Juniorenfußball: – Die Welt im Nachwuchsfußball des Bezirks Hochrhein könnte so schön sein, wäre da nicht das eine oder andere tief greifende Problem. Besonders gravierend ist die Tatsache, dass die Zahl der Mannschaften weiter abnimmt. Allein seit 2017 schrumpfte der Spielbetrieb um 40 auf nur noch 532 Mannschaften. „Dazu kommt das leidige Thema der abgemeldeten Mannschaften“, runzelte Bezirksjugendwart Harald Fengler (Albbruck) bei der Tagung der Jugendleiter in Dogern die Stirn: „Allein zwei Bezirksligisten bei den B-Junioren schieden vorzeitig aus.“

Urteil-Rekord: Sportrichter Werner Bolte (Lörrach) musste allein im Nachwuchsfußball 710 Urteile gegen Vereine des Bezirks Hochrhein aussprechen. Diese Rekordzahl spülte über 25.000 Euro in die Kassen des südbadischen Fußballverbands.
Urteil-Rekord: Sportrichter Werner Bolte (Lörrach) musste allein im Nachwuchsfußball 710 Urteile gegen Vereine des Bezirks Hochrhein aussprechen. Diese Rekordzahl spülte über 25.000 Euro in die Kassen des südbadischen Fußballverbands. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Lob und Tadel verteilte Fengler in seinem Tätigkeitsbericht paritätisch. Für viel Freude bei den Vereinen habe der FC Wittlingen gesorgt. Die Pokalendspiele seien trotz größter Hitze hervorragend organisiert gewesen, so Fengler. Auf sportlicher Ebene ragten die A-Junioren des FV Lörrach-Brombach mit dem Verbleib in der Oberliga und die C-Junioren der SG Tiengen mit dem Aufstieg in die Verbandsliga heraus.

Weniger begeistert war Fengler, dass vom Südbadischen Fußballverband (SBFV) angebotenen Lehrgänge für Jugendleiter dürftig besucht sind: „Nur drei neue Jugendleiter waren vertreten. Bei den Fortgeschrittenen glänzte der Bezirk sogar mit Abwesenheit. Dabei sind diese Tagungen stets hochinteressant“, warb Fengler um mehr Interesse.

Fairplay-Preis: Bezirksjugendwart Harald Fengler (links) überreichte Jugendleiter Nico Schühlein von Bosporus FC Friedlingen den Preis für den Monatssieger im März. Die C-Junioren des BFC Friedlingen hatten beim Spiel gegen den FC Hauingen nur acht Spieler eingesetzt, weil der Gast nur mit einer dezimierten Mannschaft antreten konnte.
Fairplay-Preis: Bezirksjugendwart Harald Fengler (links) überreichte Jugendleiter Nico Schühlein von Bosporus FC Friedlingen den Preis für den Monatssieger im März. Die C-Junioren des BFC Friedlingen hatten beim Spiel gegen den FC Hauingen nur acht Spieler eingesetzt, weil der Gast nur mit einer dezimierten Mannschaft antreten konnte. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Um Rücksichtnahme auf das Privatleben der Bezirksfunktionäre bat Fengler eindrücklich: „Nachts um halb zwei kommt ein Antrag auf Mannschafts-Ummeldung. Künftig werden nur noch Mails ans offizielle SBFV-Postfach beantwortet.“ Die Kommunikation mit ihm und den Staffelleitern führe einzig der Jugendleiter, dem der Verein die Kennung fürs SBFV-Postfach geben solle: „Und nicht Trainer oder gar Eltern.“

Ein leidiges Thema seien Spielverlegungen: „Spätestens vier Tage vor dem angesetzten Termin muss der Antrag online beim Staffelleiter sein“, betonte Fengler, dass „sechs Verletzte kein Grund für eine Verlegung seien.“

Ehrenurkunde: Jugendleiterin Inge Graß vom FC Zell wurde beim Bezirksjugendtag von Roland Kuhne (Wehr), dem Ehrenamtsbeauftragten des Bezirks Hochrhein, für ihre Verdienste ausgezeichnet.
Ehrenurkunde: Jugendleiterin Inge Graß vom FC Zell wurde beim Bezirksjugendtag von Roland Kuhne (Wehr), dem Ehrenamtsbeauftragten des Bezirks Hochrhein, für ihre Verdienste ausgezeichnet. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Schlechten Stil unterstellt er Vereinen, die „lieber am grünen Tisch gewinnen, als auf dem Sportplatz.“ Anfragen auf Verlegung würden ignoriert. Der anfragende Verein dann nicht spielen, bekommt der Gegner die Punkte per Urteil: „Zumindest eine Antwort seid ihr dem anfragenden Verein schuldig. Alles andere ist schlechter Stil.“

