Eishockey: Es gibt Anlässe – und seien sie noch so banal oder vom Zufall geprägt – die verändern ein ganzes Leben. Als Ilya Sharipov in seinem Geburtsland Russland mit dem Eishockey begann, spielte er zunächst als Verteidiger. Erst ein ganz spezieller Wunsch sorgte dafür, dass er zwischen die Pfosten landete. „Ich fand die Masken der Torhüter viel cooler als die normalen Helme. Mit der Möglichkeit, diese individuell zu bemalen und dadurch einzigartig zu machen“, erinnert sich die neue Nummer zwei der Wild Wings. Einmal auf den Geschmack gekommen, wollte er diesen Platz nicht mehr räumen und entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der Besten seines Fachs in der DEL2. Nun will Sharipov in Schwenningen den nächsten Schritt auf seiner Karriereleiter machen.

„Für jeden jungen Spieler muss es das Ziel sein, in der höchsten Liga zu spielen“, macht der inzwischen 24-Jährige deutlich. Egal in welcher Sportart, egal ob auf dem Feld oder eben im Tor. Doch zunächst einmal zurück zu seiner eigenen Geschichte, die ihn wiederum aus einem ganz anderen Grund in ein Land führte, dass fortan seine neue Heimat werden sollte. „Meine Mutter ging zwei Jahre zuvor nach Freiburg, sie wollte ich besuchen und mir das Leben in Deutschland einfach mal anschauen“, erzählt Ilya Sharipov. Ohne die Sprache zu können, ohne einen wirklichen Plan. Doch er blieb im Breisgau hängen, spielte fortan beim EHC in der Schüler-Bundesliga und bekam daraufhin Angebote von anderen Vereinen. „Zu der Zeit hatte ich allerdings noch keinen deutschen Pass, weshalb sich so manches Gespräch schnell wieder erledigt hatte“, so der Goalie rückblickend. Nur den Eisbären-Juniors aus Berlin war dies egal, sie holten Ilya Sharipov trotzdem an die Spree und dort schaffte er schnell den Sprung in die DNL-Mannschaft.

Nach vier Jahren in der Hauptstadt folgte der Wechsel an die Akademie von Red Bull nach Salzburg, das Team dort spielte zu der Zeit in der russischen Juniorenliga. Im Anschluss daran ein absolutes Highlight für den Torhüter, der inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft (Ilya Sharipov: „Ob dafür noch Berlin oder aber der DEB verantwortlich war, weiß ich gar nicht so genau“) in der Tasche hatte. Auf jeden Fall wurde er für die U20-WM in Kanada nominiert. Und obwohl die Mannschaft nach der verlorenen Relegation gegen die Schweiz am Ende absteigen musste, wird dieses Turnier für immer in seiner Erinnerung bleiben.

„Eigentlich wäre ich danach gerne noch ein Jahr in Salzburg geblieben, doch meldeten sie ihr Team aus der MHL ab“, erinnert sich Ilya Sharipov. Also unterschrieb es einen Vertrag in München. „Dass ich dort aber keine Chance auf einen Einsatz erhalten werde, stand eigentlich von vornherein fest“, gab er sich schon damals keinen Illusionen hin. Mit Danny aus den Birken, David Leggio und Lukas Lang hatte er gleich drei Konkurrenten vor der Nase, er selbst wurde zum Kooperationspartner nach Riessersee „verfrachtet“. An diese zwei Spielzeiten hat er jedoch keine allzu guten Erinnerungen. „Gerade in der zweiten Saison habe ich gute Leistungen gezeigt, dennoch nur wenige Einsätze bekommen“, ärgert er sich noch heute.

Der Abflug von der Zugspitze war also kein Ding, das ihm aus Kummer schlaflose Nächte bereitete. Dennoch konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass es die bis zu diesem Zeitpunkt beste Entscheidung seiner bisherigen sportlichen Karriere war. Weil er bei seinem neuen Arbeitgeber gleich zwei für ihn einschlägige Erlebnisse hatte. Zum einen gewann er auf Anhieb mit Bietigheim die Meisterschaft in der DEL2. Zum anderen traf er dort auf einen Torhüter-Kollegen, der bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterließ. „Mit Silo Martinovic habe ich mich toll verstanden. Auf dem Eis haben wir uns gegenseitig gepusht, obwohl wir Konkurrenten waren. Er hat mir durch seine Erfahrung viel mit auf den Weg gegeben, ist auch sonst ein ganz feiner Mensch“, lässt der Neu-Schwenninger auf den Ex-Schwenninger nichts kommen.

Auf ein solch gutes Verhältnis hofft er natürlich auch bei den Wild Wings. „Ich habe Dustin Strahlmeier zwar noch nicht persönlich kennengelernt. Auch ist mir klar, dass er die klare Nummer eins ist. Doch werde ich jeden Tag alles geben und auf meine Chance warten“, so Ilya Sharipov. Mit Goalie-Coach Ilpo Kauhanen dagegen hat er bereits mehrfach telefoniert und freut sich schon jetzt darauf, wenn die Einheiten auf dem Eis endlich losgehen. „Allein die Tatsache, dass es hier einen solchen Torwart-Trainer gibt, war für mich ein wichtiger Grund. Und wenn der auch noch einer der Besten ist, wird mich dies enorm weiterbringen“, erklärt er.

Der Start mit den ersten Wochen verlief für Ilya Sharipov jedenfalls optimal, er wurde sehr gut aufgenommen. „Viele von uns sind in einem ähnlichen Alter, wir unternehmen auch außerhalb des Trainings einiges gemeinsam“, erzählt er. Dennoch habe es ihm geholfen, dass er mit Kai Herpich beispielsweise in Riessersee zusammengespielt hatte. „Das ist noch einmal etwas anderes, da verbringt man mehr Zeit miteinander. Die anderen kannte ich zwar zum Teil, aber immer nur als Gegner“, sagt Ilya Sharipov. Das jedoch hat sich nun gewandelt.