Herr Bingeser, waren Sie vom Erfolg Ihres Teams, das ja gerade erst in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist, überrascht?

Wir haben natürlich versucht, im Rahmen unserer Möglichkeiten ein konkurrenzfähiges Team zu haben, um in jedem Fall der Herausforderung gewachsen zu sein. Dass es zum Schluss zur Meisterschaft und zum Aufstieg gereicht hat, war nicht das erklärte Ziel. Für mich war es jedoch nicht wirklich überraschend, eher die Bestätigung einer kühnen Hoffnung zu Beginn der Saison.

Das Team wurde im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, die Leistungsträgerinnen sind zumeist schon mehrere Jahre für den TC Radolfzell im Einsatz. Ist die Kontinuität ein Teil des Erfolges?

Das in jedem Fall – wir haben jetzt ja ein bisschen Erfahrung. Wichtig ist es, Spielerinnen zu haben, die motiviert sind, die Liga zu spielen und die zuverlässig sind. Zuverlässigkeit betrifft aber beide Seiten. Viele Spielerinnen sind bereits mehrere Jahre bei uns, und das zeigt ja, dass wir einen konstant guten Job machen.

Mit dem Erfolg geht der Blick aber zwangsläufig auch nach vorne und nach oben. Hat das Team das Potenzial, sich in der 1. Bundesliga zu behaupten?

Ich denke, auch die 1. Bundesliga hat sich seit 2011 verändert. Wir werden die diesjährige Saison dort analysieren und daraus unsere Rückschlüsse ziehen. Viele unserer Spielerinnen haben mit Sicherheit das Potenzial, in der 1. Liga zu spielen.

Gibt es in Sachen Kaderplanung für die kommende Runde schon Zu- oder Absagen?

Karolina Muchova bleibt in jedem Fall – die erwarte ich 2017 in den Top 150. Anastasia Wagner hat als 16-Jährige unseren ersten Bundesliga-Punkt überhaupt geholt in der Saison 2009 und ist seit 2005 im Verein. Unsere 15-Jährige Tea Bogdanoska, hat das Potenzial in den Kader aufgenommen zu werden. Ansonsten hat uns bisher niemand abgesagt vom diesjährigen Kader. Wir werden bemüht sein, nicht allzu viel zu ändern. Jedoch ist es zu früh, heute schon Aussagen zu machen.

Das Herrenteam wurde vor der Saison abgemeldet, um sich, vor allem finanziell, auf das Frauenteam fokussieren zu können. Der Titel gibt der Strategie Recht. Aber reicht der Rahmen auch für die 1. Bundesliga, denn nun steigen ja auch die Fahrtkosten deutlich?

Es ist richtig, dass bei drei Auswärtsspielen die Entfernung sehr wahrscheinlich größer wird, es sei denn, es wird Karlsruhe oder Stuttgart. Aber diese Steigerung ist gering. Wie gesagt: Wir haben den Aufstieg nicht als Ziel gehabt, und aus diesem Grund werden wir uns jetzt auf allen Ebenen die Zeit nehmen, das zu analysieren und zu planen.

Fragen: Jürgen Rössler

Zur Person

Norman Bingeser (48) wurde in Konstanz geboren. Er hat die A-Trainer-Lizenz des Deutschen Tennis Bundes und den International Coach Level A und ist seit 2006 beim Tennisclub Radolfzell. Bingeser hat die Radolfzeller Damenmannschaft auf dem Weg in die Bundesliga 2008 und zu den Deutschen Meistertiteln der Jahre 2010 und 2011 gecoacht. Davor war Bingeser, der auch Tae Kwon Do-Instructor ist, mehrere Jahre auf der Profi-Tour, unter anderem als Coach von Andrei Merinov und Anna Kournikova. (jr)