Herr Preiser, wie ist es bei der aktuell guten Lage des Clubs zu Ihrem Rücktritt gekommen?

Das hat einzig und allein gesundheitliche Gründe. Mein Arzt hat mir ganz dringend nahegelegt, mit Blick auf meine Gesundheit, Verantwortung abzugeben und Stress abzubauen.

Sie sind nun seit 1999 im Vorstand des FC Radolfzell ehrenamtlich aktiv, seit Oktober 2013 als 1. Vorsitzender. Da fällt solch ein Schritt doch sicher nicht leicht?

Ich bin durch und durch Blau-Weiß! Es wurde hier im Laufe der vergangenen Jahre etwas aufgebaut mit einer tollen Truppe. Den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt gibt es ja ohnehin kaum. Und gerade jetzt, wo sich in Sachen Infrastruktur viel tut, ist es besonders bitter. Aber nach den Aussagen meines Arztes ist der Schritt alternativlos.

Was waren denn im Laufe der 20 Jahre Vorstandsarbeit das höchste Hoch und das tiefste Tief?

Der absolute Tiefpunkt war sicherlich, als die Mitarbeiter der Zollfahndung eine Hausdurchsuchung bei den Vorstandsmitgliedern und im Clubheim vornahmen. Mit solchen Aktionen wird das Ehrenamt mit Füßen getreten. Aber auch der plötzliche Tod von „Mister Spielausschuss“ Gigi Tassone hat uns alle sehr getroffen. Hochs gab es einige: Die beiden Aufstiege in die Verbandsliga, die Teilnahme an der Aufstiegsrunde in die Oberliga, das Pokalfinale und auch die deutsche Meisterschaft unserer U 16 im Futsal. Und dann war natürlich das Trainingslager von Schalke 04 bei uns auf der Mettnau ein Highlight.

Und wie geht es in der FCR-Führungsriege weiter? Ist der Club nun in einer Findungsphase?

Ja, das ist aber sehr schwierig, denn es ist ja grundsätzlich schwer, jemanden für ein Ehrenamt zu gewinnen. Aber hier trifft man auf eine starke Mannschaft, auf einen Vorzeigeverein mit einer hervorragenden Jugendarbeit, der Jahr für Jahr mit wenig Mitteln viel erreicht. Da muss jetzt eben jemand gefunden werden, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Hat der Rücktritt Auswirkungen auf den Verein?

Ich denke nicht, dass die anstehenden Projekte von einer Person abhängig sind. Zudem ist in Sachen Clubheim ein Arbeitskreis am Werk mit kompetenten, engagierten Mitarbeitern, die das Projekt begleiten.

Und Sie wird man nur noch als Zuschauer im Mettnau-Stadion sehen?

Definitiv! Ich werde weiter da sein, aber eben nicht mehr in der Verantwortung stehen.

Fragen: Jürgen Rössler