Tischtennis: – An was denken Sie, wenn Sie den Begriff „Tischtennis-Hobbyrunde“ hören? An einen Wettbewerb auf durchaus passablem sportlichen Niveau? Oder doch eher an eine Spaßveranstaltung, bei der das Ergebnis zweitrangig, dafür aber die Verlängerung am runden Tisch um so wichtiger ist? Helmut J. Koch, der Kapitän der Bad Boys des TTC Tiengen, die an der Tischtennis-Hobbyrunde teilnehmen, kann angesichts dieser Vorurteile nur müde lächeln: „Der Begriff Hobbyrunde ist nur Tarnung“, sagt er.

Wer eines der Spiele dieser Hobbyrunde besucht, bemerkt schnell, dass das Spiel an der Platte rein gar nichts mit dem Ping Pong zu tun hat, das viele von uns aus ihren Kindheits- und Jugendtagen an den Platten im heimischen Freibad in Erinnerung haben.

Natürlich geht es an diesem Montagabend in der Tiengener Stadthalle, wo die Tiengener Bad Boys ihr zweites Saisonspiel – das Vereinsderby gegen die zweite Mannschaft der Bad Boys – bestreiten, etwas lockerer zu als in einem Pflichtspiel beispielsweise in der Bezirksliga. Zur Stärkung zwischendurch stehen Süßigkeiten bereit, und jeder greift gern mal in die Box, um sich zu stärken. „Ganz so verbissen geht es bei uns nicht zu“, gibt Helmut J. Koch zu. An den Tischen jedoch geht es voll zur Sache. Von wegen Ping Pong.

Helmut J. Koch, Bad Boys Tiengen: "Der Begriff Hobbyrunde ist nur Tarnung."
Helmut J. Koch, Bad Boys Tiengen: "Der Begriff Hobbyrunde ist nur Tarnung." | Bild: Welte, Gerd

An der Tischtennis-Hobbyrunde, die seinerzeit von Harald Erlemann ins Leben gerufen wurde und dieses Jahr im Juli mit einem großen Fest ihr 40-jähriges Bestehen feiert, nehmen in dieser Saison acht Mannschaften teil. Im einzelnen sind dies Lienheim, Klettgau I und II, Gurtweil, Untermettingen, die SG Jestetten/Lottstetten sowie die beiden Mannschaften der Bad Boys Tiengen. An 14 Spieltagen wird der Meister ermittelt. Die Saison beginnt Ende März. Die Vorrunde endet zu Beginn der Sommerferien. Mitte September geht es mit den Spielen der Rückrunde weiter, ehe Mitte Dezember der Meister feststeht.

Den Meistertitel gewannen im vergangenen Jahr die Bad Boys des TTC Tiengen in ihrer ersten Saison. Weil es mit der ersten Mannschaft auf Anhieb so gut geklappt hat, schickten die Bad Boys in dieser Saison gleich noch eine zweite Mannschaft ins Rennen. „Sie wird die ein oder andere Mannschaft in dieser Liga sicher ärgern können“, sagt Koch. Im ersten Saisonspiel verloren die Tiengener nur äußerst knapp mit 8:9 bei den Routiniers in Gurtweil. Dass die erste Mannschaft der Bad Boys auch in dieser Runde zu den Top-Favoriten zählt, bewies sie mit dem 16:1-Kantersieg in Untermettingen. Das Tiengener Derby entschieden übrigens die Bad Boys I gegen die eigene zweite Mannschaft mit 15:2 zu ihren Gunsten. Dabei konnte die zweite Mannschaft zwei Doppel für sich entscheiden, während die Einzel allesamt verloren gingen.

An Position eins bei den Bad Boys I spielt oftmals Otmar Swertz, der auch viele Einsätze in der ersten und zweiten Mannschaft des TTC Tiengen aufweist. Da kommt es selten vor, dass er als 70-Jähriger noch auf einen Gleichaltrigen an der Platte trifft. Im Derby allerdings hatte er es mit dem 16-jährigen Niels Oehlschläger, der auch für den TTC Klettgau spielt, zu tun. „Wir sind die Grufties“, scherzt Swertz mit Kapitän Koch, der 69 Jahre alt ist. Ein 70-Jähriger gegen einen 16-Jährigen – das gibt es nur in der Hobbyrunde.

„Bei uns gibt es keine Altersbeschränkung“, sagt Koch. Die Spieler müssen nicht Mitglied eines Vereins sein. Sie können auch in den verschiedenen Ligen des Deutschen Tischtennis-Verbands für einen anderen Verein spielen und zusätzlich bei den Tiengener Bad Boys oder für eine der anderen Teams der Hobbyrunde an die Platte treten.

Die Meldelisten sind bunt gewürfelt. Zum Einsatz bei den Bad Boys Tiengen kam in der vergangenen Runde sogar Rolf-Dieter Loss. Der Horheimer ist Präsident des TTC Tiengen, aber noch selbst aktiv, wurde baden-württembergischer Einzel- und Doppelmeister der Ü60 und feierte jüngst mit dem TTC Singen den Aufstieg in die Regionalliga. Früher spielte er viele Jahre in der Nationalliga A der Schweiz und auch in der Zweiten Bundesliga in Deutschland.

Aber auch der Typ des reinen Hobbyspielers ist vertreten. Beispiel: Adrian Dobocan, als Zahnarzt in Tiengen bekannt, fand vor vier Jahren zum Tischtennis und spielt mit Lust und Leidenschaft in der zweiten Mannschaft der Tiengener Bad Boys.

Diese bunte Mischung macht den Reiz der Hobbyrunde aus. Die Teilnehmer schätzen auch, dass alle Spiele nicht an den Wochenenden stattfinden. „Viele spielen aus familiären Gründen lieber unter der Woche“, sagt Koch. Es werde auch Wert darauf gelegt, dass alle 17 Einzel und Doppel in den Spielen der Sechser-Teams zu Ende gespielt werden, auch wenn die Partie vielleicht schon längst vorher entschieden ist.

Die Tischtennis-Hobbyrunde hat ihre ganz eigenen Regeln. Sie lässt sich nicht ins enge Korsett der Meisterschaftsspiele der verschiedenen Ligen pressen. Und für die Teilnehmer der Hobbyrunde ist und bleibt Tischtennis das schönste Hobby überhaupt.

Bad Boys Tiengen

Kader der ersten Mannschaft beim Derby: Otmar Swertz, René Schlage, Benedikt Hilpisch, Martin Haber, Markus Herm, Helmut J. Koch.

Kader der zweiten Mannschaft beim Derby: Nils Oehlschläger, Alwin Choi, Patrick Choi, Joachim Krug, Adrian Dobocan, Aaron Wunderle.