Klar ist nach dem 13:13 im ersten Halbfinale zwischen dem TuS Adelhausen und Wacker Burghausen nur, dass alles noch unklar ist: „Wir warten auf die Entscheidung von Ralf Diener. Dann sehen wir weiter“, richtet Timo Zimmermann, Ringer-Vorsitzender beim TuS Adelhausen, seine Augen nach Saarbrücken.

Dort tüftelt der Vizepräsident Bundesliga des Deutschen Ringerbunds (DRB) seit dem Ende des spannenden Kampfes vor knapp 1000 Zuschauern über den Statuten. Diener muss nach den Eintragungen im Protokoll (siehe Protokoll-Auszug am Ende des Artikels) entscheiden, ob es vor dem Rückkampf, am Samstag in Burghausen, beim sportlichen Unentschieden bleibt, oder ob er den Kampf mit 40:0 für den TuS Adelhausen wertet.

Für Timo Zimmermann sollte die Antwort Dieners längst feststehen: „Es gibt vom DRB klare Richtlinien zur Bundesliga. Die müssen von allen Vereinen eingehalten werden. Darauf pochen wir und deshalb gehen wir erst einmal von einer positiven Entscheidung aus.“ Wichtig sei, „dass nicht ist als Verein sondern die Kampfrichter selbst eine Meldung an den DRB veranlasst haben“, so Zimmermann: „Wir haben erst nach einer DRB-Entscheidung die Möglichkeit zur Reaktion.

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„Die Wetterverhältnisse waren lang bekannt“

In erster Linie geht es darum, dass der amtierende Deutsche Meister spät auf dem Dinkelberg angekommen ist. Nach eigenen Angaben war der Bus mit der Mannschaft um 8 Uhr in Burghausen gestartet, steckte dann im Schneechaos fest. Diese Umstände habe der Gast versucht, per Fahrtenschreiber nachzuweisen: „Eigentlich werden nur Pannen, Unfälle oder Groß-Staus als Verspätung akzeptiert. Die Wetterverhältnisse waren lang bekannt. Das hätte berücksichtigt werden müssen“, moniert Zimmermann: „Schließlich geht es hier um den Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft.“

Offizieller Wiegetermin in der Dinkelberghalle war um 18.45 Uhr: „Dann beginnt eine Wartefrist von 30 Minuten“, erklärt Zimmermann: „Um 19.05 Uhr stand der Gegner im Wiegeraum, war aber nicht bereit, auf die Waage zu gehen.“ Offensichtlich hatten einige Wacker-Ringer noch kein Kampfgewicht, weigerten sich, auf die Waage zu stellen. Zur allgemeinen Überraschung habe Mattenpräsident Antonio Silvestri (Stuttgart), wohl nach Rücksprache mit dem DRB, kurzerhand verfügt: „Wiegen für Wacker Burghausen um 19.45 Uhr. Kampfbeginn um 20.30 Uhr.“

Gastgeber im Nachteil

Für die Gastgeber ein deutlicher Nachteil, mussten ihre Ringer doch schon um 18.45 Uhr antreten: „Wir hatten damit keine Chance, auf die Aufstellung der Gäste zu reagieren“, so Zimmermann, dessen Team mehrere Wiegelisten vorbereitet hatte und bei rechtzeitiger Ankunft der Gäste entsprechend „gepokert“ hätte: „Unser Heimvorteil war damit hinüber.“ So wären Manuel Wolfer und Nick Scherer durchaus bereit gewesen, in ihren Gewichtsklassen über die Waage zu gehen.

Timo Zimmerman betont, dass der TuS Adelhausen lediglich auf die Einhaltung der für alle Vereine geltenden Richtlinien pocht: „Es gibt keinerlei Schuldzuweisung unsererseits an Wacker Burghausen. Was Recht ist, muss Recht bleiben.“ Der TuS Adelhausen werde zum Rückkampf bereits einen Tag zuvor anreisen: „Wir beziehen ein Hotel und bereiten uns in einer Sporthalle professionell vor und reisen dann entspannt in Burghausen an.“

Beginn mit Verspätung

Gerungen wurde dann doch noch, wenn auch mit Verspätung. Im ersten Durchgang schien der TuS Adelhausen den Ärger um den Kampfbeginn abgestreift zu haben. Beka Bujiashvili, Christian John und Ivo Angelov fuhren jeweils vier Punkte ein, danach machte Zbigniew Baranowski mit einem 1:0 gegen Erik Thiele die 13:0-Führung fest.

In der Folge verließ das Glück die Hausherren, auch wenn sie aus nahezu 1000 Kehlen frenetisch angefeuert wurden. Zum Auftakt der sechs Niederlagen verkaufte sich Jörn Schubert, jüngster Ringer in den Reihen der Gastgeber, gegen Cengizhan Erdogan recht gut.

Allen folgenden Kraftakten zum Trotz, nutzte es nichts, das Eigengewächs Stephan Brunner gegen Magomedmurad Gazhiev, den Vize-Weltmeister von 2017 aus Polen, den „Kampf seines Lebens“ ablieferte. Brunner gab nur drei Wertungen ab, unterlag lediglich mit 0:3. Gleich zwei seiner Teamkollegen waren zuvor mit einer knappen 0:1-Niederlage von der Matte gegangen: Georgh Harth gegen Benjamin Sezgin und Danijel Janecic gegen Matthias Maasch, der sich später wegen Reklamierens die Gelb-Rote Karte und damit eine Sperre für den Rückkampf einhandelte.

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