Fußball-Bezirksliga, Hochrhein

SV Jestetten – VfB Waldshut 2:2 (2:0). – Tore: 1:0 (37.) St. Fornino; 2:0 (44.) Lohr; 2:1 (52.) Mühlenweg; 2:2 (86.) Indlekofer. – SR: Christian Kühn (Bad Säckingen). – Z.: 150. – Bes.: GR für Korkut (VfB/69.); Ceylan (VfB/34.) hält FE von Ponzo.

So ist das nun mal mit den Unentschieden. Richtig viel nutzen sie in der Tabelle nicht, aber für die Moral kann so ein Punkt ungemein wertvoll sein. Darauf setzt nun auch Nils Mühlenweg vom VfB Waldshut: "Jungs, wir leben noch. Das war ein toller Kraftakt. Ich bin stolz auf euch", klopfte er seinen Mannen nach dem 2:2 beim SV Jestetten verbal auf die Schulter: "Ich hoffe, dass diese Leistung zusätzlichen Auftrieb fürs letzte Vorrundenspiel gegen den FC Schönau bringt", schnaufte der 27-Jährige tief durch und verkroch sich in die Kabine.

Trainer Michele Masi (SV Jestetten): "Erstaunlich, dass wir trotz des Schrotts, den wir gespielt haben, noch drei hundertprozentige Chancen hatten“
Trainer Michele Masi (SV Jestetten): "Erstaunlich, dass wir trotz des Schrotts, den wir gespielt haben, noch drei hundertprozentige Chancen hatten“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Erstmals seit langem war der Trainer des VfB Waldshut gemeinsam mit seinen Spielern auf den Platz gelaufen. Er wollte nach diversen Kurzeinsätzen nun ein Zeichen setzen, mutig voran gehen. Dieses Unterfangen stand zunächst auf tönernen Füßen. Mühlenweg war anzusehen, dass er weit von seiner Bestform entfernt ist. So gelang seiner Elf zunächst nicht viel und ihm wenig. Der SV Jestetten schien ohne große Mühe einem ungefährdeten Sieg entgegen zu gehen.

"Gehen" aber war genau das Stichwort. Im Spiel der Gastgeber war zu wenig Bewegung, die Ideen fehlten. Noch aber wirkte sich das nicht aus, denn optisch war der SV Jestetten obenauf und spätestens nach dem ungestümen Einsatz von Cihan Ceylan am äußeren Strafraumeck gegen Thomas Rangnau schien die Sache zu laufen. Raffaele Ponzo (33.) schnappte sich den Ball zum Strafstoß, schoss aber derart schwach, dass Ceylan seinen "Bock" mit einer lässigen Parade wieder wett machen konnte.

Und doch jubelte der SV Jestetten wenige Minuten später. Mit einem abgefälschten und damit unhaltbaren Freistoß traf Stefano Fornino (37.) im vierten Spiel in Folge zur Führung. Kurz vor dem Seitenwechsel schlug er einen weiteren Freistoß vors Tor. Marco Lohr nutzte die Freiheiten am Fünfmeterraum – 2:0.

Der VfB Waldshut schien geschlagen, besser können Tore eigentlich nicht fallen. Und als Thomas Rangnau drei Minuten nach dem Seitenwechsel allein aufs Tor steuerte, wurden erste Wetten auf die Höhe des Sieges abgeschlossen. Ceylan verkürzte den Winkel und Rangnau wollte es besonders schön machen. Doch er schlenzte den Ball mit dem rechten Außenrist ans Außennetz.

Die Nervenstärke des Torwarts übertrug sich auf die Mannschaft, jetzt spürte der VfB Waldshut, dass vielleicht doch etwas drin sein könnte. Allerdings mussten dazu Tore her. Ein schwieriges Unterfangen für den schwächsten Sturm der Liga. Doch da war ja noch Nils Mühlenweg, der einst bei seiner Premiere für den VfB Waldshut, vor drei Jahren, sein erstes Tor für den neuen Verein ausgerechnet beim 2:2 gegen den SV Jestetten erzielt hatte.

