Herr Kaletsch, wie ist die Leistung in der ersten Halbzeit in Rostock zu erklären?

(atmet tief ein) Vielleicht mit Unerfahrenheit. Es hat die Konzentration gefehlt, uns sind dumme Sachen passiert. Da ist es schwer, ins Spiel zu kommen. Das müssen wir abstellen. Sonst haben wir keine Chance. Man kann auch die Reise, die große Halle, Aufregung anführen. Aber so richtig erklären kann ich es nicht. Aber wir haben 31 Auswärtstore, deshalb sehe ich das Endergebnis überwiegend positiv, mit der Erkenntnis, dass wir 20 Tore in der zweiten Hälfte erzielt haben. 30 Gegentore im Schnitt in der Relegation sind jedoch zu viele. Am Samstag kann nur eine gute Abwehr der Weg sein.

31:31 nach sechs Toren Rückstand. Gibt die Aufholjagd Rückenwind?

Wenn wir verlieren, sind wir raus. Rückenwind gibt das trotzdem. Wir wissen, dass es nicht leicht wird – aber wir spielen voll auf Sieg. Wir haben es gegen Eisenach erlebt, die Stimmung wird ähnlich sein. Darauf freue ich mich. Jeder wird am Samstag Vollgas geben.

Es hat immer wieder den Anschein, Sie seien für solche Situationen wie den Siebenmeter zum 31:31 wie gemacht.

Wenn es heiß hergeht, mag ich das. Ich scheue mich nicht vor solchen Situationen. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, kämpft, kommt in einen Flow und Selbstbewusstsein. Dann macht es am meisten Spaß. Wir haben Tore und Aktionen gebraucht. Wir wurden für unser Risiko, unser Wagnis, Mut und Entschlossenheit belohnt.

Zwei Meisterschaften, mit 226 Treffern die Torjägerkrone, nur der Aufstieg fehlt. Welchen Wert haben Titel ohne Krönung?

Das hat alles schon seinen Wert, über den man sich nach ein paar Wochen Abstand freuen kann. Das kann mir keiner mehr nehmen. Die Torjägerkrone ist eine Auszeichnung, für die man im Handball nichts bekommt und die ich deshalb nicht zu hoch hängen möchte. Aber ich freue mich darüber. Wir wollen den Aufstieg schaffen, das persönliche Triple ist das Ziel. Die 2. Bundesliga ist nicht das größte Thema bei mir, vielmehr, dass ich es dann allen gezeigt habe. Die Herausforderung zu bestehen, diesen Modus zu meistern. Wenn wir diese ultimative Herausforderung packen und uns durchsetzen, kann man darauf lange stolz sein. Wenn das mit zwei Ringen und einer Krone endet, ist das nicht schlecht. (grinst)

Wie beurteilen Sie die Ausgangslage?

Es gibt nur noch das finale Spiel. Wir nehmen keinen Vorsprung mit und müssen gewinnen. Eine deutlich bessere Leistung über 60 Minuten wird nötig sein. Eine Schwächephase kann man sich nicht erlauben. Der Start fällt vielen daheim aber immer leichter. Das geilste Handballspiel der Saison steht uns bevor. Die Ausgangslage ist gut, aber nicht sehr gut. Es zählt jetzt nur eine gute Leistung.

Das Finale daheim, im eigenen Hexenkessel: Mehr geht wohl nicht an Vorfreude.

Es warten die ultimativen 60 Minuten auf uns. Dafür müssen wir bereit sein. Das muss immer präsent sein, auch bei einem Rückstand. Wir müssen an schöne Sachen denken. Mit positiver Energie und Freude geht es aufs Spielfeld. Dann bin ich überzeugt, dass wir es schaffen.

Was macht Paul Kaletsch am Samstag gegen 21.30 Uhr?

Eskalieren. Durchdrehen. Den Emotionen freien Lauf lassen. Mit den Menschen, die uns das ganze Jahr unterstützt haben, zusammen feiern können, wäre ein Traum. Das wird in jedem Fall sehr emotionsgeladen. Aber einen Meister erwischt es, der nicht aufsteigen darf. Und dieses Gefühl will keiner spüren.

Fragen: Andreas Joas