Para-Leichtathletik: Was der Vorarlberger Ort Götzis für die Zehnkämpfer sei, das sei Singen für die Para-Leichathletik, war bei der Begrüßung am Samstag im Münchriedstadion zu hören. Und das bedeute: ein gut organisierter Rahmen, gute Sportstätten, eine hohe Leistungsdichte und gute Stimmung auf den Rängen – sowohl im nahen Rheintal als auch im Hegau.

200 Wertungsklassen

Über 170 Athletinnen und Athleten mit Handicap kämpften bei den internationalen deutschen Meisterschaften am Samstag und Sonntag in Singen um Titel in nahezu 200 Wertungsklassen.

Dauergast auf dem Siegertreppchen war die erst 14-jährige Merle Menje. Mit ihrem Rennrollstuhl war die für den StTV Singen startende Gottmadingerin fünf Mal am Start über Distanzen von 100 bis 1500 Meter. Und ihr Auftakt am Samstag war vielversprechend. Über die 1500 Meter-Distanz hielt sie sich lange im Windschatten der starken Schweizerin Patricia Eachus. Erst auf der Zielgeraden setzte sie zum Überholmanöver an und konnte sich um Reifenbreite nach vorne kämpfen. Platz eins im ersten Rennen, ihr erster DM-Titel des Wochenendes. „Man darf in Sachen Windschatten eigentlich alles. Natürlich wäre es besser, wenn man sich abwechselt. Aber da ich jünger bin, hatte Patricia kein Problem damit. Sie hatte schon vor dem Rennen gesagt, dass sie für mich fährt und der Rennverlauf war für sie okay“, so die Siegerin im Ziel.

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Eng ging es auch über die 100 Meter zu. Drei Athletinnen kamen innerhalb von nur 14 Hundertstelsekunden ins Ziel, als Dritte Merle Menje. Da jedoch zwei Schweizerinnen vor ihr lagen, ging der deutsche Meistertitel auch über diese Distanz an sie.

Fünf Titel für Merle Menje

Auf den weiteren drei Distanzen, 400, 200 und 800 Meter, gab es stets den gleichen Zieleinlauf: Eachus vor Merle Menje. Der Schweizerin gelang damit die Revanche für die 1500-Meter-Strecke, zumal es über 800 Meter genau umgekehrt lief – hier führte die Lokalmatadorin lange und wurde im Zielspurt überholt. Doch für Merle Menje folgten die Meistertitel drei bis fünf bei den diesjährigen Titelkämpfen.

Paralympics als Ziel?

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Paralympics im nächsten Jahr für die junge Sportlerin bereits ein Ziel sind? „Die Paralympics, das ist ein unglaublich hohes Ziel. Davor kommen noch andere Schritte, Junioren-Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, und erst dann kommen irgendwann die Paralympics. Ich bin jetzt erst 14 Jahre alt, im nächsten Jahr, wenn die Paralympics in Tokio sind, bin ich erst 15, und mit 15 Jahren darf man noch nicht an den Paralympics teilnehmen!“, so die Gymnasiastin am Rande der Titelkämpfe.

Singener Starter überzeugen

An Oswald Ammon, hier beim Kugelstoßen, gingen die deutschen Meistertitel im Kugelstoßen und im Diskuswurf der Klasse M60.
An Oswald Ammon, hier beim Kugelstoßen, gingen die deutschen Meistertitel im Kugelstoßen und im Diskuswurf der Klasse M60. | Bild: Jürgen Rössler

Neben Menje nutzten noch weitere Athleten aus dem Hegau den Heimvorteil. Yannis Fischer und Robin Weiler sorgten gleich für zwei Singener Doppelsiege – in der Klasse U20 im Kugelstoßen und im Diskuswerfen. Robin Weiler holte sich zudem mit 16,89 Metern den Titel im Speerwurf. Zwei Titel in der Klasse M60 holte sich auch Oswald Ammon. Zunächst schaffte er trotz Trainingsrückstand 4,63 Meter im Kugelstoßen, am Sonntag dann flog der Diskus auf 10,01 Meter.

Zwar scheiterte Paralympics-Sieger Niko Kappel beim Versuch, sich im Kugelstoßen den Weltrekord zurückzuholen, der Titel ging dennoch an ihn. Irmgard Bensuan stellte mit 12,72 Sekunden über 100 Meter zum dritten Mal den Weltrekord ein. Eine Weltbestleistung gab es in Singen dann doch zu feiern. Leon Schäfer verbesserte die Bestleistung im Weitsprung um drei Zentimeter auf 6,80.