So fasste er sich ein Herz für einen neuen Versuch, schlenzte die Kugel mit viel Gefühl aus 20 Metern in den Winkel. Der Jestetter Anhang rieb sich die Augen, vergaß alle Wetten. Und nachdem im Gegenzug erst Thomas Rangnau an Ceylan und David Mollmann gescheitert war und kurz danach der eingewechselte Martin Rangnau (65.) das leere Tor verfehlte, waren die letzten Waldshuter Lebensgeister geweckt.

Serkan Korkut übertrieb es zwar mit dem Aufbäumen und schlich mit Gelb-Rot (69.) in die Kabine, doch die verbliebenen neun Feldspieler wurden immer frecher. Den Höhepunkt lieferte der eingewechselte Luca Indlekofer in der 86. Minute. Der Stürmer sah, dass Mike Klett einen hohen Ball unterlief, zog davon, ließ Nico D'Effremo ins Leere laufen und überwand Yannic Frey zum umjubelten – und nun auch verdienten – 2:2.

Michele Masi war bedient: "Wir haben nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Dass die Waldshuter kämpfen würden, war uns klar. Aber wir haben weder Ball noch Gegner unter Kontrolle bekommen", schimpfte der Trainer nach einer schwachen Vorstellung des SV Jestetten: "Erstaunlich, dass wir trotz des Schrotts, den wir gespielt haben, noch drei hundertprozentige Chancen hatten", war Masi froh, dass zumindest ein Punkt im Seestadion blieb.

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Torschütze Luca Indlekofer (VfB Waldshut): "Da denkst du nicht nach, wie wichtig dieses Tor sein könnte. Der Ball muss einfach rein." | Bild: Scheibengruber, Matthias

Luca Indlekofer (VfB Waldshut): "Hätten wir ein Problem in der Mannschaft, holen wir hier in Unterzahl kein 2:2 mehr"

Zur neuen Saison kam Luca Indlekofer (27) von AGS Lauchringen zum VfB Waldshut. Beim 2:2 in Jestetten sicherte er den Punkt mit seinem ersten Bezirksliga-Treffer.

Luca, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem ersten Bezirksliga-Tor. Können Sie das Tor beschreiben?

Ich habe gleich gesehen, dass der Ball aufspringen wird und hatte Glück, dass Mike Klett unterläuft. Als ich den Ball unter Kontrolle hatte, bin ich losmarschiert.

Sie ließen erst Nico D'Effremo ins Leere laufen und hatten dann noch die Nerven, souverän abzuschließen. Wie bleibt man da so cool, kurz nach der Einwechslung?

Nun ja, ich bin kein Jungspund mehr und bin Stürmer. Da denkst du nicht nach, wie wichtig dieses Tor sein könnte. Der Ball muss einfach rein.

Sie kamen erst nach der Pause ins Spiel. War der Sprung aus der Kreisliga B doch zu hoch?

Nein, das nicht. Natürlich muss man sich erst finden und kennenlernen. In den ersten Spielen wurde ich auf der Sechs einegesetzt. Das war nicht so meins. Darüber habe ich in den letzten Tagen mit dem Trainer gesprochen. Nils hatte zugesagt, dass er sich Gedanken machen wird.

Und setzt Sie dann auf die Bank?

Das war doch Teil der Idee. Läuft ein Klassemann wie Nils auf, dann stellt man sich hinten an. Was er am Ball alles kann, hat er nicht nur bei seinem Tor gezeigt.

Die Mannschaft ist mit nun elf Punkten weit vom Vorrundenziel entfernt. Was bringt nun dieser Punkt?

Er ist ein gefühlter Sieg, schließlich waren wir in Unterzahl. Vor dem Spiel hätten wir ein Unentschieden in Jestetten gern unterschrieben.

Ihr seid auf dem vorletzten Platz. Was macht Hoffnung, dass es aufwärts geht?

Es stimmt im Team, wir wachsen zusammen. Schließlich gab es nach dem Aufstieg einen enormen Umbruch. Und mal ganz ehrlich, hätten wir ein Problem in der Mannschaft, hätten wir hier in Unterzahl kein 2:2 mehr geholt.

Fragen: Matthias Scheibengruber