Handball, 3. Liga

TGS Pforzheim - HSG Konstanz 32:30 (17:19)

Nach 15 Siegen in Folge und einer über fünf Monate andauernden Erfolgsserie ist es passiert: Erstmals seit dem vierten Spieltag musste sich Drittliga-Tabellenführer HSG Konstanz geschlagen geben. An einem schlechten Tag mit vielen Fehlern der Blau-Gelben behielt eine starke TGS Pforzheim mit 32:30 (17:19) die Oberhand. Da gleichzeitig jedoch auch die Verfolger patzten, beträgt der Vorsprung der HSG auf die Konkurrenz weiter sechs Punkte.

Die Spieler der HSG Konstanz standen nach Schlusspfiff einer von der ersten Sekunde an heiß umkämpften Partie bedröppelt auf dem Spielfeld. Mancher starrte fassungslos ins Nichts, andere liefen kopfschüttelnd umher. Richtig fassen konnte es im ersten Moment keiner. Das mag daran liegen, dass die erste Niederlage nach so langer Zeit besonders schmerzte. Aber auch daran, dass man den eigenen schlechten Tag noch nicht verarbeitet hatte. Und dennoch lange mit bis zu vier Toren geführt hatte (21:17/33.). Bis die letzte Viertelstunde hereinbrach und sich die Begegnung zu einem echten Drama entwickelte.

Felix Krüger
Felix Krüger | Bild: Michael Elser

Da war zunächst der 30:29-Führungstreffer von Joschua Braun knapp vier Minuten vor Ultimo. Dazu musste Pforzheim danach kurzzeitig in doppelter, länger noch in einfacher Unterzahl agieren. Doch die Nordbadener, beflügelt durch die greifbare Chance, die imponierende Siegesserie des Favoriten zu beenden, drehten die Partie. 31:30 durch Filip Prsa. Auszeit Daniel Eblen. 20 Sekunden noch für die Chance zum Punktgewinn. Doch Konstanz vertändelte die Chance zum Ausgleich und TGS-Kapitän Florian Taafel konnte unbedrängt in letzter Sekunde den Gegenstoß zum 32:30 einnetzen. Nun brachen alle Dämme bei den Hausherren, die Konstanzer sackten völlig enttäuscht in sich zusammen.

Den Grund hierfür brachte Cheftrainer Daniel Eblen kurz auf den Punkt. „Da waren ein paar saudumme Sachen dabei. Pforzheim hat hingegen ein richtig gutes Spiel gemacht. Das ist uns nicht gelungen.“ Von der Form der letzten Wochen war die HSG ein ganzes Stück entfernt. In der Defensive wurde nie die gewohnte Stabilität erreicht. Zwar wurde „lange ordentlich verteidigt“, so Eblen, doch als seine Mannschaft so weit war, den Gegner in die Situation des drohenden Zeitspiels oder ungünstige Abschlusspositionen zu bringen, taten sich doch noch so nicht gekannte Lücken in der Konstanzer Deckung auf, die vor allem der lettische Nationalspieler Maris Versakovs (zehn Tore) nutzte.

Samuel Wendel
Samuel Wendel | Bild: Michael Elser

Das brachte Eblen auf die Palme, am ärgerlichsten war jedoch ein Wechselfehler, als das Spiel beim 25:25 (45.) auf Messers Schneide stand. Die folgende Überzahl nutzte Pforzheim zur ersten Führung überhaupt. Einen Vorwurf wollte Eblen seiner seit Wochen auf höchstem Niveau spielenden Mannschaft aber nicht machen. In der ersten Halbzeit hatte sie noch, obwohl auch hier schon einige Fehler eine deutlichere Führung verhinderten, gute Lösungen gegen die Manndeckung für Paul Kaletsch gefunden. Tim Jud nutzte die Freiräume gekonnt mit schnellen Durchbrüchen zu neun Toren.

In der zweiten Hälfte gab Pforzheim diese Variante auf und kehrte in das 6:0 zurück. Für Eblen aber nicht der entscheidende Faktor. Die vielen Fehler in allen Bereichen hingegen schon. Die erste Niederlage seit September wäre vermeidbar gewesen, ist aufgrund der hohen Fehleranzahl aber auch nicht unverdient. „Es war klar“, meinte der HSG-Coach, „dass so ein Tag mal kommt. Leider ist der schlechte Tag in vielen Punkten auf einmal aufgetreten.“

Felix Krüger
Felix Krüger | Bild: Michael Elser

HSG Konstanz: M. Wolf, Tölke (Tor); Stotz, Schlaich (3), Portmann (2), Wiederstein (3), Kaletsch (6/4), Krüger (3), Braun (3), Jud (9), Keupp, Wendel (1), Löffler. – Z: 700.

"Enttäuschung ist groß"

Kapitän Tim Jud spricht über die Gründe für die erste Niederlage der HSG Konstanz nach 15 Siegen in Folge – und über neue Energie, die man daraus gewinnen könne

Herr Jud, ist die Enttäuschung nach zuletzt 15 Siegen am Stück besonders groß, ebenso wie der Ärger über die eigene Leistung?

Es war schön, solch eine Serie hinzustellen. Die Enttäuschung, dass uns nun nicht der 16. Sieg hintereinander gelungen ist, ist groß. Genauso wie der Ärger über die eigene Leistung, denn es wäre mehr drin gewesen. Nach Siegen schläft man besser ein.

Warum ist es nun in Pforzheim passiert?

In der Abwehr standen wir nicht so kompakt wie in den letzten Spielen, haben nicht diesen Zugriff gefunden. Im Angriff haben wir das Spiel nicht verloren, da war schon Druck da.

Ist euch die Manndeckung gegen Paul Kaletsch in der ersten Halbzeit dabei besser gelegen als die 6:0 in der zweiten?

In der offensiveren Deckung gibt es schnellere Möglichkeiten für Abschlüsse. Gegen die 6:0 mussten wir mehr arbeiten. Das haben wir jedoch in der ersten wie auch der zweiten Hälfte ganz gut gelöst. Mit fünf Holztreffern in den letzten zehn Minuten kommt etwas Pech dazu. Die Probleme lagen für mich eher in der Defensive.

Kann dieser Weckruf auch neue Kräfte für eine neue Serie freisetzen?

Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass in dieser ausgeglichenen Liga vieles möglich ist. 90 bis 95 Prozent reichen da nicht. Natürlich gehen wir nun mit neuer Energie in die nächsten Spiele. Trotzdem hätte ich lieber den Sieg genommen.

Wie groß ist nach drei Auswärtsspielen in Folge die Vorfreude auf das Heimspiel am Samstag gegen Kornwestheim?

Gerade nach der Niederlage tut uns die Unterstützung daheim gut. Das pusht und setzt zusätzliche Kräfte frei. Deshalb ist die Vorfreude darauf riesig, obwohl auch in Pforzheim die Unterstützung durch die Fans großartig war.

Fragen: Andreas Joas