Fußball: Auch zwei Tage nach dem DFB-Pokal-Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (1:3 nach Verlängerung) wussten die Verantwortlichen des FC 08 Villingen noch nicht, ob nun der Stolz über die beeindruckende Leistung oder die Enttäuschung über die verpasste Sensation größer sind. „So eine Chance auf die zweite Runde kommt so schnell nicht wieder“, sagte der Sportliche Leiter Arash Yahyaijan. Gleichwohl war man sich im Lager der Nullachter einig, dass die Mannschaft bundesweite Werbung betrieben habe. Im Internet gratulierten mehr als ein Dutzend Düsseldorfer Anhänger dem Fünftligisten: „Ihr hättet es verdient gehabt.“

Mehr als 200.000 Euro: Was außer dem Imagegewinn bleibt, ist ein sattes Plus in der Kasse. Rund 130.000 Euro gibt es aus den TV- und Vermarktungserlösen für das Erreichen des Pokals für die Nullachter. 8900 Zuschauer waren am Samstag im Stadion, davon 8.300 Zahlende und 600 Helfer. Diese Einnahmen aus den Eintrittskarten werden mit den Düsseldorfern geteilt, zuvor allerdings noch zehn Prozent für die Unkosten abgezogen. Die durch das Catering eingenommenen Summen verbleiben hingegen direkt bei den Villingern. Auch wenn sich gestern kein Offizieller zum erwartenden Gewinn äußern mochte und darauf verwiesen wurde, dass es bis zur Endabrechnung noch ein paar Tage dauer nwird, dürften den Nullachtern mindestens 200.000 Euro aus dem Pokal-Abenteuer bleiben. Zumindest ein kleiner Trost für das bittere Aus.

Positive Polizeibilanz: Im Umfeld des Spieles gab es keine größeren Probleme. Düsseldorfer Ultras beschädigten zwar einen Zaun hinter dem Tor. Gravierendere Auseinandersetzungen oder ein größeres polizeiliches Einschreiten blieben jedoch aus, so dass der Sicherheitsbeauftragte Rüdiger Porsch zufrieden sein konnte. Die vielen positiven Rückmeldungen von Fortuna-Fanseite, wie angenehm es rund um das Stadion gewesen sei, dürften beim FC 08 zudem erfreut zur Kenntnis genommen worden sein.

Ausrufezeichen: Etliche der Villinger Spieler konnten die große Bühne für sich nutzen und Ausrufezeichen setzen – darunter auch mehrere Neuzugänge: Das begann bei Torhüter Andrea Hoxha, dem Düsseldorfs Rouwen Hennings ein schriftliches Extra-Lob zukommen ließ („Gut gemacht, Junge!“) und endete beim Elfmeter-Torschützen Steven Ukoh, der nicht nur auf dem Feld, sondern auch bei den Interviews danach überzeugte. Die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) widmete Ukoh gestern gar eine Geschichte. Ukoh wird in der NZZ zitiert, er habe sich das „Projekt“ Villingen vor seiner Zusage mehrmals angeschaut und dann gedacht: „Doch, da entsteht etwas.“ Auch das wird man auf Seiten des FC 08 gerne lesen.

Schalter umlegen: Um sportlich in Villingen weiter etwas entstehen zu lassen, muss die Mannschaft nun den Hebel wieder Richtung Alltag umlegen – und mehrere Verletzte kompensieren. Vorläufig weiter nicht verfügbar sind der Rot-gesperrte Mauro Chiurazzi, dessen Strafmaß noch nicht feststeht, Kapitän Benedikt Haibt, der mit seinem Muskelfaserriss wohl noch drei Wochen pausieren muss, Stjepan Geng, der in zwei Wochen wieder ins Training einsteigen soll, und Nico Tadic, der wohl im September wieder gegen den Ball treten wird. Weitere Verletzte sind seit Samstag nicht zu beklagen – außer einer gewissen Erschöpfung bei zahlreichen Akteuren wie etwa „Dauerläufer“ Damian Kaminski. Tobias Weißhaar darf laut DFB-Statuten nach seiner Roten Karte vom Samstag in den nächsten Punktspielen wieder auflaufen.

Rotation? Bereits am Mittwoch steht das nächste Pflichtspiel für den FC 08 auf dem Programm – im Südbadischen Pokal geht es für den Titelverteidiger zum Bezirksligisten FC Hochemmingen (Anpfiff: 18.30 Uhr). Erwartungen, die Nullachter würden nun fast allen „Pokal-Helden“ eine Ruhepause gönnen, erteilt Arash Yahyaijan eine Absage: „Natürlich wird es die eine oder andere Veränderung geben. Ich denke aber, dass Jago Maric mehrheitlich auf die Spieler setzt, die auch am Samstag gespielt haben.“ Man nehme die Hochemminger um Ex-Nullachter Mario Maus als Trainer durchaus ernst. Yahyaijan: „Im Prinzip befinden sich die Hochemminger gegen uns in einer ähnlichen Lage wie wir gegen Düsseldorf. Wir wollen die Aufgabe aber eleganter lösen.“ Der Sieger dieser Partie trifft in der 2. Hauptrunde auf den Verbandsligisten SC Pfullendorf.