Handball, 3. Liga

HSG Konstanz

TSV Neuhausen/F.

32:32 (19:17)

Drittliga-Meister HSG Konstanz bleibt seit September 2018 daheim ungeschlagen, musste sich aber gegen den TSV Neuhausen/Filder mit einem 32:32 (19:17)-Remis begnügen. Angesichts des nur zwölf Spieler umfassenden Kaders und fünf verletzten Leistungsträgern relativiert sich dies etwas, wiewohl die HSG gegen einen beherzt kämpfenden Gegner mit vielen Fehlern, einer ungenügenden Chancenverwertung und ungewohnten Lücken in der Deckung doch über weite Strecken enttäuschte.

Und doch gab es sie mehrmals, die Siegchance. Kurz vor Ende, in den letzten 30 Sekunden – und das zudem in Überzahl. Doch erneut unterlief der HSG Konstanz ein folgenschwerer technischer Fehler. Statt mit dem 33:31 alles klar zu machen, landete der Pass direkt in den Fängen der Gäste. Leon Pabst ließ sich die Chance im Tempogegenstoß nicht nehmen und verwandelte eiskalt zum 32:32. Nochmals hatte die HSG danach die Siegchance, wieder verhinderte ein technischer Fehler den doppelten Punktgewinn, der allerdings auch nicht wirklich verdient gewesen wäre. Die letzten Aktionen standen dabei sinnbildlich für eine Partie, in der die Hausherren nie wirklich zur Form der letzten Monate fanden. Dabei schien bei nur noch 80 Sekunden Spielzeit doch noch alles gut zu gehen und der Meister mit einem blauen Auge davonzukommen. Paul Kaletsch hatte vom Strafwurfpunkt auf 32:30 gestellt.

Jedoch wurde die größte Schwäche seiner Mannschaft an diesem Tag nur wenige Sekunden später anschaulich aufgezeigt: Neuhausens Bester, Hannes Grundler, durfte völlig unbedrängt aus dem Rückraum abschließen. Der mit 187 Treffern zweitbeste Werfer der 3. Liga Süd nutze die Freiheiten auf seine Weise und hämmerte den Ball in die rechte obere Torecke. Die mit lediglich 703 Gegentreffern nach wie vor beste Defensive der Liga sah dabei nur zu. Ein Problem, das sich von der ersten Minute an durch das umkämpfte, am Ende sogar etwas ruppige Kräftemessen zog.

Enttäuscht musste HSG-Cheftrainer Daniel Eblen später zu Protokoll geben, dass seine an diesem Tag mit den Nachwuchstalenten Moritz Ebert (18), Samuel Löffler (20) und Patrick Volz (19) extrem jung und dünn besetzte Mannschaft „nicht besonders gut drauf war“. Mit Fabian Schlaich, Tom Wolf, Tim Keupp, Simon Tölke und Fabian Maier-Hasselmann hatte er gleich auf fünf Leistungsträger verzichten müssen und verfügte bei nur zehn Feldspielern kaum über Wechselmöglichkeiten, weil auch Ersatzmann Joel Mauch aus der U23 sich im Abschlusstraining noch verletzt hatte. „Wir hatten nicht unseren besten Tag“, räumte Eblen ein und zog weiter Bilanz: „Klar sind wir nicht zufrieden. Trotz Personalmangel müssen wir anders und mit anderer Konzentration und Konsequenz spielen.“ Dabei wollte er gar nicht verhehlen, wie schwer dies angesichts der frühen Entscheidung im Meisterschaftrennen sei. Kämpferisch wollte er niemandem einen Vorwurf machen, doch Fokus, ein kühler Kopf und Konzentration seien in dieser Situation viel schwerer zu halten. „Jedem ist bewusst, dass nach Ostern im Kopf einiges draufgepackt werden muss“, unterstrich der 44-Jährige. „Die Jungs werden das nicht so angehen. Es weiß jeder, dass es so nicht geht. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dies noch einmal vorgeführt zu bekommen.“

Nach dem spielfreien Osterwochenende empfängt die HSG Konstanz am 27. April um 20 Uhr den HC Oppenweiler-Backnang zum letzten regulären Heimspiel der Saison.

HSG Konstanz: M. Wolf, Ebert (Tor); Stotz (1), Hild (1), Wiederstein (1), Kaletsch (7/2), Krüger (3), Braun (4), Jud (8), Wendel (4), Volz (2), Löffler (1). – Z: 900.

„Daraus müssen wir jetzt lernen“

Nach dem 32:32-Remis gegen Neuhausen/Filder war man im Konstanzer Lager wenig zufrieden, wie Spielmacher Tim Jud, der mit acht Treffern bester Feldtorschütze war, verriet

Herr Jud, wie fällt Ihr Fazit angesichts der so nicht gewohnten Leistung in der Deckung, in der Chancenverwertung und der Fehlerzahl aus?

Zufrieden können wir nicht sein. Das ist nicht unser Anspruch. Weder das Remis noch die Leistung über 60 Minuten. Wir haben in der Abwehr nie zu unserer Stabilität gefunden, auch wenn es gute Phasen gab. Durch Unkonzentriertheiten ist es uns im Angriff ebenfalls schwer gefallen. Da haben mir viel Tempo und Entschlossenheit gefehlt. So kam eines zum anderen. Neuhausen hat es gut gemacht, wir waren am Ende in Überzahl nicht clever genug. Daraus müssen wir lernen.

Wie schwer war es, die Spannung und den Fokus nach der frühen Meisterschafts-Entscheidung hoch zu halten?

Nach der Meisterschaft ist zunächst schon etwas Spannung bei uns abgefallen. Dies darf aber nicht als Ausrede zählen. Wir hatten ein Heimspiel, der Gegner kämpft gegen den Abstieg. Auf die leichte Schulter hat das Spiel sicher niemand genommen. Wir wollten gewinnen, Verletzunssorgen hin oder her. Wir haben genügend Spieler, die in die Bresche springen können. Das haben sie in den letzten Wochen bereits gezeigt. Wir müssen mit den Ausfällen klarkommen und wollten dennoch erfolgreich sein.

Geht jetzt angesichts dieser Erfahrung und der schnell nahenden Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga noch einmal ein Ruck durch das Team?

Jedem bei uns ist bewusst, dass es in dieser Liga nicht reicht, mit angezogener Handbremse zu spielen. Das kann ein Warnschuss sein. Ich würde dieses Spiel angesichts der Leistungen zuvor aber nicht überdramatisieren. Einen Ruck wird es aber eher wegen der nahenden Relegation geben als aufgrund des Unentschiedens.

Fragen: Andreas Joas