Eishockey: Der Mann verbreitet auf Anhieb gute Laune. Wann immer Andreas Thuresson sich im beliebten Frage-Antwort-Spiel äußert, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Dieses sonnige Gemüt hat dem Neuzugang der Schwenninger Wild Wings schon auf allen Stationen seiner Laufbahn viele Freunde beschert. Aber der 31-Jährige kann auch anders. Wenn er auf dem Eis steht, zählen nur Erfolg – und möglichst viele Tore. Schließlich ist Thuresson Stürmer mit einer großen Erfahrung aus zahlreichen Ligen, ein Profi, der nun erstmals seine Zelte in Deutschland aufgeschlagen hat. „Vom deutschen Eishockey weiß ich noch nicht sehr viel. Ich habe einige Spiele von Red Bull München gesehen, mehr aber nicht. Es wird sicherlich eine interessante Erfahrung, in die DEL reinzuschnuppern“, plaudert der Schwede.

Für zwei Jahre hat Thuresson bei den Wild Wings unterschrieben. „Ich habe in den vergangenen Jahren oft Vereine und Länder gewechselt. Jetzt stelle ich mich auf zwei Jahre in Deutschland ein und denke, ich habe eine gute Chance, hier mein Können zu zeigen.“ Durch seinen Sport hat der Schwede in den vergangenen Jahren viel von der Welt gesehen. Neben zahlreichen Engagements in den nordamerikanischen Profiligen NHL und AHL führte ihn der Weg bis nach Sibirien, wo er für Sibir Novosibirsk in der russischen KHL die Schläger kreuzte und weite Reisen bis nach China führten. „Touristisch war das sicherlich interessant, sportlich aber nicht. In China haben wir manchmal vor 400 Zuschauern gespielt.“

Andreas Thuresson erblickte in Süd-Schweden das Licht der Welt. In Malmö startete er schließlich bei den Redhawks seine Laufbahn. Malmös bekanntesten Sportler, den Fußballer Zlatan Ibrahimovic, lernte er aber nie kennen. „Ich habe mich eigentlich nie so richtig für Fußball interessiert. Für mich zählte immer nur Eishockey“, erläutert der Rechtsschütze und verblüfft sogar mit einem Satz in deutscher Sprache. „Ich liebe Eishockey.“ Drei Jahre hat der 96 Kilogramm schwere Schwede in der Schule die deutsche Sprache gelernt. „Viel ist nicht hängen geblieben. Aber wenn ich jeden Tag deutsche Wörter höre, komme ich vielleicht schnell wieder rein.“

Seit dem vergangenen Sonntag weilt Thuresson im Schwarzwald. In Donaueschingen hat er eine Wohnung gefunden. Hier lebt er allein, denn seine Frau und die zwei Jungs sind in den Vereinigten Staaten geblieben. „Das ist erst mal die beste Lösung. Die Jungs gehen weiterhin in Florida zur Schule.“ Wann die Familie ihn besuchen wird, ist noch offen, aber immerhin fest eingeplant. Zunächst gibt es tägliche Anrufe zwischen den USA und Deutschland.

Die beiden Söhne sind sogar ein Grund, warum Thuresson, der 296 Spiele in der American Hockey League auf dem Buckel hat, bei den Wild Wings nach der Rückennummer 36 griff. „Auf meinen bisherigen Stationen habe ich oft die Zwölf gewählt. Ich habe mich jetzt für die 36 entschieden, weil einer meiner Jungs am dritten und der andere am sechsten eines Monats geboren wurden. So habe ich die Jungs immer gedanklich auf dem Rücken.“

Weil Andreas Thuresson erst am vergangenen Sonntag eintraf, hat er noch nichts von der Region gesehen. Auch in Donaueschingen reichte die Zeit noch nicht für einen Stadtspaziergang. Der Schwede kennt somit bislang nur die Straßenverbindung zwischen Schwenningen und Donaueschingen, was sich aber in absehbarer Zeit ändern dürfte, denn ein paar Insider-Tipps der neuen Teamkameraden gab es bereits. Immerhin weiß der passionierte Golfspieler Thuresson bereits, dass es in unmittelbarer Nachbarschaft von Donaueschingen einen erstklassigen Golfplatz gibt.

Zunächst einmal fließt jedoch der Schweiß in der Vorbereitung. Gern würde Thuresson schon jetzt wieder um Punkte spielen, doch er weiß aus seinen zahlreichen Stationen, wie wichtig eine ordentliche Vorbereitung ist. Noch kennt er nicht alle neuen Mitspieler, zumal am vergangenen Montag einige zu medizinischen Untersuchungen in Freiburg waren. „Auf dem Papier haben wir sicherlich eine gute Mannschaft. Das sollte auch in einer ordentlichen Platzierung zum Ausdruck kommen.“ Das Wort „Play-off“ spricht er nicht aus, doch ein besserer Tabellenrang als in der vergangenen Runde sollte schon herausspringen. „Ich habe gehört, dass die Schwenninger mit die besten Fans der Liga haben. Das muss uns antreiben. Ich möchte hier den maximalen Erfolg.“

Mit dem Schwenninger Chefcoach Paul Thompson hat Thuresson in den ersten Stunden schon einige „interessante Gespräche“ geführt. Ihn will er schnell von seinem Können beeindrucken. „Ich habe als Angreifer einst in Malmö begonnen und liebe es, Tore zu schießen.“ In seiner Zeit in der AHL waren es immerhin 75 und weitere 86 bereitete der Schwede vor. Zahlen, die auch die Verantwortlichen in Schwenningen dazu bewogen haben, Thuresson für die kommenden zwei Jahre zu verpflichten. Gelingt es ihm bei den Wild Wings, an diese eindrucksvollen Zahlen anzuknüpfen, wird er bei den Fans hoch im Kurs stehen. Mit seinem sonnigen Gemüt und der ansteckenden guten Laune hat Andreas Thuresson sogar das Zeug zuum Publikums-Liebling.