Den Vertretern der 94 Vereine – vier Clubs fehlten in Dogern – wurde appelliert, sich Gedanken zu machen, wie der Spielbetrieb langfristig aufrecht erhalten werden soll. Erste Ansätze für den Kinderfußball hatte SBFV-Sportchef André Malinowski aus Freiburg mitgebracht. In einem kurzen Referat stellte der 45-Jährige das Konzept des Verbands vor: „Wir wollen Ihnen Anregungen geben und keine Anleitungen.“

SBFV-Sportchef André Malinowski: „Kleine Kinder haben ihren Spieltrieb, den müssen wir bei der Ausbildung fördern. Schwächere Kinder kommen in kleineren Teams viel besser zum Zug. Dann haben auch sie ihre Erfolgserlebnisse, die sie an den Fußball binden.“
SBFV-Sportchef André Malinowski: „Kleine Kinder haben ihren Spieltrieb, den müssen wir bei der Ausbildung fördern. Schwächere Kinder kommen in kleineren Teams viel besser zum Zug. Dann haben auch sie ihre Erfolgserlebnisse, die sie an den Fußball binden.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

An ausgewählten Spieltagen der kleinsten Kicker sollen die neuen Ideen durch Verbandstrainer vorgestellt werden. „Wir orientieren uns mit unseren Konzepten am belgischen Verband, der große Erfolge erzielt hat“, so Malinowski, dessen Credo das „Spiel der Kinder mit dem Ball“ ist.

Dank der verkleinerten Spielerzahl, kürzerer Spielzeit und neuen Spielformen – ein, zwei oder drei Spieler, mit und ohne Torhüter, spielen auf große oder zwei Mini-Tore – würden künftig alle Kinder ihre Spielzeiten bekommen: „Kleine Kinder haben ihren Spieltrieb, den müssen wir bei der Ausbildung fördern. Schwächere Kinder kommen in kleineren Teams viel besser zum Zug. Dann haben auch sie ihre Erfolgserlebnisse, die sie an den Fußball binden.“

Vereine leisten sich 710 Urteile im vergangenen Spieljahr und überweisen dafür über 25.000 Euro an den Fußballverband

Charmanter als Werner Bolte schafft es keiner, den Vereinen am Jugendbezirkstag die Leviten zu lesen. Weit entfernt von Freude über Rekord-Einnahmen rügte der Sportrichter aus Lörrach in Dogern die Clubs, bei denen das Geld für Strafen offensichtlich locker sitzt: „2005 zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich 395 Urteile. Nach der Katastrophensaison 2015/16 mit 697 Urteilen glaubte ich das Schlimmste hinter mir zu haben. Weit gefehlt, denn in dieser Saison wurden es 710 Urteile mit 25.427 Euro für Strafen und Kosten“, schüttelte Bolte den Kopf: „Für fehlerhafte Spielberichte wurden über 9000 Euro bezahlt.“

E- und D-Junioren seien für über 50 Prozent verantwortlich. „Dass ein Verein allein über 600 Euro für 25 derartige Urteile bezahlt, will mir nicht in den Kopf“, so Bolte: „Da habt ihr riesigen Nachholbedarf in der Betreuung.“

Als respektlos empfindet Werner Bolte, dass er 25 Urteile für Nichtteilnahme an Pflichtveranstaltungen aussprechen musste: „Unsereins bringt sich während der Saison täglich eineinhalb Stunden für den Sport ein und nimmt an bis zu 15 Sitzungen teil. Allein aus eurem Respekt davor, sollten die angebotenen Veranstaltungen besucht werden.“

Große Sorge bereite ihm der freiwillige und wegen mehrfachem Nichtantreten angeordnete Rückzuck von insgesamt 29 Mannschaften: „Allein 16 Teams entfallen auf A- und B-Junioren. Wie lange soll das noch gut gehen?“, fragte Bolte rhetorisch: „Bald gibt es nur noch eine Handvoll Vereine, aus denen Spieler zu den Aktiven wechseln.“ Zudem habe er 97 Urteile für Verzicht oder Nichtantreten aussprechen müssen: „Da ist jedes Wort zuviel.“

Die Zahl der Platzverweise sei zwar erfreulicherweise von 84 auf 77 zurück gegangen. Allerdings wurden die Sünder dafür für 217 Spiele gesperrt. Vor Jahresfrist waren es noch 207 Spiele.

Schmunzeln in den Reihen löste der Sprung des TuS Binzen mit 36 Urteilen von Rang zehn an die Spitze der „Sünder-Top Ten“ aus. Der TuS Stetten, Spitzenreiter 2018, fiel auf Rang fünf zurück: „Die ersten Zehn verursachten ein Drittel der Strafen und zahlten 7659 Euro“, so Bolte, der für 2021 seine Demission ankündigte: „Dann bin ich 70 – und ich denke, dann reicht es auch.“