Handball: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im bisherigen WM-Verlauf für eine große Euphorie gesorgt. Mit dem Spiel gegen Island beginnt am heutigen Samstag in Köln die Hauptrunde. Der SÜDKURIER sprach mit Handballern aus der Region.

"Das bisherige Abschneiden entspricht meinen Erwartungen. Wir sind nicht der Top-Favorit, aber auch nicht chancenlos. Wenn wir Island bezwingen, wird die Partie gegen Spanien zum Schlüsselspiel. Ich traue uns das Halbfinale zu", sagt Stephan Lermer, aktiver Spieler beim Landesligisten TV St. Georgen. Lermer hat bisher die Spiele der Gruppe B in München live verfolgt. "Spanien hat einen nicht ganz so starken Eindruck hinterlassen. Kroatien hingegen ist eine Macht", so Lermer, der in Köln die Partie gegen Island live verfolgen wird. Für den Amateurbereich sieht Lermer seine große Chance. "Wir hatten schon 2007 beim WM-Gewinn einen riesigen Hype mit vielen Jungs, die sich für Handball interessiert haben. Den Aufschwung könnte es erneut geben."

Seit 45 Jahren ist der St. Georgener Alfred Welpe aktiver Handball-Schiedsrichter und verfolgt die WM intensiv. "Trainer, Spieler und Fans haben ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, von dem die Mannschaft getragen wird. Alle schwimmen auf einer Welle der Euphorie. Ich bin mir sicher, dass sich die Deutschen weiter steigern werden. Das Halbfinale ist möglich", sagt Welpe. Er bescheinigt zudem den Fans in der Halle viel Sachverstand. "Da sind viele Experten dabei, die auch einmal einen Fehler verzeihen. Die Mannschaft strahlt etwas aus, was beeindruckend ist. Da geht sicherlich noch viel mehr."

Aus der Sicht von Reinhold Kocher, Trainer des Bezirksligisten TG Schwenningen, machen die Deutschen bisher "einen Bombenjob". Kocher weiter: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hauptrunde schon die Endstation darstellen wird. Wir werden die Deutschen auch in Hamburg bei den Halbfinalpartien sehen." In der Form seines Lebens sieht Kocher den Spieler Martin Strobel vom Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten. "Der Junge spielt überragend." Kocher glaubt zudem, dass die tollen Zuschauerkulissen bei den Spielen der deutschen Mannschaft einen zusätzlichen Schub verleihen. Gleichzeitig hofft er, dass sich in Zukunft wieder mehr Kinder für den Handballsport begeistern.

Diesbezüglich ist sich Marcel Kanter, Handball-Abteilungsleiter des TSC Blumberg, nicht ganz sicher. "Es wäre natürlich schön, wenn unser Sport auch an der Basis von der Begeisterung profitiert", sagt Kanter. Die Blumberger betreiben eine intensive Jugendarbeit, verlieren aber immer wieder viele junge Spieler an höherklassige Vereine. Für Kanter ist in der Hauptrunde "alles möglich". Mit drei Punkten habe das deutsche Team eine gute Basis. "Das Halbfinale ist machbar. Wer gegen den Weltmeister einen Punkt holt, kann auch gegen die anderen Teams bestehen. Da werden die Zuschauer mithelfen. Anders als in anderen Sportarten ist der Heimvorteil im Handball enorm wichtig."

Die mannschaftliche Geschlossenheit hebt Florian Person, früher Handballer in Donaueschingen und jetzt Vorstandsmitglied beim HSV Donaueschingen, hervor. "In der Konstellation ist sicherlich noch einiges möglich, auf jeden Fall das Halbfinale. Ich habe zwar nicht die Spiele in den anderen Gruppen verfolgt, doch mit unserer kompakten Abwehr müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken", betont Person. Für ihn hinterlässt Nationalspieler Steffen Weinhold "einen bisher hervorragenden Eindruck" und auch Martin Strobel "macht seine Sache sehr ordentlich".