Kunstradsport: Es begann mit einer Weihnachtsfeier: Als der Radfahrverein Georgia Reichenau im Jahr 1979 seinen Jahresabschluss mit ein paar passenden Darbietungen abrunden wollte, gab es einen Engpass, wie sich Theo Benz erinnert: „Die hatten da alles, nur keinen Zweier!“ Sein Vater Karl hatte ihn zum Kunstradfahren gebracht und war auch sein Trainer. Ende 1979 war er schon eine Weile im Zweier-Kunstrad gemeinsam mit dem gleichaltrigen Markus Prinz aktiv. Der jüngere Bruder von Markus, Armin, kickte zu dieser Zeit noch, doch hatte er das sportliche Engagement seines Bruders und dessen Partner im Auge. „Die waren immer gut und daher wollte ich das auch ausprobieren“, so Armin Prinz rückblickend. Allerdings war er damals schon zehn Jahre alt – eigentlich schon zu alt, um eine Kunstradkarriere zu beginnen.

Das Ziel: Nationalmannschaft

Der Gedanke, dass Theo Benz mit Armin Prinz bei der Weihnachtsfeier eine Kür zeigen sollte, kam gut an. „Die Idee hat uns gefallen. Und dann haben wir ein Programm zusammengestellt“, erinnert sich Prinz noch gut an den ersten gemeinsamen Auftritt mit Theo Benz. Damals konnten beide nicht ahnen, dass dieser Sport fast 15 Jahre lang ihr Leben bestimmen würde. Nach eher regionalen Erfolgen nahmen sich die beiden Reichenauer Anfang der 1980er Jahre einiges vor: „Es war unser großes Ziel, in die Nationalmannschaft zu kommen“, so Armin Prinz. Der hohe Einsatz: Vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche, an etwa 26 Wochenenden pro Jahr Wettkämpfe oder Lehrgänge. Zwei Jahre hintereinander scheiterten sie knapp an der Qualifikation, aber im Jahr 1988 war das Ziel erreicht, das Duo Benz/Prinz war Teil der deutschen Kunstrad-Nationalmannschaft. Und das will etwas heißen, die deutschen Radsportler sind im Zweier schließlich das Maß aller Dinge. Seit 1958 werden jährlich Weltmeisterschaften ausgetragen und stets kamen die Goldmedaillengewinner aus Deutschland, zumeist auch die Vizeweltmeister.

WM-Luft geschnuppert

Im Jahr 1989 durften die beiden Reichenauer im niederländischen Heerlen als Ersatz erste WM-Luft schnuppern, aber erst ein Jahr später kam der große Durchbruch bei der Weltmeisterschaft in Österreich. „Bregenz hat schon was gehabt“, blickte Theo Benz zurück und erinnert sich an die tolle Atmosphäre im Festspielhaus, das zur Sportarena umfunktioniert wurde. Die Stätte direkt am Bodensee war gut gefüllt, als Benz/Prinz ihre sechs Minuten dauernde Kür begannen. Drei Minuten war jeder auf einem Spezialfahrrad unterwegs, anschließend zeigten beide drei Minuten lang gemeinsam akrobatische Elemente auf einem Fahrrad. „Wir waren in Bregenz nicht die Favoriten, hatten damals die Qualifikation erst im letzten Wettkampf geschafft“, weiß Benz noch heute, dass es im Vorfeld eng zuging, denn die Leistungsdichte im deutschen Team war groß. Aber die beiden hatten ein schwieriges Programm für die Titelkämpfe zusammengestellt, was sich letztlich auszahlte: mit Bestnoten, dem Weltmeistertitel und dem Regenbogentrikot für die Athleten vom Untersee. Und obwohl der Kunstradsport eher eine Randsportart ist, wurde bei der Heimkehr groß gefeiert – mit einem großen Empfang mit Autokorso über die Insel.

Das Ziel Nationalmannschaft erreicht, den Weltmeistertitel in der Tasche – ans Aufhören dachten die beiden aber noch nicht. Zumal bald durchsickerte, dass im Jahr 1993 die Weltmeisterschaften erstmals nicht in Europa stattfinden sollten, sondern im fernen Hongkong. „Das war unser Traum!“, so Armin Prinz zum neuen Ziel. Wieder war es für das Duo, das 1991 in Brünn Vizeweltmeister geworden war, knapp, erneut gelang die Qualifikation erst im letzten Wettkampf vor der WM.

Das Abenteuer Hongkong

„Nach Hongkong fliegen hatte schon einen ganz besonderen Reiz“, so Theo Benz und erläutert, dass schon logistisch ganz neue Aufgaben warteten. Die Räder mussten gut verstaut werden, die Eindrücke vor Ort waren so groß, dass es schon fast schwer fiel, sich auf den Wettkampf zu fokussieren, berichten die zwei 25 Jahre später. „Man muss offen sagen, dass wir bei dieser WM keine Chance hatten, den Wettkampf zu gewinnen. Aber der zweite Platz sollte drin sein. Und am Ende hatten wir nach hinten auch gut Luft“, berichtet Theo Benz von der Kür zur Vizeweltmeisterschaft. Die Frage, wieso es „nur“ für Silber gereicht hat, kommt da gar nicht auf. „Das war ein Riesenerlebnis, neben der WM in Bregenz sicher unser zweites Karrierehighlight“, fasst Prinz zusammen. Nach dem Wettkampf dann wagten sich die beiden auch an exotisches Essen, was sie vor dem Wettbewerb noch vermieden hatten. Ausflüge nach Macao und über die Grenze rundeten das Erlebnis „WM in Hongkong“ ab.

