Eishockey: „Klein“, sagt er laut lachend. Womit er erstens weitgehend richtig liegt und zweitens nicht sonderlich alleine mit seiner Antwort dasteht. Eine Großstadt ist Schwenningen nun wirklich nicht. Das hat auch Lennart Palausch innerhalb kurzer Zeit erkannt und fühlt sich dennoch oder gerade deshalb an seiner neuen Wirkungsstätte absolut wohl. „Ich bin hier super aufgenommen worden und finde mich gut zurecht“, erklärt der Neuzugang der Wild Wings. „Schwenningen ist zwar klein, aber eben auch gemütlich und ruhig. Das ist eine schöne Sache. Wenn man ein bisschen rumfährt, fühlt man sich fast wie im Urlaub.“ Ein bisschen rumgefahren ist der Stürmer auch schon, denn die Mama wohnt in der Nähe von Freiburg und da kann man sich prima auf halber Strecke im Schwarzwald treffen.

Ein hilfreicher Umstand beim Einleben war für den 22-Jährigen, dass bereits mehrere gute Bekannte im Schwenninger Team stehen. Etliche der jüngeren Spieler waren gemeinsam bei den Jungadlern Mannheim aktiv. Mit Marcel Kurth gibt es sogar einen sehr guten Bekannten, der praktischerweise in Trossingen auch noch im gleichen Haus lebt.

Praktisch ist die Wohngemeinschaft nicht nur für die Freundschaft, sondern auch für den Nebenjob, den die beiden Eishockeyprofis haben. Tatsächlich sind Lennart Palausch und Marcel Kurth nämlich Firmenbesitzer. Mit ihrem kleinen Betrieb vertreiben die beiden über das Internet Hygiene-Artikel für Arztpraxen. Vor anderthalb Jahren hatten sich die Kumpels überlegt, was sie außer Eishockey spielen noch machen könnten, um sich vielleicht schon für die Zukunft ein Standbein aufzubauen. Da kam der Vater von Lennart Palausch gerade recht und auf sie zu. Selbst Arzt, erklärte er den beiden, wie die Bestellung dieser Artikel in seiner Praxis abläuft und dass es doch prima wäre, dies alles bei einer Firma bestellen zu können. Palausch: „Wir hatten durch den Sport auch den Kontakt zu anderen Ärzten oder Zahnärzten (lacht) und sind auf diese zugegangen. Das läuft aber im Moment nebenbei und es beansprucht noch nicht so viel Zeit. Es ist mehr ein Grundstein für später.“ Firmenbesitz lässt sich demnach gut mit einer Karriere als Eishockey-Profi vereinbaren.

Eine Karriere, die im Falle von Lennart Palausch bei den Jungadlern Mannheim begann. Er ist in Bremerhaven geboren, dann mit seinen Eltern nach Ingolstadt umgezogen, bevor man schließlich in Mannheim landete. Dort wurde neben dem Fußball auch Eishockey plötzlich attraktiv. Seither war er für die Kurpfälzer am Puck, mit einem halbjährigen Abstecher in die nordamerikanische Juniorenliga zu den Aberdeen Wings.

Gespielt hat Palausch in Deutschland bis vergangene Saison vorwiegend in der zweiten Liga, war ausgeliehen zunächst an die Heilbronner Falken und dann an die Kassel Huskies. Neben den 13 DEL-Einsätzen für die Adler durfte er sich letzte Saison auch über den Meistertitel in der DEL 2 mit den Huskies freuen. Nun soll Schwenningen Sprungbrett für den nächsten Schritt werden. Einen Schritt, den er mit einer gesunden Portion Realismus angeht. „Mein erstes Ziel ist, dass ich in Schwenningen bleiben kann“, sagt der Linksschütze, der auch eine Förderlizenz für den Kooperationspartner Freiburg besitzt. „Ich will mich hier etablieren und meine Eiszeit so gut wie möglich nutzen.“

Über zu wenig Eiszeit konnte er sich in den Vorbereitungsspielen nicht beklagen und genutzt hat er sie zu guten Teilen bisher auch, obwohl das Sommertraining bei ihm etwas kürzer ausgefallen ist als bei den Kollegen. Am Ende der vergangenen Saison hatte sich Lennart Palausch einen Riss des Syndesmosebandes zugezogen und verbrachte damit einen Teil des Frühsommers auf Krücken. Da ist viel Eiszeit im Moment hilfreich und besonders auch die drei Spiele beim Turnier in der Schweiz vergangene Woche. „Diese Spiele waren schon anders als davor gegen die Zweitligisten. Wir haben aber sehr gut mitgespielt und sind ein gutes Stück vorangekommen“, findet Lennart Palausch. Auch was den Teamzusammenhalt angeht, waren die Tage in Yverdon wertvoll. „Wir haben die Zeit dort gut genutzt, um noch mehr zusammenzuwachsen. Wir haben im Hotel viel Minigolf gespielt, das war echt spaßig“, erzählt er lachend.

Ein gutes Verständnis untereinander hilft vor allem den jüngeren Spielern, besonders dann, wenn man in der Deutschen Eishockey Liga erst ankommen muss. „Im Vergleich mit der zweiten Liga ist die DEL schon schneller. Gar nicht mal unbedingt vom Läuferischen her, aber die Pässe sind schneller und genauer und da muss man eben auch im Kopf schneller sein“, weiß der Mann mit der Rückennummer elf.

Am Spiel mit Köpfchen arbeiten die Schwenninger im Moment genauso intensiv wie am Zweikampfverhalten. Einiges im Eishockey lässt sich aber nur durch Erfahrung lernen. Hilfe von den älteren Teamkollegen und Trainern tut in dieser Hinsicht das Übrige. „Ich habe mich von Spiel zu Spiel gesteigert und hoffe, dass es so weitergeht“, sagt Lennart Palausch. Was dann vielleicht dazu führt, dass er in der kleinen Stadt bleiben darf.

Lennart Palausch

Geboren: 27. August 1994 in Bremerhaven

Größe: 184 cm

Gewicht: 92 kg

Schießt: links

Status: Single

Bisherige Vereine: 2007 bis 2013 Jungadler Mannheim. 2013 bis 2014 Aberdeen Wings (USA); 2014 bis 2016 Adler Mannheim (ausgeliehen an Heilbronner Falken und Kassel Huskies).