Herr Böhme, was sind die Gründe für ihr Karriereende?

Schon bei der Vertragsverlängerung beim „Bulls-Team“ vor drei Jahren war für mich klar, dass dies mein letztes Engagement im Profisport sein wird. Mit 36 Jahren hab ich alles gesehen, erlebt und erreicht. Ich fühle mich müde und satt und habe auch keine neuen sportlichen Ziele gesehen. Nach 15 Jahren als Profi wollte ich einen Schlussstrich ziehen und einen neuen, spannenden Lebensabschnitt beginnen. Auch privat musste ich viel zurückstecken, und dies will ich nun ändern, zudem ich dieses Jahr auch Vater werde.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft zum Mountainbiking entdeckt?

Beim Radfahren mit Freunden auf dem heimischen Schienerberg. Der Spaß stand zwar immer im Vordergrund, doch irgendwann habe ich mich bei den ersten Rennen angemeldet. Mit 15 kam ich dann in den Landeskader Baden-Württemberg, und von da an ging es steil bergauf.

Was war die größte Herausforderung in ihrer aktiven Karriere?

Dies kann ich nicht auf ein einzelnes Rennen beziehen. Die größte Herausforderung war für mich neben dem schwierigen Zeitmanagement auch der Verzicht auf vieles. Vor allem penibel auf meine Ernährung zu achten, forderte viel Disziplin von mir. Schwer fiel es mir vor allem in schwierigen Phasen meiner Laufbahn, da ich auch dann viel entbehren musste.

Was hat Sie dazu motiviert, den Leistungssport trotzdem über so viele Jahre zu betreiben?

Dem Aufwand und der Disziplin steht natürlich das aufregende Leben eines Profi-Mountainbikers entgegen. Ich hatte das Glück, das Leben und die Welt auf dem Rad kennenzulernen und habe da sehr viel für mich persönlich mitgenommen.

Welcher sportliche Erfolg ist ihnen am wichtigsten?

Das ist für mich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. In den Jahren zuvor bin ich knapp gescheitert und zweimal Vizemeister geworden. Dieses langersehnte Ziel konnte ich 2014 erreichen. Anschließend ein Jahr lang das Meistertrikot tragen zu dürfen, war eine große Ehre für mich.

Hatten Sie ein Geheimrezept für das Training beziehungsweise im Rennen?

Ich war nie der Fleißigste, eher der Clevere. Mir wurde hinterher gesagt, dass ich mehr hätte erreichen können, wenn ich härter trainiert hätte. Mein Schlüssel zum Erfolg war, dass ich mir viele Kompetenzen im Bereich der Leistungsdiagnostik und der Trainingssteuerung angeeignet und diese für mich genutzt habe. Hierbei ist das Zeitmanagement extrem wichtig. Die Zeit, die ich trainiert habe, habe ich intelligent und intensiv genutzt. Im Wettkampf hatte ich immer einen klaren Taktik-Plan, nur hilft der einem auch nichts, wenn man zu Beginn des Rennens nicht vorne dranbleibt (schmunzelt).

Wie kam es dazu, dass Sie während Ihrer Profikarriere ein zweites Standbein aufgebaut haben?

Ich habe schnell gemerkt, dass Radfahren allein zu wenig für mich ist. Der Profisport und der Aufbau der Radlabor GmbH gingen Hand in Hand. Ich habe durch das Profigeschäft viel Know-How mitgenommen und gewusst, dass ich mich in diesem Bereich über den Sport hinaus weiterentwickeln möchte. Hier kann ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse gezielt an andere weitergeben.

Welche Pläne haben Sie für das Jahr 2019?

Da ich dieses Jahr Vater werde, steht das familiäre Leben an der erster Stelle. Ich werde zu meiner Frau nach Marokko reisen, die dort zur Zeit lebt und arbeitet. Ich bleibe weiter Teil des Radlabor-Teams, jedoch werde ich mich eher auf den Content-Marketing-Bereich kümmern. Außerdem veröffentliche ich weiterhin Magazin-Artikel, die ich problemlos in Marokko verfassen kann.

Fragen: Pascal Rasmus