Vorbereitungszeit ist nicht gerade Lieblingszeit. Wie fühlt sich der Körper an?

Es geht wieder. (lacht) Mit zwölf Einheiten pro Woche steht gerade viel auf dem Plan, morgens Athletik- oder Ausdauertraining und abends das normale Mannschaftstraining. Man gewöhnt sich schnell wieder an die Belastung, obwohl es mit der Klausurphase zuletzt schon sehr stressig war. Das ist aber alles machbar, vor allem, weil unsere Athletiktrainerinnen das super machen.

Sie kamen im Februar zur HSG, feierten Meisterschaft und Aufstieg. Wie turbulent und intensiv war jenes halbe Jahr?

Turbulent trifft es wirklich gut. In der ohnehin für alle sehr fordernden Phase war es anfangs schon eine zusätzliche Belastung für mich, in eine neue Mannschaft, ein neues Spielsystem zu finden. Es war aber vor allem ein geiles halbes Jahr. Mit Titel und Zweitliga-Aufstieg! Hätte mich darauf jemand vor einem Jahr angesprochen, hätte ich wohl nur darüber gelacht. Dass dies nun so schnell Realität wird, ist einfach unglaublich. Die Relegation war für alle verdammt anstrengend. Alle haben jedoch an einem Strang gezogen, die letzten Körner aus sich herausgeholt und sich verdient belohnt.

Wie schwer war es, sich auf den Kampf um alles umzustellen?

Mit allem, was neben den sportlichen Gesichtspunkten dazukommt, war sehr viel in kürzester Zeit zu meistern. Ich muss ein riesiges Lob und Dankeschön an das Team aussprechen. Jeder hat mir vom ersten Tag an geholfen, wo es nur ging. Alle haben sich Zeit für mich genommen, viel Geduld aufgebracht und mir die Dinge immer wieder erklärt. Allen voran Trainer Daniel Eblen.

Wie haben Sie Titel und Relegationsentscheidung erlebt?

Es mag vielleicht blöd klingen, aber: Der Titel ist für mich eher zweitrangig. Klar ist das eine schöne Medaille, die man sich an die Wand hängen kann. Ich persönlich habe aber nur in ein paar Spielen dazu beitragen können und daher längst nicht den Anteil, den andere daran haben. Zum Aufstieg konnte ich mehr beitragen. Da ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Für uns alle eine riesige Sache und ein tolles Erlebnis.

Bislang kamen Sie meist auf Rechtsaußen zum Einsatz. Mit Ihren zwei Metern eher ungewöhnlich. Ist dies ein Vorteil?

Man stellt den Torwart vor eine ganz neue Situation, wenn plötzlich nicht mehr 1,70, sondern zwei Meter auf ihn zu- oder an ihm vorbeispringen. Ich bin hier, um Handball zu spielen und der Mannschaft weiterzuhelfen und genieße jeden Einsatz, egal wo. Im Moment müssen wir den verletzten Fabian Maier-Hasselmann kompensieren, diese Rolle übernehme ich gerne.

Wie ist der Stand der Vorbereitung?

Wir haben recht früh im Vergleich zu anderen Teams mit dem Training begonnen. Das kann mit der Routine in den Abläufen anfangs ein Vorteil sein. In Sachen Athletik und Ausdauer gehen wir den nächsten Schritt und erhöhen die Intensität. Dazu spielen Spielzüge eine Rolle, sowie die Integration der Neuzugänge. Tempo, Sicherheit und Abwehr wollen wir verbessern.

Hüttenberg, Bietigheim und Hamm warten in den ersten drei Spielen.

Wer sich auf solch ein Programm nicht freut, macht etwas falsch. Das werden richtig geile Spiele, in denen wir alles geben – dann ist alles möglich. Etwas Zählbares wäre die Krönung.

Wie schwer wird der Klassenerhalt?

Der Abstiegskampf beginnt am ersten Spieltag. Das wird eine schwere, aber schöne Aufgabe. Unser Vorteil ist vielleicht, dass wir die Neuen sind. Mit unserem Tempospiel haben wir zudem die Chance, zu bestehen. Wenn dir daheim knapp 2000 Fans den Rücken stärken, kommst du voller Adrenalin auch über deine Schmerzgrenze. Unsere Fans sind ein riesiger Faktor.

Was wird die größte Herausforderung?

Es ist ganz wichtig, dass wir von Anfang an die Härte annehmen und zeigen, dass wir Zweitliganiveau besitzen.

Fragen: Andreas Joas