Leichtathletik: Innerhalb weniger Minuten entschieden sich die zwei wohl spannendsten Wettkämpfe des ganzen Tages bei den Deutschen U-23-Meisterschaften im hessischen Wetzlar. Zwei Athleten des TV Engen hatten die Konkurrenz im Weitsprung und Stabhochsprung kräftig durcheinandergewirbelt.

Güntert springt 7,65m weit

Luzia Herzig war gegen 18 Uhr schon zweieinhalb Stunden im Wettkampf, als Enrico Güntert, auf dem dritten Platz mit 7,38m liegend, in der U-23-Konkurrenz zu seinem sechsten und letzten Weitsprungversuch ansetzte und seine ganze Energie in den Satz in die Sandgrube legte. Er traf das Brett perfekt, segelte hoch durch die Luft und landete weit hinten in der Weitsprunggrube. Es war klar, dass dies sein bester Versuch war. Ein Jubelschrei schallte kurz danach durchs Stadion, als eine Kampfrichterin ihm verkündete, dass der Sprung 7,65m weit war und dazu noch mit gültigem Wind! Das war nicht nur eine Bestleistung, die mehr als 40 Zentimeter über seiner letztjährigen Bestmarke liegt, sondern das bedeutete die Übernahme der Führung. Er hatte zudem die Konkurrenz so geschockt, dass die beiden Führenden nichts mehr entgegensetzen konnten. Das hieß Gold für den Neu-TV-Engener Güntert aus Büsingen.

Herzig mit 4,15m zu Silber

Fast gleichzeitig setzte Luzia Herzig in ihrer Spezialdisziplin Stabhochsprung ein paar Meter daneben zu ihren letzten Sprüngen an. Die Qualifikationshöhe für die Europameisterschaften von 4,25m lagen auf. Dreimal riss sie diese Höhe und im zweiten Versuch so denkbar knapp, dass selbst auf dem Video nicht ersichtlich war, wo sie die Latte berührt hatte. Es wäre der Sieg und die Qualifikation für Schweden gewesen. So blieb ihr „nur“ Silber und die verpasste Chance, international zu starten. Ein Hauch einer Berührung hatte über Silber und Gold entschieden. Doch die Freude überwog über die Vizemeisterschaft durch die übersprungenen 4,15m und sie zeigte vor den Augen des Bundestrainers im Wettkampfverlauf sehr gute Sprünge.

Erfolgreichste Meisterschaft der Geschichte

Der Wettkampf war lang und anstrengend und hat alles an Spannung geboten, was möglich ist. Sie stand bei der Anfangshöhe durch böige Winde schon vor dem Aus, kämpfte sich zurück, übernahm kurz vor Schluss die Spitze und wurde noch knapp von Stina Seidler (Bremen), die die 4,20m schaffte, abgefangen. Luzia hatte diese Höhe aus taktischen Gründen ausgelassen. Zwischen diesen Entscheidungen lagen nur Minuten und die Leichtathletik-Abteilung des TV Engen erlebte eine Sternstunde ihres Bestehens, es waren die erfolgreichsten Meisterschaften ihrer Geschichte.

Güntert springt ins Rampenlicht

Enrico Güntert, der ursprünglich für den LC Schaffhausen startet und dieses Jahr durch seine doppelte Staatsbürgerschaft begünstigt, in Deutschland starten wollte, hat sich durch seinen Erfolg ins Rampenlicht gesprungen. Er muss jetzt entscheiden, falls er einen internationalen Start angeboten bekommt, ob er für die Schweiz oder für Deutschland starten will. Für die Deutschen Aktivenmeisterschaften hat er sich qualifiziert und reist im August mit Luzia, startberechtigt im Stabhochsprung, nach Berlin.