Fußball-Kreisliga A, Ost: – Draußen macht sich schon die Enttäuschung breit. Die angezeigten drei Nachspielminuten sind längst vorbei. Der SV Berau hält noch das 1:1. Der FC Hochrhein würde scheitern, der FC Schlüchttal wäre Meister. Binnen zwei Minuten wendet sich das Blatt. Zwei Spieler des FC Hochrhein liegen plötzlich im Strafraum, Schiedsrichter Mathias Heilig (Erzingen) zeigt auf den Elfmeterpunkt. Philip Jedlicka legt sich den Ball zurecht und trifft – 2:1. Der FC Hochrhein ist Meister.

Dramatischer Schlusspunkt hinter eine dramatische Saison. So oft haben die Hochrhein-Fußballer den eigenen Anhang zittern lassen. Beim 4:3 gegen den SC Lauchringen mit einem Tor direkt nach dem Anstoß. Simon Lauber hat in der fünften Nachspielminute getroffen, nach dem Lauchringer Ausgleich kurz davor. Beim 3:2 gegen den SV BW Murg mit einem Tor von Lukas Bernauer in der vierten Nachspielminute. Jetzt, beim Zittersieg gegen den SV Berau, sind es sechs Minuten drüber gewesen.

Philip Brandl, Trainer FC Hochrhein: „Dass wir gegen den SV Berau nach den dramatischen Spielen gegen den SC Lauchringen und SV BW Murg noch einmal eine Schippe drauflegen, ist unfassbar.“
Philip Brandl, Trainer FC Hochrhein: „Dass wir gegen den SV Berau nach den dramatischen Spielen gegen den SC Lauchringen und SV BW Murg noch einmal eine Schippe drauflegen, ist unfassbar.“ | Bild: Neubert, Michael

„Es waren verrückte Spiele. Dass wir gegen den SV Berau nach den dramatischen Spielen gegen den SC Lauchringen und SV BW Murg noch einmal eine Schippe drauflegen, ist unfassbar“, sagt Trainer Philip Brandl. Bis in die Morgenstunden schallte es bei der Meistersause auf der Anlage in Stetten. Vier Jahre nach dem sang- und klanglosen Abstieg kehrt der FC Hochrhein in die Bezirksliga zurück.

Es war der Erfolg des unbändigen Willens. Dieser zeichnete den FC Hochrhein über die gesamte Saison aus. „Wir haben gute Individualisten, aber auf dem Platz sind wir ein Team. Die Spieler haben Charakter. Sie geben nicht auf, sie sind lernwillig und ziehen im Training mit“, freut sich Brandl.

Verlass war stets auf eine starke Offensive. Simon Lauber (23), Nico Maier, Francesco Melina (beide 15) und Thomas Wehrle (14) erzielten 67 der 87 Tore. Sie waren immer da, auch wenn‘s mal nicht lief. Und wenn nicht, sprangen auch mal andere ein – wie Axel Peterhans und Lukas Bernauer beim 3:2 gegen den SV BW Murg. Die vier Offensivgiganten waren die Schlüsselspieler im starken Gesamtensemble. So viele torgefährliche Spieler sind für Brandl schon ein Luxus. Vielleicht war es der feine Unterschied gegenüber den Konkurrenten.

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Vor zwei Jahren trat Brandl das Traineramt an. Seither beobachtet er eine stetige Aufwärtsentwicklung. Simon Lauber wurde zum Ideengeber und Torjäger. Philipp Jedlicka kam im Sommer vom FC Grießen. Er entpuppte sich als echte Verstärkung. Brandl: „Er war vielleicht das fehlende Puzzlestück.“ Die Mischung macht‘s. „Wir haben einen super Altersschnitt, die meisten sind im besten Fußballalter oder auf dem Weg dahin“, sagt Brandl. Als Schlüssel des Erfolgs sieht er jedoch die gute Zusammenarbeit mit der Reserve, zunächst mit den Trainern Marcel und Mike Amann, dann mit Peter Hannuschka.

Zum ersten Mal feierten die Fußballer im Bohnenviertel als FC Hochrhein Hohentengen-Stetten einen Aufstieg. Nach der Gründung 2011 und drei Bezirksliga-Jahren ging`s 2015 runter. Mit einem 0:7 beim FC RW Weilheim verabschiedete sich der FC Hochrhein erst einmal aus der Bezirksliga. Mit Trainer Andreas Bauhuber lag das Team 2016/17 in der Winterpause auf Platz zwei und rutschte ab. Brandl übernahm. Am Ende wurde seine Elf Fünfter. „Gegen den FC RW Weilheim haben wir knapp verloren, gegen den VfB Waldshut 3:3 gespielt. Da hat man schon gemerkt, dass wir an guten Tagen mit den Starken mithalten können“, sagt der Trainer, „wir tun uns eher schwer gegen Mannschaften, die tief stehen, wenn wir Ideen brauchen, das hat man jetzt gegen den SV Berau gesehen.“

Die spielstarken Teams würden seiner Mannschaft liegen. So ist ihm in der Bezirksliga nicht bang: „Es wird sicher nicht einfach. Ich denke, wir sind hinten dabei, aber wir gehen ohne Angst in die Runde.“