Basketball: Noch 40 Spielminuten trennen die wiha.Panthers von der Verteidigung des Meistertitels in der Regionalliga Südwest. In Fellbach wollen die Schwenninger am heutigen Samstag ihr Meisterstück machen. Kaum jemand zweifelt daran, dass es auch so kommen wird.

Anders als im vergangenen Jahr, als den Schwenningern die Zulassung zur 2. Basketball-Bundesliga Liga Pro B aufgrund eines Formfehlers bei der Lizenzbeantragung versagt wurde, soll jetzt der Sprung in Deutschlands dritthöchste Spielklasse gelingen. Schon einmal, in der Saison 2010/11, spielten die Panthers in Pro B. Einer der bisher größten Erfolge in der Vereinsgeschichte könnte egalisiert werden und wäre möglicherweise nur ein Zwischenschritt in noch höhere Sphären. Mit dabei war auch schon damals Trainer Alen Velcic, der wie kein anderer für den Erfolg der Schwenninger Basketballer in den vergangenen zwei Jahrzehnten steht.

Rückblick: Vor 20 Jahren, an einem Sommertag im Jahr 1997, saßen der aktuelle Panthers-Trainer Alen Velcic und der Autor dieser Zeilen in der Villinger Friedensschule auf einer Treppe zum Schulhof. „Ich möchte in Villingen-Schwenningen den Basketballsport im ganz großen Stil aufbauen“, sagte der damals 27-jährige. Zu diesem Zeitpunkt war Velcic dabei, eine Mannschaft für die Kreisliga B zusammenzustellen. Es gehörte einige Fantasie dazu, seinen Worten Glauben zu schenken. Schließlich befand sich sein Team (noch) in der untersten Spielklasse. Unter dem Namen KGJ (Klub Gradjana Jugoslawije) Schwenningen startete die von Velcic zusammengestellte Mannschaft.

Basketball in der Doppelstadt war zuvor in erster Linie unter dem Dach der DJK Villingen beheimatet. Da begann auch der in Villingen gebürtige Velcic, der später zum Studium nach Trier ging und sich dort mit dem Basketball-Virus infizierte. Bei der damaligen TVG Trier durfte er auch in einigen Bundesliga-Spielen ran. „Meist war ich aber in der zweiten Mannschaft aktiv. Das Etikett Bundesligaspieler kann mir dennoch keiner nehmen“, sagt der heutige Geschäftsführer in einem Mobilfunk-Fachhandel.

Zurück im Schwarzwald schaltete Velcic einige Gänge höher, um seine Vision zu erfüllen. Immer wieder lagen Stolpersteine im Weg, die der Coach wegräumen musste und manchmal auch wegen seiner etwas explosiven Art bei Funktionären oder städtischen Institutionen aneckte. „Ich wurde oftmals als Träumer abgetan.“ Velcic ließ sich aber weder stoppen noch beeindrucken und verfolgte sein Ziel. Liga für Liga ging es nach oben, wobei er in dem inzwischen verstorbenen Novica Petrovic den passenden Mitstreiter fand. Petrovic und Velcic funkten auf einer Wellenlänge und der Erfolg gab ihnen Recht. In der Zeit zwischen Kreisliga B, Kreisliga A und Bezirksliga gelangen den Schwenningern einmal 54 Siege am Stück.

Im Jahr 2004 spielte die KGJ in der Regionalliga. Anfangs noch in der Alleensporthalle und später in der Deutenberghalle wuchs auch die Zuschauerzahl immer mehr an. Erfolgreich waren die Basketballer nicht nur im Punktspielbetrieb, auch im Pokal machten sie sich schnell einen Namen. Der 4. November 2004 bleibt bei Velcic verankert. „Wir hatten im deutschen Pokal zwei Teams aus der 2. Bundesliga geschlagen. Dann kam Bundesligist Würzburg zu uns. Ein unvergesslicher Höhepunkt in einer proppenvollen Halle an einem Mittwochabend“, plaudert der 47-Jährige rückblickend.

Zwischenzeitlich hatte die KGJ finanzielle Sorgen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, wurde der Basketballverein VS gegründet. In dieser Phase geschah dann, was keiner zuvor für möglich gehalten hatte. Der Trainer erhielt von der Vereinsführung die Kündigung. „Ich war offenbar einigen zu unbequem geworden. Am 6. März 2006 war ich raus.“ Ein schwerer Schlag für den Trainer, der zwischenzeitlich viele Spieler in die Doppelstadt gelockt hatte und zugleich auch mehrere Sponsoren akquirierte. Velcic hatte sein „Baby“ verloren, fand aber schnell bei anderen Vereinen eine neue Heimat.