Gratulation vom Kanzler: Helmut Kohl sendete Glückwünsche in Richtung Reichenau nach der gewonnenen Silbermedaille.
Gratulation vom Kanzler: Helmut Kohl sendete Glückwünsche in Richtung Reichenau nach der gewonnenen Silbermedaille. | Bild: privat

1994 peilte das Duo zwar nochmals die WM an, doch andere Aspekte rückten nach vorne, die Qualifikation misslang – Karriereende. „Seit ich zehn Jahre alt war, war der Kunstradsport mein Lebensmittelpunkt“, fasst Prinz zusammen und betont: „Es hat immer Spaß gemacht. Es war am Ende dann nicht so, dass da eine Last weggefallen wäre.“ Theo Benz ergänzt jedoch: „Wir konnten danach vieles machen, was vorher nicht möglich war!“ Beruf und Familie tragen in den Vordergrund.

Gab es in der 15-jährigen sportlichen Partnerschaft Abnutzungserscheinungen, Motivationsprobleme? Fehlanzeige! Vielleicht gelegentlich Vorwürfe, wenn ein Wackler Punktabzug brachte? „Nein, Schuldzuweisungen gab es nie!“ Selbst als sich Armin Prinz, der als der Leichtere der beiden bei den akrobatischen Teilen auf den Schultern von Theo stand, eine Gehirnerschütterung zuzog, ging es nach der Genesung reibungslos aufs Kunstrad.

Ein Highlight in der Karriere von Benz-Prinz: Der Start bei der Hallenradsport-WM in Hongkong.
Ein Highlight in der Karriere von Benz-Prinz: Der Start bei der Hallenradsport-WM in Hongkong. | Bild: privat

Immer noch ein harmonisches Team

Auch Gedanken, dass man als Weltmeister und zweifacher Vizeweltmeister in einer anderen Sportart einen anderen Stellenwert gehabt hätte, kamen bei den beiden Reichenauern nie auf. „Ich glaube nicht, dass ich in einer anderen Sportart so viel Spaß gehabt hätte“, sagt Armin Prinz. Beide sind sich einig, dass es rückblickend zwar mehr Misserfolge gegeben hat, doch im Gedächtnis bleiben die Eindrücke von Bregenz 1990 und von Hongkong 1993. Jahrzehnte nach dem Ende der sportlichen Laufbahn sind sie noch ein harmonisches Team, der 54-jährige Gärtner-Meister Theo Benz und der 50-jährige Relationsship-Manager Armin Prinz.

Das war los vor 10, 25 und 50 Jahren

November 2008

  • Fußball-Regionaligist SC Pfullendorf steht nach einer kleinen Erfolgsserie in der Tabelle vor dem SSV Ulm, dem SV Darmstadt, dem SSV Reutlingen und dem 1. FC Heidenheim.
  • Der 1. FC Rielasingen-Arlen klettert durch einen Punktgewinn in Schwandorf auf Rang 13 – damals noch in der Bezirksliga!
  • Einen Punktabzug hinnehmen müssen der VfR Stockach, der FV Donaueschingen und der SV Laufenburg. Die Clubs hatten, um bei Spielertransfers keine Ablöse zahlen zu müssen, Neuzugänge kurzerhand zu Vertrags-amateuren gemacht, ohne dabei zu berücksichtigen, dass bei Auslaufen des Vertrags auch die Spielberechtigung erlischt. Der VfR Stockach rutschte von Platz eins in der Bezirksliga-Tabelle auf Rang 13 ab.
  • Seglerinnen und Segler auf 210 Booten freuen sich bei der „Eisernen“ über Sonnenschein beim Saisonabschluss, während es an den Tagen zuvor noch geschneit hatte. Allerdings hielt sich auch des Seglers liebstes Kind, der Wind, in Grenzen...


November 1993

  • Der Box-Club Singen verpflichtet mit dem 29-jährigen Bulgaren Alexander Christow den amtierenden Weltmeister im Bantam-Gewicht.
  • Das deutsche Windsurfteam wird auf der Hawaii-Insel Maui Mannschaftsweltmeister. Mit dabei: die damals 23-jährige Konstanzerin Natalie Siebel.
  • Die deutsche Kunstrad-Nationalmannschaft bereitet sich auf der Insel Reichenau auf die Weltmeisterschaft, die Ende November in Hongkong stattfindet, vor. Mit dabei: die beiden Reichenauer Theo Benz und Armin Prinz. Bei der WM muss sich das Duo Benz/Prinz dann nur den Landsleuten Raaf/Roth (Kirchdorf) geschlagen geben (siehe Artikel oben).
  • Für Gesprächsstoff sorgt der Meßkircher „Hosenfall“. Die für den TV Meßkirch spielende, damals 18-jährige Türkin Asli Coban, die aus Glaubensgründen nur in langer Hose spielte, wurde mit Hinweis auf die im Handball geltende Kleiderordnung von einem Schiedsrichter nicht zum A-Jugend-Oberligaspiel zugelassen. Nach der Berichterstattung über den Fall reagierte der Verband. Der damalige Bezirksvorsitzende Gottfried Allgeier erklärte, „dass in solchen Fällen die Religion einen klar höheren Stellenwert hat als unsere Kleiderordnung.“


November 1968

  • Bei den Badischen Kunstturnmeisterschaften in Engen kommt das von Olympiasieger Willi Stadel trainierte Team des Hegau-Bodensee-Turngaus auf den dritten Rang.
  • Wenige Wochen nach den Olympischen Spielen in Mexiko stellt der Konstanzer Ruder-Trainer Karl-Heinz Bantle einen neuen Vierer mit Steuermann zusammen. Olympiasieger Niko Ott ist nicht mehr an Bord, doch der Konstanzer Peter Berger will es nochmals wissen. Der „Bullenvierer“ schafft 1972 in München das, was in Mexiko wegen Erkrankung nicht gelungen ist – den Olympiasieg.