Volleyball-Bundesliga, DM-Finale

VfB Friedrichshafen

Berlin Recycling Volleys

0:3

Eine extrem bittere Pille hat der VfB Friedrichshafen in der mit 3910 Fans ausverkauften ZF-Arena verabreicht bekommen. „Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt“, kommentierte ein sichtlich getroffener Kapitän Simon Tischer das 20:25, 17:25 und 22:25 ausgerechnet im letzten Volleyballspiel seiner großartigen Karriere. Der Zuspieler hätte sich zum Abschied so sehr noch einen deutschen Meistertitel gewünscht. Daraus wurde nichts. Tristesse in Blau-Weiß herrschte nach dem Schlusspfiff. Wie ein Jahr zuvor hatte es das Team von Vital Heynen nicht geschafft, die Meisterschale von der Spree an den See zu holen. „Berlin war zweimal besser als wir“, gratulierte der Belgier, mit dem Hallensprecher-Mikrofon in der Hand auf dem TV-Tisch stehend.

„Wir waren chancenlos, in allen Elementen unterlegen“, stellte Tischer, vom Publikum mit prasselndem Applaus bedacht, bei seiner Abschiedsrede fest: „Berlin war fehlerlos.“ Eiskalt war diese Dusche nach der sensationellen Aufholjagd zum 2:2 (best of five). „Wir sind doch nach dem 0:2 super zurückgekommen“, konnte es auch Zuspieler Tomas Kocian nicht fassen. In der Annahme wacklig, im Aufschlag ohne Druck, mit zu vielen Fehlern im Angriff gab es für den zu zaghaften Supercupgewinner und Pokalsieger statt der Meisterschale eine ordentliche Tracht Prügel.

„Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, jubelte der Berliner Trainer. Umso bitterer für die Friedrichshafener, weil ihnen ausgerechnet der ehemalige VfB-Trainer und Meistermacher Stelian Moculescu den „Lohn für eine herausragende Saison“ (Tischer) weggeschnappt hatte. Als Feuerwehrmann wohlgemerkt! „Der Zehn-Wochenplan, den ich mit meinem Sohn ausgeheckt habe, ist aufgegangen“, war der Berliner Interimscoach („zu 99,9 Prozent war das mein letzter Trainerposten“) stolz auf die Truppe und ließ sich von seinen Spielern feiern. Moculescu: „Die Jungs haben nach einer Weile gewusst, was ich will, haben hart gearbeitet“ – und im wichtigsten Spiel der Saison ihre beste Leistung herausgehauen.

Berlin hat vom ersten Ballwechsel an ungeheuren Druck gemacht. So viel, dass „wir nicht spielen konnten, was wir die Saison über gezeigt haben“, sagte Daniel Malescha betrübt. Statt „smart“ zu sein, habe der VfB „dumme Fehler“ gemacht, hätte nie das Niveau in Aufschlag, Block und Feldabwehr erreicht, das notwendig gewesen wäre, um den furiosen BR-Volleys die Stirn zu bieten. „Die haben alles reingeworfen, super gespielt und verdient gewonnen“, so der Diagonalangreifer über Berlins meisterliche Leistung.

In einer Partie, in der die Gastgeber nur ein einziges Mal geführt hatten – beim 1:0 im dritten Satz. Den Rest des einseitigen Schlagabtausches dominierte der Titelverteidiger „mit seinen erfahrenen Spielern“ (Wunibald Wösle). Und so blieb nicht nur dem Präsidenten sowie Vorsitzenden des Beirats der VfB Friedrichshafen Volleyball GmbH die Krönung einer „super Saison“ (Wösle) verwehrt. In der habe der VfB Friedrichshafen gezeigt, so Tischer, „dass er erfolgreich Volleyball spielen kann“. Nur eben nicht bis zum allerletzten, alles entscheidenden Spiel.

Das müssen in der kommenden Saison nun andere besser machen. Neben Simon Tischer verlassen Tomas Kocian (Zuspiel), Martin Atanasov (Annahme und Außenangriff) sowie Scott Kevorken (Mittelblock) den VfB, dessen neues „Team bereits komplett ist“ (Wösle). Ob dann Matthew Denmark auch wieder dabei ist, ist fraglich. Der US-Amerikaner, vor fünf Jahren beim VfB noch aktiv, war extra für dieses Spiel von Philadelphia nach Friedrichshafen geflogen.