Auch ohne Velcic lief hochklassiger Basketballsport in der Doppelstadt zunächst weiter. Allerdings nicht lange. Im letzten Spiel der 1. Regionalliga gegen Trier saßen im März 2012 noch 50 Fans in der Halle. Bald wurde der Ruf nach dem wieder laut, der die Begeisterung einst ins Rollen gebracht hatte. Velcic zierte sich zunächst, „doch irgendwann hatte ich wieder Bock darauf“. Der Trainer und Macher fand neue Mitstreiter, Frank Singer an erster Stelle. „Wir mussten damals viel Scherben zusammenkehren. Aber wir haben es getan“, blickt der Familienvater heute zurück.

Mit Velcic kam der Erfolg zurück. Viel spricht dafür, dass in der kommenden Saison Profi-Basketball in der Deutenberghalle zu sehen ist. Zwölf Monate später als eigentlich geplant. Damals waren die Panthers nah dran und wollten zugleich noch die Ausländerreglung in der 2. Basketball-Bundesliga kippen. Ein Vorpreschen, das im Nachhinein bedauert wurde. Heute ist man geläutert: „Wir akzeptieren die Bedingungen der 2. Bundesliga. Da die Zahl der Ausländer weiter begrenzt wurde, heißt das für uns, dass wir im Falle eines Aufstiegs eine nahezu komplett neue Mannschaft zusammenstellen müssen“, macht Velcic deutlich.

Neun Meisterschaften und zweimal Sieger im Landespokal – die Erfolgsbilanz des Trainers ist in den vergangenen Jahren beeindruckend gewachsen. Nun steht Velcic vor Meisterschaft Nummer zehn. Ein Titel, der durch den Nackenschlag in der vergangenen Saison einen hohen Stellenwert hätte.

Wie am ersten Tag identifiziert sich Velcic mit dem Verein, auch wenn er zwischenzeitlich viele Dinge gelassener sieht. Er hat Basketball in Villingen-Schwenningen hin zum professionellen Sport entscheidend vorangebracht und weitere Ziele. „Wer keine Ziele hat und träumt, der verpasst das Beste im Leben.“ Ein Bundesliga-Spiel in der Helios Arena gehört zu seinen dazu, genauso wie möglicherweise ein Angriff auf die Liga Pro A. Ziele, die manch einer für unrealistisch halten möge. Doch auch im Sommer 1997 klangen die Ambitionen wie aus einer anderen Welt. Sie bewahrheiteten sich dennoch.

Finale in Fellbach

REWE Aupperle Fellbach – Wiha Panthers VS (Samstag, 20 Uhr). (ms) Seit 25 Spielen sind die Panthers unbesiegt. Diese Serie darf am letzten Spieltag nicht reißen. "Wenn wir dieses Spiel nicht gewinnen, haben wir die Meisterschaft auch nicht verdient", bringt es Coach Alen Velcic auf den Punkt und ergänzt: "Wir wissen, worum es geht. Von Nervosität ist bei den Jungs keine Spur." Die mentale Müdigkeit sei der Vorfreude gewichen. "Es herrscht eine große Euphorie. Die Jungs freuen sich wie kleine Kinder auf Weihnachten."

Im Training habe sich der Tabellenführer laut Velcic "intensiv vorbereitet". Sergey Tsvetkov, der in der Vorwoche gegen Kronberg umknickte, ist schneller als gedacht wieder fit und wird am Samstag spielen. Um seinen Ausfall im Training aufzufangen, reaktivierte Velcic mit Samba Thiam einen Spieler, der vor zwölf Monaten in der Meistermannschaft stand. "Samba ist fit. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er uns geholfen hat", so Velcic.

Die vom ehemaligen Tübinger Co-Trainer Jens Leutenecker trainierten Fellbacher werden die Saison definitiv auf dem siebten Tabellenplatz beenden. Velcic: "Sie sind sehr variabel, taktisch gut eingestellt und haben gute Schützen. Wir haben jedoch einen Größenvorteil. Wenn wir dieses Spiel intensiv angehen, stehen die Chancen gut, dass wir am Samstag um 22 Uhr Meister sind." Rund 100 Fans werden die Panthers begleiten.

Für das Spiel wurde Anfang der Woche ein großer Bus für die Fans und die Mannschaft organisiert. Die Tickets für den Bus waren schnell ausverkauft. Abfahrt ist am Samstag um 16.30 Uhr am Villinger Bahnhof. Da auch Panthers-Fans mit dem eigenen Auto nach Fellbach fahren werden, rechnen die die Verantwortlichen der Schwenninger mit rund 100 Fans, die in der Halle mit Trommler „Manolo“ und seinem Team für lautstarke Stimmung sorgen wollen. „Für die Jungs ist das natürlich toll. Wenn es eng wird, können die Fans den Ausschlag geben“, so Velcic. Sollte es mit dem Titelgewinn klappen, wollen die Basketballer direkt von Stuttgart in die Villinger Färberstraße zur Titelsause fahren. Gespielt wird in der Gäuäckersporthalle 1, Bühlstrasse 141, in Fellbach.