Ringen: – Vor nicht einmal einer Woche wurde auf den Kommentarspalten im Internet mehrfach der Begriff „historischer Kampfabend in Adelhausen“ beschrieben. Viele Kommentatoren waren sich da sicherlich nicht darüber im Klaren, welche Wahrheit hinter dem Ausspruch stecken sollte. Bis zum Redaktionsschluss war nämlich immer noch offen, wie der Hinkampf im Halbfinale zwischen dem TuS Adelhausen und Wacker Burghausen nun gewertet wird.

Auf der Matte hatten sich die 20 Ringer mit einem 13:13 getrennt, doch die Gäste waren wegen winterlicher Straßenverhältnisse zu spät auf den Dinkelberg gekommen, verpassten den Waagetermin. Aus Sicht der einschlägigen Richtlinien hätte das eine 0:40-Niederlage bedeutet. Nicht jedoch beim Deutschen Ringerbund (DRB), der schon Stunden vor Kampfbeginn den Burghausenern zusicherte, dass das Zuspätkommen keine Konsequenzen haben sollte. Gegen diese Entscheidung läuft aktuell noch eine Beschwerde des TuS Adelhausen, der sich nicht nur an die Richtlinien gehalten hat, sondern sich durch die flexible Auslegung der Vorgaben durch den DRB benachteiligt fühlt.

Experten und Fans sind sich einig, dass es so etwas auf Bundesebene noch nicht gegeben habe. Besonders stößt auf, dass der DRB, der nach der Abspaltung unter anderem des SV Weingarten und SV Nendingen zur neuen Deutschen Ringerliga (DRL) das Regelwerk auch mit juristischen Mitteln durchgesetzt hat, nun so lax mit den eigenen Bestimmungen umzugehen scheint.

Unabhängig vom Ausgang des „Falles“ versucht sich der TuS Adelhausen, für den der Finaleinzug der größte Erfolg der 57-jährigen Vereinsgeschichte wäre, auf den Kampf in Burghausen zu konzentrieren: „Es wird schwer. Aber wir sind konkurrenzfähig und wollen auf der Matte siegen“, gibt sich Trainer Bernd Reichenbach kämpferisch: „Ich konzentriere mich aufs Sportliche, will Wacker entsprechend Paroli bieten.“ Letztlich zählt für den TuS Adelhausen in Bayern nur ein Sieg. Bei einem Unentschieden könnte sich als Vorteil erweisen, dass zu Hause drei Kämpfe mit voller Punktzahl gewonnen wurden.

Der TuS Adelhausen, der auf den verletzten Halbschwergewichtler Peter Öhler verzichten muss, überlässt nichts dem Zufall. Bereits heute bezog die Dinkelberg-Staffel ihr Quartier in München. Bei einem befreundeten Verein wird abends eine Trainingseinheit abgehalten. Ausgeruht geht es dann am Samstag auf die letzten 100 Kilometer.

Wie im Viertelfinale beim KSV Witten soll kein Risiko eingegangen werden, zu spät an der Waage zu stehen. Beim Kampf vor Weihnachten stand der TuS-Tross kurzzeitig im Stau, kam aber noch vor der offiziellen Hallenöffnung an.