Diese Reise ist noch nicht zu Ende, doch es wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach acht Jahren in der Ferne kehrt Shqipon Bektasi (28) zur Rückrunde nach Südbaden zurück. Der Stürmer aus Tiengen, der 2011 den SC Freiburg verlassen hat, spielt künftig beim Bahlinger SC in der Oberliga.

Shqipon Bektasi, was hat Sie im vergangenen Dezember bewegt, den mittelhessischen Regionalliga-Dritten TSV Steinbach/Haiger unter der Saison zu verlassen und am Kaiserstuhl anzuheuern?

Ich war nun einige Jahre auf einem hohen Niveau fußballerisch unterwegs, habe viel gesehen und erlebt. Mit nun 28 Jahren schien mir die Zeit gekommen, neue Prioritäten in meinem Leben zu setzen – zumal klar ist, dass ich den Sprung in die Bundesliga nun nicht mehr schaffen werde.

Was sind für Sie neue Prioritäten?

Der Bahlinger SC gibt mir die Möglichkeit, nicht nur sportlich weiterhin auf einem hohen Niveau zu spielen. Durch die Unterstützung des Vereins werde ich im September eine Ausbildung zum Versicherungs- und Finanzkaufmann beginnen. Aus diesem Grund wurde der Vertrag auch bis Sommer 2022 fixiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Klingt nach einem soliden Plan...

Auf jeden Fall. Ich möchte mir in den nächsten Jahren eine berufliche Basis für meine private Zukunft schaffen.

Werden Sie wieder in Tiengen wohnen?

Nein, meine Verlobte und ich ziehen in den Raum Freiburg. Durch die Nähe ist es natürlich künftig möglich, meine Familie und meinen Freundeskreis in Tiengen viel öfter als bisher zu sehen.

Welchen Stellenwert hat der Fußball, wenn Sie Ihre Ausbildung absolvieren?

Weiter einen sehr großen Stellenwert. Ich bin sehr motiviert, mit dem Bahlinger SC erfolgreich zu sein. Mein Ziel ist es mit dem Verein, über kurz oder lang die Rückkehr in die Regionalliga zu schaffen. Wir haben ein tolles Team. Ich brauche mich nicht lange zu akklimatisieren, denn ich kenne noch einige Spieler aus der gemeinsamen Freiburger Zeit.

In Freiburg holten Sie als A-Junior unter Trainer Christian Streich 2008 den Deutschen Meistertitel und ein Jahr später den DFB-Pokal. Wieso klappte es nicht mit der Karriere. Immerhin feierten Sie ausgerechnet gegen Bayern München ihr erstes Bundesliga-Spiel.

Das war natürlich eine tolle Sache, ausgerechnet gegen die Bayern zu debütieren. Leider habe ich mich wenige Tage nach diesem Spiel am Knie verletzt, fiel mehrere Monate aus und war danach weg vom Schirm.

Nach der einjährigen Ausleihe zum Drittligisten 1. FC Heidenheim begann ihre Tour durch die Regionalliga. Wie wurden Sie zum Wandervogel?

Der Begriff gefällt mir überhaupt nicht, denn er trifft es einfach nicht. Nur bei meiner ersten Station, bei Wormatia Worms, habe ich für ein Jahr unterschrieben. Ich erhoffte mir dort, den Sprung nach oben zu schaffen. Die nächsten Verträge waren immer länger befristet.

Nach Worms folgten allerdings vier Vereine in fünf Jahren.

Richtig, aber es gab immer schlüssige Gründe für die Verweildauer. Nach dem ersten Jahr bei Waldhof Mannheim passte es dort nicht mehr. Danach folgten zwei sehr erfolgreiche Jahre bei Hessen Kassel. Ich wäre eigentlich gern geblieben...

...aber?

In Kassel drohte 2016 die Insolvenz. Weil ich Sorge um mein Geld hatte, wechselte ich zu den Stuttgarter Kickers. Erst war ich dort lange Zeit verletzt, in der Rückrunde hatte ich großen Anteil am Verbleib in der Regionalliga. Danach wollte der Verein einen Neuanfang und so kam es eben zur Trennung.

Beim TSV Steinbach/Haiger trafen Sie wieder auf Matthias Mink, der schon in Kassel Ihr Trainer war.

Wir hatten in Mittelhessen gemeinsam eineinhalb tolle Jahre, holten 2018 den Hessenpokal. Allerdings hatte ich im Herbst sehr wenig Einsatzzeiten, obwohl ich top in Form war. Aber die Mannschaft spielte erfolgreich, der Trainer hatte keinen Grund zu wechseln. Da gibt es meinerseits keine Vorwürfe. Und wie sich nun die Möglichkeit in Bahlingen eröffnete, hat mit der Vereine dankenswerterweise keine Steine in den Weg gelegt.

Sie gelten als impulsiver Spieler. Stand Ihnen vielleicht Ihr Temperament ab und zu im Weg, wenn der nächste Schritt nach oben möglich gewesen wäre?

Nun ja, hinterher ist man immer schlauer. Ich habe immer viel Mentalität auf den Platz gebracht, wollte Zweikämpfe mit allen Mitteln gewinnen. Vielleicht bin ich manchmal zu ungestüm gewesen, war jung und unerfahren. Allerdings bin ich spätestens nach meiner mehrwöchigen Sperre in Kassel viel ruhiger geworden.

Was bleibt von den vergangenen zehn Jahren?

Vieles – ich habe großartige Menschen kennengelernt, viel erlebt und hatte viel Erfolg. In guter Erinnerung bleiben nicht nur die Freiburger Jahre mit einem hervorragenden Trainer Christian Streich, sondern auch vier Spiele mit dem kosovarischen Wappen auf der Brust.

Sie haben Länderspiele mit dem Kosovo bestritten?

Es waren keine offiziellen Länderspiele seinerzeit. Aber ich war stolz, die Heimat meiner Eltern vertreten zu dürfen. Bei einem Spiel in der Schweiz gegen Xamax Neuenburg war die ganze Familie im Stadion.

Ihre Geschwister sind ebenfalls sportlich...

Richtig. Meine Schwester spielte – allerdings nicht sehr lang – Handball beim HC Waldshut-Tiengen und mein Bruder Eddy ist gerade vom FC Klingnau zum VfB Waldshut gewechselt.

Sie haben mit Edmond einst bei den Laufenburger C-Junioren unter Trainerin Liesel Kaiser gespielt. Gibt es eine Neuauflage der Bektasi-Brüder in einem Team?

Für mich stehen jetzt erst einmal der Bahlinger SC und meine Ausbildung ganz oben auf der Liste. Was allerdings danach kommt, weiß ich heute noch nicht. Es ist mein Plan, irgendwann wieder in Tiengen zu leben. Und eines Tages erneut mit Eddy in einer Mannschaft spielen? Man soll ja niemals nie sagen...

Fragen: Matthias Scheibengruber