Herr Wolf, wie groß war die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Eisenach und wie wurde sie verarbeitet?

Die Hoffnung war da, dass wir im Heimspiel noch einmal zurückkommen können. Wenn Hoffnung da ist, ist die Enttäuschung hinterher umso größer, wenn es nicht geklappt hat. Das war in den letzten fünf Spielminuten und danach zu spüren. Dies mussten wir verarbeiten, aber nun sind alle heiß auf Rostock. Es ist nichts verloren. Wir haben die Chance, unseren Traum in den nächsten zwei Wochen zu verwirklichen.

Jetzt gibt es zwei weitere Endspiele vor tollen Kulissen.

Darauf freuen wir uns sehr. Zunächst auf das Auswärtsspiel in einer großen Halle, wo wir vor einer schönen Kulisse spielen werden. Wir werden alles geben und wollen uns für den Aufwand belohnen. Bei uns daheim ist es auch immer laut, das kennen wir.

Wo liegen jetzt in der Vorbereitung die wichtigsten Aufgaben: Wieder mehr auf sich selbst konzentrieren, wieder besser in der Abwehr stehen und so die eigenen Stärken entfalten?

Ja, unsere Stärken müssen wir besser zur Geltung bringen. Dazu gehört vor allem die Defensive. Und im Angriff schneller zu spielen, weniger parallel. Wobei es natürlich auch sehr schwer war gegen die körperlich robuste Deckung des ThSV Eisenach, der seine Angriffe selbst sehr lange ausgespielt hat. Dazu mussten wir am Ende immer mehr Risiko gehen, um noch etwas zu versuchen. In der Abwehr und wir Torhüter müssen uns jedoch auf jeden Fall steigern, mehr Zugriff bekommen. Das ist ein Wechselspiel, man ist voneinander abhängig. Von uns Torhütern muss dabei mehr kommen. Wir sind ein junges Team, dem in manchen Situationen noch etwas die Abgeklärtheit fehlt. Wir hatten es mit einer erfahrenen Truppe inklusive Trainer zu tun, die wirklich alles schon einmal miterlebt hat.

Was erwartet die HSG in Rostock?

Wir wissen, dass Rostock sich gerne etwas Spezielles für jeden Gegner einfallen lässt. Wir werden uns jedoch auf unsere Stärken besinnen. Gegen Eisenach ist es uns nicht gelungen, das zu spielen, was wir können. Jeder weiß das. Jeder für sich und als Team wollen wir zeigen, dass wir es besser können. Die Enttäuschung ist einer Jetzt-erst-Recht-Stimmung gewichen. Wir wollen zeigen, was wir draufhaben und dass es besser geht.

Es werden aber wohl zwei Nervenspiele.

Einerseits ist das eine Do-or-die-Situation. Wir sind aber vor allem dankbar für die zweite Chance und wollen alle hoch, dorthin, wo wir vergangene Saison gespielt haben. Dabei wird es auf Kleinigkeiten ankommen. Mit einem starken Hinspiel wollen wir uns eine gute Grundlage für unser Handball-Fest in der Schänzle-Hölle erarbeiten.

Um die 3000 Menschen werden an der Ostsee gegen die Konstanzer sein: Ist das ein zusätzlicher Ansporn?

Es ist immer schön, vor vielen Zuschauern zu spielen. Auch auswärts. Das macht immer mehr Spaß, selbst wenn die Zuschauer für den Gegner und gegen uns sind. Das ist Extra-Motivation. Es kann auch schön sein, mit einem Lauf von zwei, drei Toren die Halle ruhigzustellen. Wir werden die Atmosphäre genießen, das ist ein Grund, warum man den Sport ausübt und den Aufwand auf sich nimmt. Für solche Erlebnisse, auswärts wie daheim.

Ihr Motto für die zweite und letzte Runde der Relegation?

Bei mir ist das Glas immer halb voll. Wir sind nicht chancenlos. Hätten wir unser Spiel gemacht, hätte es auch gegen eine sehr starke Eisenacher Mannschaft besser laufen können. Leider haben wir es in beiden Partien nicht geschafft, das zu zeigen, worauf es in der Relegation ankommt. Wir sind aber in kein tiefes Loch gefallen, sondern werden aus den gewonnenen Erfahrungen noch stärker. Wir ziehen unsere Lehren daraus.