Eishockey: Es ist genau sein Ding. Und deshalb freute sich Daniel Pfaffengut diebisch darauf. „Als Jugendlicher habe ich geboxt, da sollte noch einiges übrig sein“, so der Neuzugang der Wild Wings. Und riet seinen Mannschaftskameraden schon mal schmunzelnd, sich warm anzuziehen. Schwenningens Athletiktrainer Hendrik Kolbert hatte mit Jurij Lukac, Inhaber und Trainer von Olymp Gym, einem Spezialisten für Fitness, Bodyforming, Workout und eben Boxen für die Sommervorbereitung drei ganz spezielle Einheiten ausgemacht. Allerdings musste sich Daniel Pfaffengut etwas gedulden, denn in der ersten Session ging es in einem Zirkel mit 15 Stationen und Intervallen von langen zwei Minuten rein um Kraftausdauer. Handschuhe, Ring oder Box-Säcke spielten noch keine Rolle, kamen erst später zum Einsatz.

Der Stürmer wird es verkraftet haben. Sich erneut in Geduld zu üben und auf die richtige Gelegenheit zu warten. Darin hat er Übung, gerade was seine Eishockey-Karriere betrifft. In Kaufbeuren geboren, aufgewachsen und von der Jugend bis zu den Profis dort gespielt, war sein Ziel dennoch immer die höchste Liga. 2016 folgte der Wechsel nach Ravensburg, wodurch er für sich selbst die besseren Chancen sah. „Auch wenn es mir schwer fiel, aber in Kaufbeuren lief es zu der Zeit nicht besonders gut. Wir spielten gegen den Abstieg, keiner wusste wirklich wie es dort weitergeht“, erinnert sich Daniel Pfaffengut. Umso mehr freut es ihn, dass es spätestens mit einer Art Neuausrichtung sowie dem Umzug ins neue Stadion wieder so richtig gut läuft.

Ganz im Gegensatz zum ersten Jahr des Stürmers in Oberschwaben. „Zwar zeigten schon hier einige Clubs aus der DEL Interesse an mir, doch hatte ich mich zum Ende der Saison verletzt und war noch nicht bereit für diesen Schritt“, erzählt Daniel Pfaffengut. In der darauffolgenden Runde lief es für ihn persönlich zwar deutlich besser, „da aber sind wir als Mannschaft früh in den Playoffs gescheitert“, berichtet er. Und sah damit seine Mission in Liga zwei noch längst nicht als erfüllt an. Erst jetzt, mit dem Gewinn der Meisterschaft, kann er guten Gewissens einen Strich drunter ziehen.

Dennoch ist dieser Titel natürlich das herausragende sportliche Ereignis in seiner bisherigen Karriere. „Davon habe ich geträumt. Und mir dabei ausgemalt, wie denn der Augenblick aussehen könnte“, erzählt der 23-Jährige. Immer und immer wieder lief ein Film vor seinem geistigen Auge ab: die Schluss-Sirene ertönt, er wirft Schläger und Handschuhe von sich und taucht in die jubelnde Traube seiner Mitspieler ein. Doch meistens kommt es anders als in den Vorstellungen. „Vielleicht war unser Sieg gegen Frankfurt in Spiel sechs zu deutlich“, so Daniel Pfaffengut. Also konnten sich die Spieler länger auf das finale Szenario vorbereiten, als wenn es Spitz auf Knopf zugeht und sich die ganzen Emotionen von einer Sekunde auf die andere entladen.

Gefeiert wurde dennoch. Und wie. Sowohl direkt im Anschluss auf dem Eis, dann in der Kabine und später bei einem dreitägigen Trip mit fast dem kompletten Team nach Barcelona. „Alles, was dort passiert ist, bleibt auch dort“, sagt er geheimnisvoll mit einem breiten Grinsen. Was er hingegen verrät: „Der Empfang der Stadt, bei dem wir uns ins Goldene Buch eintragen durften, fand auf dem Marienplatz statt. Dort steht auch das Rathaus, in dem meine Frau Mona und ich vor einem Jahr geheiratet haben.“ Übrigens mit einem Trauzeugen namens Max Hadraschek. Doch mit der Erzählung von seiner Eheschließung und damit dem für ihn wichtigsten Erlebnis überhaupt will er auch tatsächlich das Kapitel Ravensburg schließen.

Denn es gilt, sich nun voll und ganz auf die Wild Wings zu konzentrieren. „Ich fühle mich schon jetzt extrem wohl hier. Wir haben gerade mit den deutschen Spielern, die bereits hier sind, eine tolle Trainingsgruppe“, schildert Daniel Pfaffengut seine ersten Eindrücke. Dafür nimmt er auch gerne jeden Tag eine längere Anreise in Kauf. „Als mein Wechsel feststand, haben wir uns selbst um eine Wohnung gekümmert“, erzählt er. Also zogen Daniel, Mona und Hund Tyler in den Landkreis Tuttlingen. „Ich bin extrem dankbar, dass meine Frau das Leben, das ich führe, mitmacht. Dies bedeutet nämlich eine gewisse Flexibilität. Dennoch ist sie eigenständig, hat einen guten Job. Diese beiden Dinge sind mindestens genauso wichtig“, stellt er unumwunden klar. Und da war dieser Ortswechsel die praktikabelste Lösung. So ganz nebenbei ist es für den Vierbeiner nahezu ein Paradies. Raus aus der Tür und ab in die freie Natur.

Dass er sich in Schwenningen durchsetzen will, steht für Daniel Pfaffengut außer Frage. Und bringt dazu das nötige Selbstvertrauen mit. „Ich sehe meine Art zu spielen, nämlich sehr körperbetont, vielleicht sogar als besser geeignet für die DEL an“, so seine eigene Einschätzung. Dies sei ihm darüber hinaus von außen immer wieder gesagt worden. Dennoch sei er sich bewusst, dass er jeden Tag hart an sich arbeiten müsse. Um den Anforderungen seines Trainers Paul Thompson gerecht zu werden. „Er war erst kürzlich für einige Tage in Schwenningen. Da haben wir uns intensiv darüber unterhalten, wie er meine Rolle im Team sieht und was er von mir erwartet“, erzähl er. Sprach‘s und machte sich von dannen, um sich auf das Box-Sparring vorzubereiten. Schließlich hatte er den Mund ganz schon voll genommen.