Fußball-Landesliga: – Gerade einmal 19 Monate liegt die umjubelte Rückkehr des FC Tiengen 08 in die Landesliga zurück. Der damaligen Euphorie ist längst Tristesse gewichen. Viel hat sich seither getan, allerdings kaum Gutes. Nur wenige Spieler der Meister-Elf sind noch an Bord. Aufstiegstrainer Georg Isele ging im Herbst 2017, Nachfolger Oliver Neff kam in der vorigen Winterpause.

Schon im Sommer 2018 schien der umgehende Abstieg des FC Tiengen 08 unausweichlich. Doch der Verbleib des FC Denzlingen in der Verbandsliga und der Aufstieg des FC RW Stegen in diese Spielklasse bescherten dem Tabellenvorletzten die späte Rettung.

Die zweite Landesliga-Spielzeit sollte entspannter gestaltet werden – doch weit gefehlt. Nach 18 Spielen steht die von Personalsorgen gebeutelte Mannschaft erneut auf dem vorletzten Rang, mit acht Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. 13 Punkte bei 23:60 Toren sind die magere Ausbeute. Einzig das 3:0 gegen Spitzenreiter SV Weil sorgte für positive Schlagzeilen.

Schon im Sommer kehrten Paul Mendy (FSV Rheinfelden), Erdal Kizilay (FC Schlüchttal), Daniel Albicker (SG Mettingen/Krenkingen), Tim Rüdiger (FC Lenzkirch) und Denis Michel (zurück nach Russland) dem Verein den Rücken. In der Winterpause verließen in Harun Zengin (FC Erzingen), Vassilios Dimitriadis, Alberto Di Girolamo (beide VfB Waldshut), Diego Melis (zurück nach Italien), Albin Hashani, Cristian Parrino (beide SV Rheintal) und Angelo Di Palma (FV Lörrach-Brombach II) weitere Spieler das Team. Zudem stehen der Langzeitverletzte Daniel Eichhorn und – aus beruflichen Gründen – Stelios Dimitriadis kaum mehr zur Verfügung.

Für Sportchef Jasmin Rastoder ist diese prekäre Personalsituation nicht der Anfang vom Ende, sondern eher ein Neubeginn: „Allen Unkenrufen zum Trotz bricht bei uns jetzt keine Panik aus. Es wird personell nicht so dramatisch, wie es auf den ersten Blick aussieht. Nur drei dieser sieben Abgänge zählten zum engeren Kader.“

In der Rückrunde werde verstärkt auf die Reserve zurückgegriffen. Danilo Leggio und Steffen Huber rücken wohl fest in den Landesliga-Kader auf. „Wir sehen die Situation trotzdem realistisch. Nächste Saison werden wir wohl wieder in der Bezirksliga spielen. Also richten wir den Blick schon jetzt nach vorn“, ist dem 37-Jährigen vor der Zukunft nicht bange: „Im Prinzip leiten wir jetzt schon den Umbruch ein.“

Rastoders Augenmerk richtet sich vor allem auf die mittlerweile sehr gute Jugendarbeit des FC Tiengen 08: „Es ist wichtig, dass junge Spieler wieder den Weg in unsere 1. Mannschaft finden“, deutet er an, dass die Prioritäten zuletzt nicht immer richtig gesetzt wurden. Ein erster Schritt wurde mit der Verpflichtung von Max Le gemacht. Der 17-Jährige kommt von der SG RW Weilheim, spielte mit den A-Junioren in der Verbandsliga. Ab 3. Februar, seinem 18. Geburtstag, ist Le spielberechtigt. Wenige Wochen später darf auch Romeo Schilling bei den Aktiven an den Ball. Er ist einer der elf Tiengener A-Junioren in der SG Waldshut-Tiengen.

Deren Trainer Markus Hristianovic leiste herausragende Arbeit, betont Rastoder: „Er begleitet die Jungs seit Jahren in ihrem Werdegang.“ Über seinen einstigen Mitspieler lässt er nichts kommen: „Markus hat die Basis gelegt, dass wir künftig immer wieder viel versprechende junge Spieler bekommen. Unter seiner Regie stiegen nacheinander alle Teams von den C- bis zu den A-Junioren in die Landesliga auf.“

Weitere Jugendspieler mit FCT-Vergangenheit sind Sebastian Flaig, der aus der U17 des SC Freiburg zurück kommt, sowie Patrick Ebner und Lars Haag, die im Sommer die A-Junioren der SG Steina-Schlüchttal verlassen und wieder beim FC Tiengen 08 spielen werden.

Nun gelte es, das halbe Jahr bis zur Sommerpause mit Anstand in der Landesliga zu überbrücken: „Wir bauen auf die Unterstützung der Reserve-Elf und der A-Junioren. Die Mannschaft rückt zusammen. Es herrscht wieder Ruhe im Team. Gemeinsam schaffen wir das“, glaubt Rastoder nicht, dass der FC Tiengen 08 im Frühjahr zum „Kanonenfutter“ der Liga mutiert: „Wir werden sicher nicht – wie zuletzt SolvayFreiburg – sang- und klanglos absteigen.“

Rastoder setzt zuversichtlich auf den Teamgeist beim FC Tiengen 08. Der Sportchef selbst will ebenfalls tatkräftig mithelfen, dass der personelle Aderlass nicht zu sehr durchschlägt: „Im März schließe ich meine Meisterprüfung ab und stehe zumindest für den Notfall zur Verfügung. Ich wollte ohnehin wieder mehr Sport treiben. Wenn ich das Training mit meinen D-Junioren beendet habe, hänge ich halt noch 90 Minuten bei den Aktiven hinten dran. Ich fühle mich durchaus noch fit genug.“