitspielen zu können?

Wir haben einige Punkte unnötig verschenkt. Abgesehen davon hat man bei unserem tendenziell dünnen Kader gemerkt, dass sich Verletzungspech gravierend auswirkt. Das kann man nicht völlig kompensieren. Insgesamt haben wir aber ein charakterstarkes Team, das alles gegeben und sich mit dem Pokalsieg in Pfullendorf auch belohnt hat. Vor allem zuhause im Friedengrund haben wir sehr guten und erfolgreichen Fußball gezeigt.

Sie haben eine oft übertriebene Erwartungshaltung im Umfeld angesprochen.

Ja. Es ist nicht so, dass ich mit Druck irgendein Problem hätte – im Gegenteil. Ich finde Druck aber nur dann gerechtfertigt, wenn die Voraussetzungen wirklich da sind, um den Aufstieg mitzuspielen. Die hochkarätigen Abgänge wie Nedzad Plavci und Cristian Giles war schlichtweg nicht zu kompensieren. Wenn man das berücksichtigt, haben wir uns sehr gut geschlagen. Abgesehen davon gibt es kaum eine Oberliga-Mannschaft, in der so viele Akteure aus dem eigenen Nachwuchs auflaufen.

Ist das auch das Mittel der Zukunft? Andererseits hat der Verein mit der neuen VIP-Lounge auch ein Ausrufezeichen gesetzt, dass man in naher Zukunft mehr will.

Natürlich werden wir auch künftig auf Spieler aus der eigenen Jugend und der eigenen Region setzen. Zusätzlich gilt es aber, zwei oder drei Akteure zu verpfichten, die uns sofort weiterhelfen, die Führungsspieler sein können. Es ist allerdings nicht leicht, solche gestandenen Fußballer nach Villingen zu locken.

Vielleicht gelingt das mit dem Geld aus dem DFB-Pokal.

Das erleichtert zunächst einmal die Planung. Für den einen oder anderen potenziellen Neuzugang mag der DFB-Pokal ein weiterer Anreiz sein, bei uns zu unterschreiben. Dennoch zahlen andere Vereine mehr als wir in Villingen.

Der FC 08 hat zum neunten Mal den Südbadischen Pokal gewonnen – fünfmal davon waren Sie als Spieler oder Trainer beteiligt. Wie stolz sind Sie darauf?

Natürlich bin ich darauf stolz – aber Fußball ist ein Teamsport. Bei den beiden letzten Pokalsiegen war ich Trainer und deshalb primär stolz auf meine Mannschaft. Bei den ersten drei Erfolgen war ich noch Spieler und habe mich für mich und die Teamkollegen gefreut.

Was treibt Sie noch an?

Was mich antreibt ist, dass die Zusammenarbeit mit der charakterlich einwandfreien Truppe Spaß macht. Natürlich wäre es schön, irgendwann in absehbarer Zeit Regionalliga-Trainer zu sein.

Woran fehlt es noch beim FC 08, um eine Klasse höher zu spielen?

Nicht nur die Mannschaft sollte Jahr für Jahr besser werden, sondern auch das Drumherum. Wir müssen uns allgemein breiter aufstellen. So hatte ich diese Saison keinen Co-Trainer – das ist für eine Mannschaft aus der oberen Oberliga-Tabellenhälfte sehr ungewöhnlich.

Dafür bekommen Sie mit Marcel Yahyaijan nun einen hauptamtlichen Sportdirektor zur Seite.

So etwas ist sehr wichtig. Marcel wird mir unter anderem im administrativen Bereich zur Seite stehen, so dass ich mich mehr um das eigentliche Aufgabengebiet kümmern kann. Ohnehin muss ich sagen, dass die Zusammenarbeit mit Marcel und mit Arash Yahyaijan ausgesprochen gut ist. Wenn das nicht der Fall wäre, würde ich auch nicht weiter so für das Traineramt brennen.

Beim Saisonrückblick fällt auch auf, dass die Leistungsträger seit einigen Jahren immer dieselben sind. Die Neuzugänge haben hingegen nur bedingt eingeschlagen: Yanick Haag, Sanoussy Baldé, Saheed Mustapha und Nicola Leberer sind schon wieder weg. Patrick Haag hat so gut wie keine Einsatzzeit. Und ob Umut Sönmez bleibt, ist fraglich. Was halten Sie dagegen?

Nicola Leberer war ein sehr wichtiger Spieler, der aus privaten Gründen zurück in die Heimat wollte. Umut Sönmez hat einige wichtige Tore erzielt. Außerdem hat Nico Tadic sehr überzeugt, ehe ihn seine Verletzung zurückgeworfen hat. Und Valentin Vochatzer ist inzwischen Stammspieler. Aber klar: Es hat nicht jeder Transfer so funktioniert, wie wir uns das erhofft haben. Vor allem bei Winter-Neuzugängen ist es aber auch oft schwierig, die Spieler zuverlässig einzuschätzen.

Sie haben schon im Frühjahr darauf getippt, dass der Bahlinger SC Meister wird. Warum?

Weil Bahlingen die beste Mannschaft der Liga ist. Zudem hatte der BSC einen Lauf, von dem ich nicht ganz zu Unrecht annahm, dass er sich fortsetzt.

Der eigentliche Topfavorit, Stuttgarter Kickers, darf sich nun in der Aufstiegsrunde messen. Ich nehme an, Sie drücken der Mannschaft aus gleich mehreren Gründen die Daumen?

Absolut. Zum einen habe ich neun Jahre bei den Kickers gespielt und durfte bereits als 17-Jähriger Zweitliga-Luft schnuppern. Zum anderen würde ich es Martin Braun gönnen. Und zuletzt habe ich auch nichts dagegen, wenn ein Verein, der mindestens ein oder zwei Ligen höher spielen sollte, nächstes Jahr aus der Liste unserer Konkurrenten gestrichen werden kann.

Wie lautet die Zielsetzung für die neue Oberliga-Saison?

Wir müssen abwarten, bis wir den Kader zusammen haben. Das Ziel ist, im weitesten Sinne oben mitzuspielen. Wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren in die Regionalliga, können derzeit aber nicht so tun, als müsse dies nächste Saison schon klappen.

Sie haben vorhin angesprochen, dass viele eigene Spieler den Sprung ins Oberliga-Team geschafft haben. Wie wichtig wäre es vor diesem Hintergrund, dass die U23 in die Verbandsliga aufsteigt?

Es wäre toll, weil sich die Spieler so noch besser entwickeln können, wenn sie sich künftig eine Liga höher beweisen könnten. Unter Druck sehe ich uns und Marcel Yahyaijan aber keineswegs.

Die Saison war auch für Sie anstrengend. Bleibt nun Zeit für Erholung?

Nur bedingt. Am 9. Juni beginnt für mich die Ausbildung zur „UEFA-Pro“, die mit der Fußballlehrer-Lizenz vergleichbar ist. Dort habe ich einen Platz bekommen – und das sehe ich als gute Chance. Der Urlaub fällt dieses Jahr weitgehend flach, weil wir vermutlich am 1. Juli wieder ins Training einsteigen.

Den 15. Juni haben Sie sich sicherlich ebenfalls dick im Kalender angestrichen.

Sie meinen die Auslosung zum DFB-Pokal? Klar, wir sind alle gespannt. Gegen Schalke, St. Pauli, den SC Freiburg und Hansa Rostock durfte ich ja schon einige spannende Pokalpartien mit dem FC 08 erleben. Mal schauen, wer es diesmal wird – wir nehmen‘s, wie es kommt.

Fragen: Stefan Ummenhofer